Montag, 16. Januar 2017
Solidaritätsanzeige

Kuba

Tag der BefreiungAm 9. Mai wird der 70. Jahrestag des Großen Vaterländischen Krieges begangen. Aufgrund der Zeitverschiebung werden, während ich diese Zeilen schreibe, die Soldaten und Offiziere der Armee der Russischen Föderation voller Stolz mit ihren schnellen und militärischen Schritten, die für sie charakteristisch sind, auf dem Roten Platz in Moskau proben.

Lenin war ein genialer revolutionärer Stratege, der nicht zögerte, die Ideen von Marx anzunehmen und ihre Umsetzung in einem riesigen und nur zum Teil industrialisierten Land in Angriff zu nehmen, dessen proletarische Partei im Angesicht der größten Bedrohung, die der Kapitalismus über die Welt gebracht hatte, zur radikalsten und tapfersten des Planeten wurde. Zum ersten Mal kamen (im Ersten Weltkrieg ab 1914; Anm. d. Red.) Panzer, automatische Waffen, Flugzeuge und Giftgase in Kriegen zum Einsatz und sogar eine berühmte Kanone, die ein schweres Projektil mehr als 100 Kilometer weit feuern konnte, beteiligte sich an dem blutigen Streit.

Maidemonstration in Havanna. Foto: Radio Reloj

Millionen Menschen nutzen weltweit den heutigen 1. Mai, den internationalen Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse, um ihre Forderungen auf die Straße zu gehen. An der Großdemonstration in Havanna beteiligen sich der kubanische Präsident Raúl Castro und sein venezolanischer Amtskollegen Nicolás Maduro.

Die Blockade brichtUS-Präsident Barack Obama hat am Dienstag (Ortszeit) angekündigt, Kuba von der Liste der Staaten zu löschen, die nach Ansicht der Vereinigten Staaten den internationalen Terrorismus unterstützen. Havanna hatte das zu einer der Bedingungen für die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern gemacht. Die für die USA zuständige Generaldirektorin des kubanischen Außenministeriums, Josefina Vidal Ferreiro, begrüßte die Entscheidung. Wir dokumentieren nachstehend in eigener Übersetzung die Erklärung der kubanischen Diplomatin.

Wir dokumentieren nachstehend die Rede des kubanischen Präsidenten Raúl Castro beim Amerika-Gipfel in Panama:

Es wurde Zeit, dass ich hier im Namen von Kuba spreche. Erst wurde mir gesagt, ich könne eine achtminütige Rede halten.

Ich habe mich zwar zusammen mit meinem Außenminister sehr bemüht, sie auf acht Minuten zu reduzieren, aber da man mir ja sechs Gipfel schuldet, von denen man uns ausgeschlossen hat, 6 mal 8 macht 48 (Lachen und Beifall), habe ich Präsident Varela wenige Augenblicke vor Eintritt in diesen prächtigen Saal gebeten, mir ein paar Minuten mehr zu gewähren, vor allem nach so vielen interessanten Vorträgen, die wir hier gehört haben, und ich meine nicht nur den von Präsident Obama, sondern auch den des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa, den von Präsidentin Dilma Rousseff und andere.

Gestern schrieb ich über mein Treffen mit den fünf Landsleuten, die den Ehrentitel »Held der Republik Kuba« und den bedeutenden Orden »Playa Girón« erhielten. Es waren 73 Tage seit der Ankunft der kürzlich Freigelassenen in Kuba vergangen. Meiner Meinung nach war zunächst das Treffen dieser fünf Landsleute mit ihren Familien am wichtigsten und eine strenge Untersuchung und medizinische Versorgung dieser wertvollen Compañeros, die aus den Kellern der abscheulichen Gefängnisse des Imperiums kamen, wo sie ungerechte und kriminelle Strafen ertragen mussten, weil sie terroristische Angriffe verhinderten, die das Leben von Jungen oder Mädchen, Männern oder Frauen, Jugendlichen, Erwachsenen oder alten Menschen fordern konnten.

Fidel Castro und die fünf Helden. Foto: Estudio RevoluciónIch empfing sie am Samstag, dem 28. Februar, 73 Tage nachdem sie kubanischen Boden betreten hatten. Drei von ihnen hatten 16 lange Jahre ihres besten Lebensalters damit aufgezehrt, die feuchte, schlecht riechende und ekelhafte Luft der Keller von Yankee-Gefängnisen zu atmen, nachdem sie von käuflichen Richtern verurteilt worden waren. Die anderen beiden, die ebenfalls versucht hatten, die kriminellen Pläne des Imperiums gegen ihr Vaterland zu vereiteln, wurden auch zu langen Jahren brutaler Haft verurteilt.

Die Untersuchungsbehörden, bar jeden elementaren Gefühls für Gerechtigkeit, waren selbst an der unmenschlichen Jagd beteiligt.

Der kubanische Geheimdienst hatte es absolut nicht nötig, die Bewegungen auch nur einer einzigen militärischen Einheit der Vereinigten Staaten zu verfolgen, denn man konnte über die Radioelektronische Forschungsbasis »Lourdes« im Süden der Hauptstadt Kubas alles beobachten, was sich auf unserem Planeten bewegte. Dieses Zentrum war in der Lage, jedes bewegliche Objekt, auch wenn es Tausende von Meilen von unserem Land entfernt war, aufzuspüren.

1501berichte aus havannaIch stehe mit den drei Ärzten, Junior aus Cuba, Jakob aus El Salvador und Paola aus Kolumbien  in einer der unzähligen Warteschlangen dieses Landes und führe eine spannende Unterhaltung. Zum Warten in einer Schlange wird hier übrigens “hacer cola” gesagt. Das heißt so viel wie “Schlange machen” und hat nichts mit Coca Cola zu tun. Überall wo man hier eine Schlange sieht, gibt es etwas Begehrtes. Z.B. wenn das Hühnchen, welches man mit der Libreta (Lebensmittelkarte) erhält, im Laden an der Ecke angekommen ist oder, wenn man wie in unserem Fall vor einem Telekommunikationsladen wartet. Man kommt in der “cola” oft schnell ins Gespräch – mit verschiedensten Leuten – so wie auch jetzt mit dem Kinderchirurg Junior, den ich eben erst kennen gelernt habe. Er meint, dass es nicht leicht sei. Sie bekämen alle Notfälle, was verunglückte Kinder aus dem Umkreis von Havanna angeht. Das Schlimmste seien die Familienangehörigen, die oft schon eine Prognose wissen wollen, bevor er sie geben könne. Und dann der zusätzliche Druck, den sie durch alle ihre Fragen aufbauen, vor und nach der Operation.

1501berichte aus havanna„Meinungsfreiheit gibt es auf Cuba nicht, was man denken soll entscheidet die Einheitspartei“ heißt es in einer Doku auf ARTE im Jahr 2010. Wenn die einzige Tageszeitung, die Granma, die überall im Land erscheint, dann auch noch das Organ eben dieser kommunistischen Partei ist, scheint die Verletzung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung perfekt.

1501berichte aus havannaWir sind an einem warmen Samstagnachmittag auf dem Weg zum Botanischen Garten im Süden Havannas. Der Bus ist wie gewohnt bis zum Bersten gefüllt und wir geben dem Busfahrer für die 30 minütige Fahrt zu Zweit einen Peso. Eine Busfahrt, egal wie lang sie dauert, kostet 0,4 cubanische Peso. Das ist ein bisschen mehr als ein Eurocent. Ich verfalle mal wieder in Gedanken und denke darüber nach, warum die Busse und Züge so stark subventioniert werden.

Mir wird klar, dass ein für alle zugänglicher Personennahverkehr eine Ausgangsvoraussetzung ist, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Ich denke an die ständig steigenden Preise der Deutschen Bahn und frage mich, was eine Fahrt von Gießen nach Frankfurt wohl mittlerweile kosten wird. Sind es noch 13 Euro oder schon 15 Euro? Ich denke auch an meine Kindheit in Thüringen und daran, dass ein Besuch im Erfurter Kino für mich eine Besonderheit war, weil ich gern die 50 km mit dem Zug fuhr und sich meine Eltern die 50 Euro, die der Kinobesuch insgesamt kostete, nur selten leisten konnten. Ich freue mich noch heute auf die „lange Nacht der Museen“, weil man sich dann auch endlich einmal als Student ein bisschen die Museumslandschaft seiner Stadt – trotz unverschämten Eintrittspreisen und Bafög-Mindestsatz – genießen kann. Mein Hals wird trocken bei diesen Gedanken.

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