Dienstag, 28. März 2017
Solidaritätsanzeige

Türkei

Mitglieder der TKP bei der Maidemonstration 2011 in Istanbul. Foto: barisabak / flickr.comEnde Oktober führte die Deutschland-Organisation der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP) in Altenau ihre zweite Jahreskonferenz durch. Zu der Tagung angereist waren auch Delegierte aus den Niederlanden und Österreich sowie Aydemir Güler vom Zentralkomitee der Partei und Neslisah Basaran aus der Leitung des theoretischen Parteiorgans »Gelenek«. Ein Grußwort erhielten die Teilnehmer der Konferenz zudem vom internationalen Sekretär der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), Günter Pohl. Es folgte eine »zweitägiger Marathon«, dessen einzige Unterbrechung ein Kulturabend am ersten Konferenztag war, wie die TKP in einer Erklärung mitteilt.

Antakya. Foto: Evgeni Zotov / flickr.comAm Montagabend ist in der südtürkischen Stadt Antakya ein junger Demonstrant an den Folgen eines brutalen Polizeieinsatzes gestorben. Der 22-jährige hatte an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Polizeigewalt während der Proteste im vergangenen Sommer teilgenommen, die von der Polizei attackiert wurde. Offenbar hat ihn eine Tränengasgranate am Kopf getroffen, berichteten Verwandten gegenüber türkischen Medien. Der junge Mann starb demnach kurze Zeit später im Krankenhaus.

Juni-Widerstand auf dem Taksim-Platz»Der Kampf geht weiter!« Dieser Slogan ist seit dem 29. Mai nicht mehr von den Straßen und Plätzen der Türkei wegzukriegen. Manchmal wird er von Hunderttausenden, aber manchmal gerade von ein paar Hunderten skandiert. Über den »Juni-Widerstand« wurde schon viel geschrieben, manche »Legenden« konnten sich bilden. Eine sachliche, aber parteiliche Darstellung hat jedoch bis jetzt in der deutschen Öffentlichkeit gefehlt.  Diesem Anspruch werde ich versuchen gerecht zu werden.

Die Protestbewegung lässt nicht nach. Foto: TKPMit einer Erklärung hat die Kommunistische Partei der Türkei (TKP) auf die fortgesetzte Polizeibrutalität in der Türkei hingewiesen. Die Partei geht davon aus, dass die erneute Eskalation auch durch die Ereignisse in Ägypten provoziert wurde. Wir dokumentieren die Erklärung der TKP in eigener Übersetzung aus dem Englischen.

Es scheint, das Ministerpräsident Erdogan über die Ereignisse in Ägypten zu Tode erschrocken ist und den Befehl gegeben hat, die Ansammlungen umgehend aufzulösen.

Zehntausende in Köln gegen Erdogan. Foto: strassenstriche.net / flickr.comZehntausende Menschen haben heute in Köln gegen die brutale Unterdrückung der Protestbewegung in der Türkei demonstriert.  Die Alevitische Gemeinde, die die Aktion gemeinsam mit zahlreichen anderen linken und internationalen Vereinigungen organisiert hatte, war im Vorfeld von rund 30.000 Teilnehmern ausgegangen - es wurden viel mehr. Zuletzt sprachen die Veranstalter von 100.000 Menschen. Aufgrund der riesigen Menschenmenge verzichtete man auf den geplanten Demonstrationszug durch Köln und verlängerte stattdessen die Kundgebung »Überall ist Taksim, überall ist Widerstand« auf dem Heumarkt.

Kommunistische Partei der TürkeiKommunistische Partei der TürkeiTayyip Erdogan und seine Freunde, die glauben, den Widerstand mit Polizeiterror und einer unerhörten Lügenkampagne ersticken zu können, haben sich gewaltig geirrt.

Wir diskutieren nicht, welche Formen diese Protestwelle heute, morgen, über nächste Woche gewinnen wird. Das ausschlaggebende ist die Tatsache, dass das von AKP-Diktatur ignorierte Volk aufgestanden ist.

Protest gegen Justizskandal in der TürkeiProtest gegen Justizskandal in der TürkeiDer Protest gegen das herrschende Regime in der Türkei hat eine weitere Facette erreicht. Nachdem zunächst ein Performancekünstler durch stummen Protest auf dem Taksim-Platz für eine neue Ausdrucksform der Protestbewegung gesorgt hat, gibt es an vielen Orten nun »Schweigende Frauen gegen Vergewaltigungen«. Ihr stummer Protest richtet sich gegen die Freilassung von fünf Polizeioffizieren, die zwei Jahre lang in Bingöl ein heute 16jähriges Mädchen vergewaltigt haben sollen und von ihrem Opfer als Täter identifiziert wurden. Die Polizisten waren im Rahmen der Ermittlungen zunächst festgenommen, dann aber in dieser Woche wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Die türkische Polizei hat, nachdem sie den Taksim-Platz und den Gezi-Park in Istanbul mit brutaler Gewalt geräumt hat, nun eine Verhaftungswelle gegen die AktivistInnen des Protests begonnen. Am Morgen des 18. Juni setzte die Polizei zu großangelegten Razzien und Hausdurchsuchungen in Istanbul, Ankara und Eskişehir an. Ziel der Aktionen waren vor allem Mitglieder der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP), des freien Radios, der Nachrichtenagentur Etkin (ETHA) und der Zeitung Atilim. So wurden laut Medienberichten in Istanbul rund 70 Menschen festgenommen, in Ankara beträgt die Zahl bisher etwa 30 Personen.

Der stehende Mann vom Taksim-PlatzDer stehende Mann vom Taksim-PlatzStundenlang hat ein einzelner Mann am Montag abend stumm auf dem Taksim-Platz in Istanbul gestanden. Er tat nichts anderes als dort zu stehen, den Blick auf das große Bild des Staatsgründers Atatürk gerichtet. Es handelte sich um einen Performancekünstler, dem sich nach und nach weitere Menschen anschlossen. Nach Mitternacht, als die Zahl der schweigend auf dem Platz Stehenden auf mehr als 300 Menschen angewachsen war, schritt die Polizei ein.

Zehn Personen, die sich von den Beamten nicht wegjagen lassen wollten, wurden festgenommen, unter ihnen auch der Initiator der Aktion. Er wurde nach kurzer Zeit wieder freigelassen.

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