Montag, 16. Januar 2017
Solidaritätsanzeige

Kuba

Berichte aus HavannaEgal ob man fern sieht, eine Zeitung aufschlägt oder Radio hört, überall in Cuba erfährt man, dass im April 2015 die Kommunalwahlen anstehen.

Wahlen? In Cuba? Egal ob wir auf der Seite des Auswärtigen Amts nachsehen, in unseren Reise- und Sprachführern blättern oder uns an Berichte der deutschen Medien über Cuba erinnern, überall hieß es doch, dass die kommunistische Partei (PCC) hier den Ton angibt, dass Cuba eine Diktatur ist und von Obama bis Merkel alle Demokratie und Menschenrecht auf die Karibikinsel tragen wollen. Von demokratischen Wahlen war nie die Rede.

Uns gab dies genug Anlass, um uns mal genauer mit dem cubanischen Wahlsystem auseinanderzusetzen.

Ja, Wahlen in Cuba!

Maradona mit dem Brief Fidels. Foto: CubadebateMit einem Brief an den früheren Fußballstar Diego Armando Maradona hat sich Fidel Castro wieder einmal zu Wort gemeldet – und damit zugleich die in den vergangenen Wochen gestreuten Gerüchte um seinen angeblichen Tod dementiert. Der argentinische Sportler hält sich derzeit in Havanna auf, um eine neue Staffel seiner Sendereihe »De Zurda« zu produzieren, die die bevorstehende Copa América in Chile zum Thema hat. Im vergangenen Jahr hatte Maradona auf diese Weise über die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien informiert.

Gema, Adriana und Gerardo glücklich in Havanna. Foto: Estudio RevoluciónDas Kind, das es nach dem Willen der extremen Rechten in den USA nicht hätte geben dürfen, ist da. Am 6. Januar um 8.30 Uhr Ortszeit wurde in Havanna Gema geboren, die Tochter des erst am 17. Dezember aus der Haft in den USA zurückgekehrten Gerardo Hernández und seiner Frau Adriana Pérez, die ihren Mann 16 Jahre lang nicht hatte besuchen dürfen. Die Bilder der hochschwangeren Adriana, die ihren Mann überglücklich in die Arme schloss, hatten denn zunächst auch für Überraschung und Spekulationen gesorgt. So spekulierte der spanischsprachige US-Fernsehsender Univisión über heimliche Besuche Adrianas im Gefängnis bei ihrem Mann, die das »kubanische Regime« unter den Augen der US-Behörden arrangiert habe. Tatsächlich aber hatte das FBI jeden Besuch Adrianas in den Vereinigten Staaten verweigert, weil sie eine »Gefahr für die nationale Sicherheit« sei.

Berichte aus HavannaJa, wir reden noch immer über Ebola, denn auch wenn immer weniger davon berichtet wird bedeutet das nicht, dass es weniger aktuell sei. Das Virus weist eine Todesrate von 49,4% auf. Bisher sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 5100 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Ebola-Virus in verschiedenen Ländern, vor allem in Sierra Leone, Guinea, und Guinea Conakry gestorben und zahlreiche Menschen vom behandelnden Personal infiziert.  Das Kernproblem  ist, dass es nach wie vor zu wenig Spezialisten vor Ort gibt, um die  Ausbreitung des Virus effektiv zu bekämpfen. Es wird derzeit in mehreren Ländern intensiv an einem Medikament gegen Ebola geforscht. Die WHO rief bereits im August die Länder der Welt zur Unterstützung auf, woraufhin der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschloss, die deutsche Ebola-Hilfe von 17 auf 102 Millionen Euro aufzustocken. Soweit die Ausgangssituation.

Mutter und Kind kurz nach der Geburt. Foto: Ladyrene Pérez/ CubadebateMutter und Kind kurz nach der Geburt. Foto: Ladyrene Pérez/ CubadebateKuba feiert einen weiteren Erfolg: Die Kindersterblichkeit auf der Insel bleibt so niedrig wie nie zuvor in der Geschichte des Landes und gehört zu den besten Ergebnissen weltweit. Von 1000 lebend geborenen Säuglingen starben im vergangenen Jahr 4,2. Die selbe Ziffer konnten die kubanischen Behörden bereits im Vorjahr vermelden. Die niedrigsten Raten verzeichneten die Provinzen Cienfuegos, Pinar del Río und Villa Clara mit 3,0 bis 3,2. In 24 Bezirken des Landes wurde kein einziger Todesfall registriert.

Berichte aus HavannaBerichte aus HavannaIm Stadtteil Vedado von Havanna, nah der angesagten 17. Straße, sitzt John Lennon auf einer Bank – zumindest könnte man das denken, wenn man Nachts aus dem Club „Submarino Amarillo“ (Yellow Submarine) stolpert.  Steht man tagsüber vor der lebensgroßen Bronzestatue, erhebt sich ein alter Mann von der Bank nebenan, nähert sich mit langsamen Schritten und setzt John Lennon eine Brille mit den typischen runden Gläsern auf. Das ist sein Job, dafür wird er bezahlt.

Er ist wahrscheinlich einer der 2 Millionen Cubaner, die als unproduktiv* eingestuft worden sind und im Rahmen der Wirtschaftsaktualisierungen andere Beschäftigungen bekommen sollen, wie uns Oscar Martinez in unserem Gespräch mit ihm berichtete. Bei insgesamt 11 Millionen Einwohnern auf der Insel, ist das schon eine schockierende Zahl. Als dieses Vorhaben der cubanischen Regierung bekannt wurde, tönte es in den deutschen Medien, Cuba würde Massenentlassungen durchführen wollen – das ist natürlich Quatsch. Im Kapitalismus wäre das tatsächlich so, denn da sprechen wir von der Anarchie der Produktion, also der Tatsache, dass die Art der Produkte und ihre Mengen, nicht durch die Bedürfnisse der Bevölkerung bestimmt werden, sondern der Profitgier, der Willkür der unternehmerischen Entscheidung entstammen. So trifft die Entscheidung über die Einstellung oder Entlassung von Arbeitern auch ein einzelner Unternehmer, hier ebenfalls willkürlich, getarnt als kontrollierten Akt durch den Markt.

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. EssenFreundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. EssenDie Essener Regionalgruppe der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. hat sich in einem Glückwunschschreiben aus Anlass der Freilassung der »Cuban Five« und des heutigen Jahrestages des Sieges der Kubanischen Revolution 1959 an die kubanische Botschaft in Deutschland und an das Kubanische Institut für Völkerfreundschaft (ICAP) gerichtet. Wir dokumentieren nachstehend den Wortlaut dieses Schreibens.

»Ich habe gelebt: Der Pflicht habe ich meine Waffen verschrieben und nicht einmal verschwand die Sonne hinter den Bergen, ohne meinen Kampf und meinen Sieg zu sehen.«  
José Martí

Liebe Compañeras und Compañeros,

das Jahr 2014 endet für die cubanische Revolution mit einem Doppel-Sieg: Unsere drei Brüder Antonio, Gerardo und Ramón konnten am 17. Dezember endlich befreit werden, womit nun die Forderung »Freiheit die die MIAMI 5« komplett erfüllt wurde, und der US-Präsident musste eingestehen, dass über 50 Jahre völkerrechtswidriger Totalblockade gegen Euer Land nicht den erhofften Erfolg, nämlich den Sturz des Sozialismus, hatte und er sich daher mit einer Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen einverstanden erklären musste.  

Berichte aus HavannaBerichte aus HavannaRückblick: 28.09.2014. Es ist spät abends, aber wir beschließen noch etwas zu kochen. Bei dem Versuch eine Kokosnuss mit dem Taschenmesser zu öffnen, hacke ich mir in den kleinen Finger. Da der Schnitt ziemlich tief ist, beschließen wir in die Krankenstation unserer Uni, der CUJAE, zu gehen. Sie hat 24 Stunden geöffnet und es arbeiten dort zwei Krankenschwestern, ein Krankenpfleger und ein Arzt. Insgesamt gibt es 120 solcher medizinischen Beratungsstellen (Consultorios) auf Cuba, die an Universitäten, großen Betrieben und Internaten zu finden sind. Sie ersetzen im Grunde genommen das, was am Wohnort der Familienarzt ist – die erste Anlaufstelle bei medizinischen Anliegen. Zu so später Stunde ist allerdings nur noch eine Krankenschwester da, die meinen Finger sehr genau betrachtet und sagt, dass er genäht werden muss. Kurzerhand ruft sie einen Krankentransport uns zum nächsten Krankenhaus bringt. Dort geht alles ganz schnell, zwei Ärzte gucken sich meinen Finger an, desinfizieren ihn, fragen wie und wann das Ganze passiert ist und nähen ihn. Der Krankentransportfahrer hatte gerade einen Parkplatz gefunden, als wir schon wieder vor ihm standen. Keine Stunde nach dem Unfall sind wir wieder in unserem Zimmer und gucken zusammen einen Film.

Berichte aus HavannaBerichte aus HavannaViele deutsche Jugendliche ziehen nach ihrem Schulabschluss von zu Hause aus, um in einer anderen Stadt zu studieren oder eine Ausbildung zu beginnen. Meist wohnen sie dann zusammen mit Freunden oder Bekannten  in Wohngemeinschaften. Jedoch betrifft dies nur einen gewissen Teil, der entweder auf staatliche Unterstützungsmaßnahmen, wie BAföG, zurückgreifen kann, oder deren Eltern genug finanzielle Mittel haben, um sie in dieser Zeit zu unterstützen. Dem Teil, der sich nicht selbst um eine Wohnung kümmern, sowie seine Miete, Strom, Essen, wie einen komplett neuen Haushalt und sein Studium finanzieren kann, bleibt das Studieren in Deutschland verwehrt. Es sei denn es gibt tatsächlich eine Uni in der eigenen Heimatstadt, die den gewünschten Studiengang anbietet und für welchen dann auch noch der eigene NC ausreichend ist. Für das Studieren umzuziehen, ist in Deutschland also fast unvermeidlich. Das Leben der cubanischen Studenten sieht jedoch anders aus, denn hier ist das Studium weder abhängig von einer Wohnung, noch von den finanziellen Mitteln der Familie. Viele Studenten wohnen entweder bei ihren Eltern oder haben die Möglichkeit kostenlos auf dem Campus in dem Studentenwohnheim zu wohnen. Dieses Versorgunsstipendium beinhaltet sowohl kostenloses Essen, als auch ein monatliches Taschengeld, egal ob sie von Fern oder Nah kommen, wobei die  Studierenden aus weit entfernten Orten natürlich bevorzugt werden. So teilen sich zwar manchmal bis zu acht Personen ein Zimmer, aber die Frage nach dem Wohnen, steht durch dieses staatliche Angebot, dem Studieren in Cuba nicht im Wege.

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