Sonntag, 19. Februar 2017
Solidaritätsanzeige

Letztes Geleit für Ivana Hoffmann. Foto: Solidaritätskomitee / FacebookMehr als 6.000 Menschen haben heute in Duisburg Abschied von Ivana Hoffmann genommen. Die 19-jährige Kommunistin, eine Deutsche mit afrikanischen Wurzeln, war am 7. März im kurdisch-syrischen Til Temir in einem Gefecht mit den Terrormilizen des »Islamischen Staat« getötet worden. Sie ist die erste Deutsche aus den Reihen der in den kurdischen Gebieten Nordsyriens gebildeten Internationalen Brigaden, die den Widerstand gegen die IS-Terroristen mit ihrem Leben bezahlt hat.

Ihre Familienangehörigen mochten sich am Samstag nicht gegenüber der Presse äußern. Insbesondere Ivanas Mutter hatte sich aber in den letzten Tagen tief beeindruckt gezeigt von der überwältigenden Solidarität, die sie u.a. bei der Überführung des Leichnams von zahlreichen ihr zuvor unbekannten Menschen erfahren hat. In Kurdistan äußerte sie, dass ihr schon vorher bekannt gewesen sei, wie schlimm der türkische Staat sei,  aber jetzt wisse sie, wofür ihre Tochter gestorben sei. »Ich bin stolz auf meine Tochter und das, was sie getan hat. Sie ist als Freiheitskämpferin gestorben.« So war die Familie auch damit einverstanden, dass Ivanas politische Freunde die Trauerfeier in ihrem Sinne als kämpferische politische Gedenkveranstaltung mitgestalteten.

Neben politischen und kulturellen Beiträgen verschiedener kommunistischer Parteien aus Deutschland, Spanien und der Türkei waren hohe Repräsentanten der kurdischen Bewegung die Hauptredner auf dem Friedhof. So betonte die Generalvorsitzende der HDP, Figen Yüksekdag: »Wir kämpfen in Rojava für die Menschlichkeit. Der Funke für das Feuer der Weltrevolution wurde in Kobane gezündet und breitet sich aus. Ivana Hoffmann war ein Leuchtfeuer für die Völker. Diess Feuer muss noch heller brennen.« Die HDP ist eine 2012 gegründete linke Partei, in der sich die kurdische BDP, die revolutionäre türkische Massenpartei ESP und verschiedene weitere Organisationen und Parteien der türkischen Linken zusammengeschlossen haben.

Salih Muslim, der Vorsitzende der PYD, der wichtigsten kurdischen Partei in Nordsyrien (Rojava), ging auf die Bedeutung der internationalen Solidarität für die im syrischen Stellvertreterkrieg mit dem Rücken zur Wand kämpfenden kurdischen Selbstverteidigungseinheiten (YPG und YPJ) ein: »Ich begrüße die Genossin Ivana, die wertvolle Genossin Kurdistans. Heute beerdigen wir unsere Genossin Ivana, deshalb ist unsere Trauer sehr groß. Wir sind alle Genossen von Ivana. Die Gefallenen zeigen, dass der Kampf in Kobanê und Rojava ein internationaler ist.«

Am Freitag war der Leichnam von Ivana Hoffmann im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen ihre Mörder vom IS vorübergehend beschlagnahmt worden. Ein Polizist ließ sich dabei gegenüber Angehörigen zu der Bemerkung hinreißen: »Was ihre Tochter getan hat, ist ja eigentlich strafbar. Aber wenigstens hat sie auf der richtigen Seite gekämpft.« Dazu stellt Günes Bulut, Pressesprecherin des Solidaritätskomitees Ivana Hoffmann, fest: »Selbstverständlich kann der antifaschistische Kampf, der in Rojava längst auch mit von der Bundesregierung an die kurdische Seite gelieferten Waffen wie der Panzerabwehrrakete Milan geführt wird, nicht strafbar sein. Viele Freiwillige werden zukünftig dem Beispiel von Ivana Hoffmann folgen. Deshalb muss bei der geplanten Verschärfung des Paragraph 89 (Schwere staatsgefährdende Straftat) eine Klarstellung erfolgen, dass dies nur für dschihadistische Terroristen und nicht für antifaschistische Kämpfer gilt.«

Selbst der ehemalige Bundesinnenminister Gerhard Baum (FDP) weist im Interview im Deutschlandfunk auf diesen Unterschied hin: »Im Übrigen gibt es ja auch sinnvolle Reisen. Es gibt Menschen, die sich den Freiheitskämpfern der Kurden anschließen.«

Solchen politischen Scharfsinn von der Bundesanwaltschaft zu erwarten, geht offenbar zu weit. Als Skandal wertet das Solidaritätskomitee die Meldung von Spiegel online am gestrigen Freitag, wonach die Bundesanwaltschaft die Einleitung eines Verfahrens wegen Mitgliedschaft oder Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung (§129b) gegen mutmaßliche Mitglieder der türkisch-kurdischen kommunistischen Partei MLKP prüfe, der Ivana Hoffmann angehört hatte.

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