Freitag, 24. März 2017
Solidaritätsanzeige

Flüchtlinge vor Lampedusa (2007). Foto: Noborder Network / flickr (CC BY 2.0) Nach Angaben des UNHCR sind in dieser Woche möglicherweise hunderte Schutzsuchende gestorben, als sie bei winterlichen Temperaturen die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa wagten. Am Dienstag war zunächst von 29 Erfrorenen die Rede gewesen. Nun teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit, dass nach Berichten der italienischen Küstenwache und von Überlebenden, die sich auf Lampedusa befinden, davon ausgegangen werden muss, dass rund 300 Menschen als vermisst zu gelten haben. Sie gehören zu den vornehmlich aus Sub-Sahara Afrika stammenden Migranten und Flüchtlingen, die in vier Booten von der libyschen Küste aus aufgebrochen sind.

»Dies ist eine Tragödie von ungeheurem Ausmaß. Sie erinnert daran, dass es noch weitere Menschenleben  kosten wird, wenn jene, die Sicherheit suchen, der Gnade des Meeres ausgesetzt bleiben. Menschenleben zu retten sollte jedoch unsere oberste Priorität sein. Europa kann es sich nicht leisten, zu wenig zu spät zu tun«, sagte UNHCR-Europadirektor Vincent Cochetel.

 

Erste Berichte waren von 29 Flüchtlingen ausgegangen, die am Sonntag auf einem Schlauchboot starben. Mehr als 110 Überlebende wurden nach Lampedusa gebracht, nachdem sie von der italienischen Küstenwache und einem Handelsschiff gerettet wurden. Die Überlebenden bestätigten gegenüber UNHCR, dass sie am vergangenen Samstag mit Schlauchbooten von Libyen aus aufbrachen. Ohne Nahrung und Wasser verbrachten die Menschen Tage auf See. Nur zwei von 107 Menschen überlebten auf dem Schlauchboot, sieben von 109 auf einem anderen. Ein viertes Boot, berichteten Überlebende, wird immer noch vermisst – einer der Passagiere ein erst zwölfjähriger Junge.

Das UNHCR kritisierte erneut das Fehlen einer effizienten Such- und Rettungsoperation im Mittelmeer. Die »Triton«-Mission der EU sei nicht auf Suche und Rettung fokussiert und könne eine Krise dieses Ausmaßes nicht bewältigen. Leben zu retten müsse jedoch die Priorität der Europäischen Union sein. Auch Pro Asyl kritisiert, dass »Triton« keine Seenotrettungsoperation ist, sondern der Grenzüberwachung dient. Besonders dramatisch: Der drastisch reduzierte Einsatzradius und die geringere Mittelausstattung. »Triton erweist sich zunehmend als Sterbebeobachtungsoperation«, so die Menschenrechtsorganisation. Deren Geschäftsführer Günter Burkhardt fordert: »Europa muss umgehend einen zivilen europäischen Seenotrettungsdienst einrichten.« Deutschland dürfe nicht wegsehen, es brauche Schiffe, Technik und Personal. «Hieran muss sich die Bundesrepublik ernsthaft beteiligen.« Bislang stellt Deutschland nur einen Hubschrauber zur Überwachung der Grenzen, kein einziges Schiff wurde entsendet. Pro Asyl appelliert an Innenminister de Maizière, seine hartherzige Haltung endlich aufzugeben und für den Aufbau einer europäischen Seenotrettung einzutreten.

»Triton« patroulliert in der Regel nur bis etwa 30 Seemeilen vor der italienischen Küste und vor Lampedusa. Mare Nostrum ist demgegenüber in der Vergangenheit bis nahe an die libysche Küste herangefahren, die knapp 160 Seemeilen von Lampedusa entfernt ist. Nun scheint sich zu bestätigen, wovor Menschenrechtsorganisation gewarnt haben: Noch mehr Tote als absehbare Folge der EU-Politik. »Die Länder Europas dürfen nicht länger zusehen, wie Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten vor verschlossenen Grenzen stehen und dann verzweifelt versuchen, ihr Leben zu retten und dabei elend zugrunde gehen«, so Pro Asyl.

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