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Warnstreiks am Internationalen Frauentag | Drucken |  E-Mail
Frauen
Donnerstag, den 08. März 2012 um 13:05 Uhr

Warnstreik am Donnerstag in AugsburgIn keinem anderen europäischen Land ist der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so ausgeprägt wie in Deutschland, kann man der aktuellen OECD-Studie entnehmen. Auch was die Anzahl der Frauen in Führungspositionen angeht, ist Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen: Auf kaum vier von hundert Vorstandsposten findet sich hierzulande eine Frau. »Es ist deshalb an der Zeit, am Internationalen Frauentag 8. März Zeichen zu setzen«, erklärte Bettina Messinger, Frauensekretärin bei ver.di Bayern. Sie ruft auch zur Teilnahme an den zeitgleichen Warnstreiks im öffentlichen Dienst auf. Es passe sehr gut, so Messinger, »dass die Warnstreiks in Bayern am Internationalen Frauentag beginnen, denn der 8. März steht ganz in der Tradition von Arbeitskämpfen«. Als eine historische Wurzel des Frauentags gilt der Streik der New Yorker Textilarbeiterinnen, die 1857 um gleichen Lohn und Verkürzung der Arbeitszeiten kämpften.



Es sei allerhöchste Zeit, dass die Bundesregierung handelt, sagte Messinger. Nötig sei, einen gesetzlichen Mindestlohn nicht unter 8,50 Euro als Lohnuntergrenze einzuführen, was besonders den Frauen in den Niedriglohnbereichen zugute kommen würde. Zudem müsse per Gesetz die Entgeltgleichheit durchgesetzt werden. Das würde die Unternehmen verpflichten, ihre Einkommensstruktur zu überprüfen und geschlechtergerecht zu gestalten. Alle Ressourcen in den flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung zu stecken statt ein Betreuungsgeld einzuführen, würde helfen, Familie und Beruf zu vereinbaren. Und endlich eine gesetzliche Frauenquote zu beschließen, würde die Unternehmen unter Druck setzen, Führungspositionen auch mit Frauen zu besetzen.

Am 8. März machen die ver.di Frauen bayern- und bundesweit auf diese und weitere Forderungen aufmerksam, z.B. in München, Augsburg und Ingolstadt. »Im öffentlichen Dienst sind mehrheitlich Frauen beschäftigt. Und auch im öffentlichen Dienst gibt es eine geschlechterspezifische Einkommenslücke von über sieben Prozent«, sagte Messinger. Deshalb werden vor allem die ver.di-Frauen auf den Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag und bei den Warnstreiks Zeichen setzen.

»Für Banken-Schutzschirme und die Finanzierung von Austragsstüberln für Politiker ist Geld vorhanden, die wichtigen öffentlichen Dienstleistungen sollen aber per Nulltarif weiterlaufen«, kritisiert auch Norbert Flach, Tarifkoordinator für den öffentlichen Dienst bei ver.di. »Damit wird der Standort Deutschland langfristig geschwächt und ein Beitrag zur Belebung der Binnenkonjunktur verweigert«, so Flach. In Bayern werden heute die Regionen Augsburg, Ingolstadt, Kempten, Nürnberg, München, Niederbayern, Bayreuth, Bamberg, Oberpfalz, Rosenheim, Schweinfurt sowie Würzburg/Aschaffenburg in die Warnstreiks einbezogen. Von den Arbeitsniederlegungen betroffen sind unter anderem die Bereiche  Sparkassen, Stadtreinigung, Abfallentsorgung, Wasserver- und –entsorgung, Energieversorgung, Krankenhäuser, Bildung, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, Bundeswehr, Gemeindeverwaltung, Kinderbetreuung, Bibliotheken, Theater und soziale Einrichtungen.

 

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