Kämpferischer Streik bei der TEREG
Übernommen von Yeni Hayat / Neues Leben:
Seit Anfang des Jahres laufen bei der TEREG, einem Tochterunternehmen der Hamburger Hochbahn, Tarifverhandlungen über höhere Löhne. Schon vor dem Auslaufen des letzten Tarifvertrags, welcher eine Laufzeit von 27 Monaten hatte, forderte ver.di einen Inflationsausgleich für die Arbeiter. Diesem wollte der Arbeitgeber nur nachkommen, wenn die Tarifverhandlungen vorgezogen worden wären, so dass keine Streiks möglich gewesen wären. Dies ließen sich Gewerkschaft und die Kollegen nicht gefallen und begannen regulär am 08.01. mit einer ersten Tarifrunde. Die Forderungen der Arbeiter, welche in der Unterhaltungsreinigung, technischen Diensten und der Gebäudesanierung beschäftigt sind, belaufen sich auf 3,50 Euro mehr pro Stunde und 200 Euro mehr für Auszubildende bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Um Streiks zu unterbinden, legte der Arbeitgeber bereits in der ersten Tarifrunde ein Angebot vor. Dieses bot allerdings nur Lohnerhöhungen von 71 Cent und 74 Cent in zwei Stufen über zwei Jahre. Nach der Ablehnung dieses schwachen Angebots folgten zwei weitere Tarifrunden ohne ein erneutes Angebot. Als Reaktion darauf gab es während der dritten Tarifverhandlung einen ersten Warnstreik der Arbeiter, an dem mehrere hundert Kollegen teilnahmen. In der vierten Verhandlungsrunde verschlechterte der Arbeitgeber sein Angebot. Für 400 der 1000 Kollegen würde das Angebot eine Erhöhung von lächerlichen 5 Cent bedeuten! Auf diese Respektlosigkeit wurde mit einem viertägigen Warnstreik und einer kämpferischen Streikaktion reagiert. Am 17.02. gingen wieder über 200 Kollegen auf die Straße und zogen vom Gewerkschaftshaus zur Verkehrsbehörde, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Am Donnerstag, den 20.02. wurde mit einer Streikversammlung weitergemacht. Die Arbeiter der verschiedenen Bereiche berichteten von den harten Arbeitsbedingungen und wieso mehr Lohn dringend nötig ist. Denn die Kollegen arbeiten im Schichtdienst bei Regen, Schnee und Hitze. Nachtdienste in der Reinigung der Busse und U-Bahnen gehen von 21 Uhr bis 5:30 Uhr bei Stundenlöhnen von 14,20 Euro. Gleichzeitig muss pro Person immer mehr Arbeit erledigt werden. Kollegen berichten von 80 Waggons, die sie alleine in einer Schicht reinigen müssen. Andere von der Haltestellenreinigung sagen, dass sie früher nur für einen Bahnhof zuständig waren, mittlerweile sind es gleich mehrere.
Bei der Streikversammlung hielten auch Kollegen der Hamburger Hochbahn ein Grußwort und bestärkten die Arbeiter der TEREG. Sie berichteten davon, wie Hochbahn-Arbeiter als Streikbrecher eingesetzt werden, indem ihnen Aufgaben in der Reinigung und beim Tanken der Busse übermittelt werden, ohne dass ihnen gesagt wird, warum sie diese Aufgaben auf einmal übernehmen sollen. In Gesprächen konnten Kollegen der Hochbahn überzeugt werden, diese Aufgaben nicht zu übernehmen und sich solidarisch mit den TEREG-Streikenden zu zeigen.
Am Ende der Streikversammlung machte ein Vertrauensmann den Vorschlag, nicht am nächsten Tag wieder die Arbeit aufzunehmen, sondern weiter zu streiken. Daraufhin gab es großen Applaus. Auf Nachfrage, ob man tatsächlich weiter streiken will, riefen die über hundert Anwesenden alle “weiter!”. Nach der Versammlung traf sich die Tarifkommission und beschloss genau das, die Verlängerung des Streiks von 4 auf 6 Tage.
Der Arbeitgeber sagt währenddessen offen, dass er sich nicht unter Druck setzen lassen wird. Um also einen Erfolg zu erzielen, hängt es davon ab, ob die kämpferischen Arbeiter es schaffen ihre nicht-streikenden Kollegen vom Arbeitskampf zu überzeugen und auch von der Solidarität der Arbeiter der Hochbahn und anderer Tochterfirmen der Hochbahn, die nun Dienste erfüllen sollen, zu denen sie nicht verpflichtet sind.
Quelle: Yeni Hayat / Neues Leben