Dienstag, 28. März 2017
Solidaritätsanzeige

Sollte es nicht um ihre Befreiung gehen? Foto: UN Photo/Eric KanalsteinDie humanitäre Situation in Afghanistan hat sich nach zehn Jahren »Krieg gegen den Terror« kaum verbessert. Das beklagt die ärztliche Friedensorganisation IPPNW. »Um Schlimmeres zu verhüten, bedarf es eines sofortigen Waffenstillstand, notfalls einseitig verkündigt. Dann müssen Verhandlungen folgen, die den vollständigen Truppenabzug und eine langfristig und großzügig dimensionierte Unterstützung des Wiederaufbaus des Landes zum Ziel haben«, fordert der IPPNW-Vorsitzende Matthias Jochheim. Dieser sicher langwierige und mühsame Friedensprozess muss die bisherige Kriegsstrategie mit Drohneneinsatz, völkerrechtswidrigen gezielten Tötungen und unschuldigen zivilen Opfern endlich ersetzen. Deswegen lehnt die IPPNW auch die weitere Stationierung von ausländischen Truppen in Afghanistan und der Region ab.

Krieg ist immer eine humanitäre Katastrophe. Sichtbar wird diese Katastrophe an den Daten zur Mutter-Kind-Gesundheit. Die Müttersterblichkeit ist in Afghanistan zwischen 1980 und 2008 nur unwesentlich gesunken. Während 1980 geschätzte 1.700 afghanische Mütter bei der Geburt starben, sind es 2008 immer noch 1.400 Mütter. Afghanistan hat demnach die höchste Müttersterblichkeitsrate der Welt und ist eines von vier Ländern in denen die Rate über 1.000 liegt (Tschad (1.200), Somalia (1.200) und Guinea-Bissau (1.000)). Zum Vergleich die Müttersterblichkeit in den umgebenden Staaten der Region 2008: Iran (30), Pakistan (260), Indien (230).

Auch bei der Kindersterblichkeit konnten keine anhaltenden Fortschritte verzeichnet werden. 1990 starben 250 Kinder während der ersten fünf Lebensjahre, während es 2009 immer noch 199 Kinder waren. Afghanistan ist 2009 damit eines von elf Ländern weltweit, in denen mehr als 20 Prozent der Neugeborenen nicht älter als fünf werden. Hauptursache für diese erschreckenden Tatsachen ist die zunehmende Unter- und Mangelernährung der ganzen Bevölkerung Afghanistans. Die FAO (Food and Agricultural Organisation of the United Nations) spricht in absoluten Zahlen von 422.000 Kindern, die unter akuter Mangelernährung leiden, und von 2.910.000 Kindern, die chronisch mangelernährt sind.

Trotz dieser katastrophalen Gesundheits-Indikatoren läuft die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung nur schleppend an. Eine Studie der International Crisis Group gibt an, von insgesamt zugesagten 90 Mrd. Dollar an Hilfsgeldern seien bis 2010 lediglich 57 Mrd. ausgeschüttet worden. »Geradezu skandalös ist dabei aber, dass von diesem Betrag 29 Mrd. Dollar in den Aufbau der afghanischen Armee und Polizei flossen - eine dreistere Zweckentfremdung von Entwicklungshilfe ist schwer vorstellbar«, erklärt die langjährige IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen.

Ein weiteres düsteres Kapitel sind die ansteigenden Opferzahlen aufgrund der Kampfhandlungen in Afghanistan. Laut dem Internal Displacement Monitoring Center (IDMC) mussten zwischen 2006 und 2010 etwa 730.000 Menschen hauptsächlich als Folge von Kampfeinsatzen der westlichen Truppen fliehen. Fielen den Auseinandersetzungen im Jahr 2006 noch 929 Zivilisten zum Opfer, so steigen diese Zahlen jährlich (2007: 1.523; 2008: 2.118; 2009: 2.412; 2010: 2.777) und werden Schätzungen zufolge 2011 mit etwa 3.200 Opfern einen traurigen Höchststand erreichen.

Quelle: IPPNW / RedGlobe

Real time web analytics, Heat map tracking

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.