16 | 07 | 2019

Quelle: WikipediaQuelle: WikipediaWird der neue Krieg in Mali geführt, weil wieder einmal die Menschenrechte und die armen Zivilisten gerettet werden müssen? Diese edlen Motive bleiben im Moment im Hintergrund. Herr Westerwelle brabbelt etwas von »humanitärer Hilfe« - zur Unterstützung der französischen Intervention. Aber man muss ja den eigenen Altruismus nicht in den Mittelpunkt stellen. Das wäre unbescheiden. Was aber sonst treibt die französische Fremdenlegion nach Mali? - Es geht um den Bestand des malischen Staates heisst es, um die »Sicherheit« der ganzen Region, gegen die Ausbreitung des »islamischen Fundamentalismus«, Al Kaida, gegen den Teufel schlechthin also. Auch edel.

 

Um die malischen Bodenschätze geht es nicht, wie die Linken reflexhaft behaupten, sobald irgendwo ein neuer Krieg angefangen wird. Das beweist die FAZ in diesem Artikel: http://bit.ly/RVFu1w. Zwar ist das ganze Land in Prospekte aufgeteilt, in denen die verschiedenen internationalen Konzerne nach Bodenschätzen suchen. Auch holt man jetzt schon jährlich um die 50 Tonnen Gold aus der malischen Erde. Uran soll es auch geben. Das wäre für Frankreich ein schönes zweites Standbein neben Niger, von wo man die saubere Energie bis jetzt in die französischen Atomkraftwerke holt. Eine Kleinigkeit ist da noch: Mali wickelt 25 % seines Aussenhandels mit China ab. Was haben denn diese Chinesen in französischen Schutzgebieten zu suchen?

Interessant sind die Verlautbarungen von deutscher Seite. Westerwelle sagt, eine deutsche Beteiligung an der Intervention komme nicht in Frage. Man könne allenfalls logistisch, mit medizinischem Personal und humanitär helfen. De Maiziere sagt, das könne man tun und ausserdem malisches Militär ausbilden. Niebel war kürzlich in Mali. Westerwelle war im November dort. Quattara, der derzeitige Vorsitzende der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten Ecowas und von Frankreich eingesetzte Präsident der Elfenbeinküste, ist morgen. Mittwoch, in Berlin. Frankreich bombt. Deutschland zieht an den diplomatischen Strippen. Das Problem ist nämlich: Was haben die Deutschen in französischen Schutzgebieten zu suchen?

Die FAZ schreibt von »Hollandes Alleingang«. »Innerhalb weniger Stunden hat sich Hollande vom Zauderer in einen Kriegsherren verwandelt.« Nicht einmal mit den Volksvertretern habe er Rücksprache genommen. Lies: Nicht einmal Berlin hat er gefragt. Dafür kommt der von Frankreich eingesetzte Quattara - nach Berlin. Was will er da? »Deutsche Transall-Maschinen«, weiss die FAZ, für den Transport von Ecowas-Truppen nach Mali. Die sollten erst im Herbst in Mali stationiert werden, aber jetzt pressiert es. Die französische Intervention nämlich, so die FAZ, »erinnert mehr an klassische Einsätze der Kolonialmacht in ihrem afrikanischen Hinterhof als an das von Hollande beschworene Vorgehen "im strengen Rahmen der UN-Resolution"«. Die höflich vorgetragenen Ermahnungen, Frankreich möge sich doch nicht aufführen wie immer, wenn es um den Claim seiner ehemaligen Kolonien geht, sondern, wie es die modernen Zeiten erfordern, die Wilden kollektiv-imperialistisch, d.h. unter deutscher Beteiligung, befrieden, lassen nur eine Entschuldigung zu: Frankreich habe vielleicht müssen, weil sich andernfalls das Problem der Rettung der malischen Regierung wegen deren Abhandenkommens von selbst erledigt hätte.

Aber beim französischen Alleingang bleiben darf es nicht. Das finden wohl auch die USA, die sich diskret im Hintergrund halten, die französischen Legionäre mit Luftaufklärung unterstützen und vorerst die Kanadier und Dänen dazu auserkoren haben, möglicherweise ein paar Truppen zu schicken. Hinter der US-amerikanischen wie der deutschen »Zurückhaltung« steht unausgesprochen: Die Franzosen können es ja auf die Dauer eh nicht allein. Wenn es zu einem ernsthaften Krieg kommt, werden sie den Rest der Demokratie-Exporteure nicht von der postkolonialen, d. h. neokolonialen Betreuung der Region ausschliessen können, weil sie allein dafür schon zu schwach sind. Die »Kriegsherren«-Herrlichkeit eines Hollande wird nicht anhalten. Angekrochen wird er kommen, weil er um Hilfe bitten muss. Er wird die Beute schon teilen müssen, wenn er sie haben will.

Um die befreundeten Feinde aus dem eigenen Claim zu halten, müssten Hollandes Legionäre schon zu einem sehr schnellen Erfolg kommen. Das ist nicht zu erwarten. Notfalls kann man ganz diskret den Strom von Waffen für die Rebellen in Mali, der aus dem libyschen Bantustan kommt, ein wenig anschwellen lassen. Wozu haben die USA schliesslich ihre »Al Kaida«.

Derweil weben die deutschen diplomatischen Weberschiffchen emsig. Man wird sich schon hineinweben in das neueste Zivilisierungsprojekt. Das muss. Es geht ja nicht nur um dieses Mali, das kaum viermal so gross ist wie der doch sehr beschränkte Raum Deutschland. Es geht um die ganze Region, ja um einen ganzen Kontinent.

Pech für die Leute in Mali. Ein neues Afghanistan? Vielleicht. Und wenn - bestimmt nicht das letzte. Allein in Afrika ist Bedarf an mindestens einem halben Dutzend.

Quelle: Kritische Massen / RedGlobe

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