In der Morgendämmerung des 23. März 2020 griffen dschihadistische Banden die mosambikanische Hafenstadt Mocímboa da Praia von zwei Seiten an, von Land und von See her. Sie attackierten die Kaserne und zwangen die Garnison zur Flucht. Dann wehte die schwarze Fahne des „Islamischen Staates“ über der Stadt.

Einen Tag lang hielten sie die Stadt besetzt, plünderten das Waffenlager der Kaserne und medizinische Einrichtungen und raubten die Geldinstitute aus. Anders als bei früheren Überfällen kam es jedoch nicht zu Übergriffen auf die Zivilbevölkerung – im Gegenteil: Die Freischärler, die ihre Miliz Ahlu Sunnah Wa-Jama nennen, verteilten erbeutetes Geld und Nahrungsmittel an die Einwohner. Diese Taktik haben sie offenbar als geeigneter erkannt, neue Mitkämpfer zu gewinnen, als Folterexzesse, willkürliche Hinrichtungen, Verstümmelungen und das Niederbrennen von Häusern.

Mocímboa da Praia im Nordosten Mosambiks, nahe der Grenze zu Tansania, ist mit 30.000 Einwohnern ein wichtiges Drehkreuz für den Handel in der Provinz Cabo Delgado: Es liegt an der Hauptstraße zwischen den Erdgasfeldern und der Provinzhauptstadt Pemba und verfügt über einen Flugplatz. Dass es den Kopfabschneiderbanden so leicht gelang, den militärischen Widerstand zu überwinden und die Stadt zu kontrollieren, ist der bisher stärkste Hinweis darauf, dass die Armee nicht mehr allein in der Lage ist, mit den Aufständischen fertig zu werden.

Der Angriff, dem nur zwei Tage später ein weiterer auf den Ort Quissanga folgte, markiert die jüngste Phase eines schon länger andauernden Konflikts. Im Oktober 2017 begann er mit nadelstichartigen Angriffen auf unbefestigte Dörfer, seit einem Jahr weiten die Dschihadisten ihr Operationsgebiet immer weiter aus. Inzwischen scheuen sie auch vor Angriffen auf wichtige Transportwege und sogar Militär-standorte nicht mehr zurück. Die Kämpfe haben bereits zu größeren Fluchtbewegungen innerhalb der Provinz geführt. Nichtoffizielle Quellen berichten über bis zu 180.000 Flüchtlinge bei einer Einwohnerzahl Cabo Delgados von etwa 2,4 Millionen.

Die Regierung Mosambiks versucht die Bedeutung der Kämpfe herunterzuspielen. Der nationale Polizeichef Bernardino Rafael hatte nur eine Woche vor dem Sturm auf Mocímboa da Praia erklärt, die Regierung mache Fortschritte im Kampf gegen die Islamisten. Die Einnahme der Stadt strafte ihn Lügen. Auch die internationalen Konzerne wie Exxon Mobil und ENI, die planen, die Ausbeutung der Erdgasschätze der Provinz zu erweitern, sind beunruhigt. Vor allem auf ihren Druck hin heuerte Mosambiks Regierung eine südafrikanische Söldnertruppe, Dyck Advisory Group, an, um den Kampf gegen die Islamisten zu intensivieren. Eine Truppe russischer Söldner hatte bereits im vergangenen Jahr damit begonnen und dabei hohe Verluste erlitten.

Dem mosambikanischen Präsidenten Filipe Nyusi scheint jetzt klargeworden zu sein, dass für diesen Kampf stärkere Geschütze aufgefahren werden müssen. Am 19. Mai flog er in Simbabwes Hauptstadt Harare, um bei einem Gipfeltreffen der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) um militärische Unterstützung durch die 15 anderen Mitgliedstaaten nachzusuchen. Derzeitiger Vorsitzender der Organisation ist der simbabwische Präsident Emmerson Mnangagwa, Die Führungstroika der SADC schätzte die Kämpfe im Nordosten Mosambiks als Bedrohung der Sicherheit der Region ein und beschloss militärische Unterstützung für das Land.

Nyusis Einsicht, dass Mosambik sich der Bedrohung nicht alleine stellen kann, kam spät und offenbar nur auf Druck der Nachbarländer Südafrika, Simbabwe und Tansania zustande. Sie befürchten, dass sich der Aufstand über die Grenzen Mosambiks hinaus ausweiten und auch sie betreffen könnte.

Quelle:

UZ – Unsere Zeit


Real time web analytics, Heat map tracking
Statistics

Today: 12571

Yesterday: 31187

Since 01/06/2005: 68773620

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.