19 | 04 | 2019

Seit Jahrzehnten kämpft die Westsahara um ihre UnabhängigkeitDie Bevölkerung der Westsahara feiert am heutigen Freitag den 40. Jahrestag der Gründung ihrer Befreiungsfront, der Frente Polisario. Die Organisation wurde am 10. Mai 1973 als Volksfront für die Befreiung von Saguia el Hamra und Río de Oro gegründet, um den Kampf zunächst gegen die spanische, ab 1975 dann gegen die marokkanische Kolonialmacht zu führen. »Wir erinnern an die Wiedergeburt der sahrauischen Identität nach einem Jahrhundert der Kolonialisierung, an die Wiedergeburt des sahrauischen Volkes, des einzigen afrikanischen Volkes, das mit den Waffen für sein Recht auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit kämpft«, erklärte der sahrauische Botschafter in Algerien, Brahim Ghali, im Gespräch mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE.

Das Gebiet der Westsahara zwischen dem Atlantischen Ozean, Marokko, Mauretanien und Algerien war bis 1975 spanische Kolonie, doch die Bevölkerung hatte den fremden Herren immer Widerstand entgegengesetzt. Besonders nachdem Marokko 1956 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen worden war, verstärkte sich auch in der Westsahara die Protestbewegung gegen die Fremdherrschaft. 1965 forderte die Vollversammlung der Vereinten Nationen in ihrer ersten Resolution zum Westsaharakonflikt Spanien auf, die Westsahara zu entkolonialisieren und der Bevölkerung das Recht auf Selbstbestimmung zu gewähren. 1967 erklärte sich Spanien dazu bereit, ein Referendum über den Status der Westsahara durchzuführen. Die Anrainerstaaten Marokko und Mauretanien unterstützen dieses Vorhaben. Nachdem die Franco-Diktatur die Durchführung dieses Referendums jedoch immer weiter hinausgezögert hatte, gründete im Mai 1973 eine Gruppe ehemaliger Studenten um al-Wali Mustafa Sayyid die Befreiungsbewegung Frente Polisario, die den bewaffneten Widerstand gegen die spanische Herrschaft begann.

Als Ergebnis von Verhandlungen zwischen Marokko, Mauretanien und Spanien beschloss das spanische Parlament, die Kolonialherrschaft über die Westsahara zum 26. Februar 1976 aufzugeben. Einen Tag später rief die Polisario in Bir Lehlu die Demokratische Arabische Republik Sahara aus. Marokko und Mauretanien teilten jedoch unter Berufung auf eine Versammlung von Stammesfürsten das Gebiet unter sich auf. Marokko annektierte die nördlichen zwei Drittel der Westsahara, Mauretanien das südliche Drittel. Die Polisario, die seit 1975 finanziell und militärlogistisch von Algerien unterstützt wurde, entfachte einen intensiven Widerstandskampf gegen die beiden neuen Kolonialmächte. Daraufhin erklärte Mauretanien 1979 den Verzicht auf alle Ansprüche in der Westsahara. Daraufhin annektierte Marokko jedoch auch das südliche Drittel der Westsahara. Ein Großteil der sahrauischen Bevölkerung musste in Flüchtlingslagern Zuflucht suchen, die zum großen Teil in Algerien errichtet wurden. Seither leben dort rund 180.000 Menschen, die fast vollständig von Hilfslieferungen der EU, der Vereinten Nationen und internationaler nichtstaatlicher Organisationen abhängig sind.

Der bewaffnete Kampf zwischen Marokko und der Polisario wurde 1991 durch einen Waffenstillstand beendet. Dieser wird von den Vereinten Nationen durch die in der UN-Resolution 690 zustandegekommene MINURSO-Mission überwacht. Allerdings war Bestandteil dieses Abkommens die Durchführung einer Volksabstimmung im Jahr 1992 über die Unabhängigkeit der RASD, die jedoch von Marokko bis heute verschleppt wird. Die Kolonialmacht kontrolliert noch immer die westlichen zwei Drittel des Landes, alle größeren Städte sowie die bedeutenden Phosphatvorkommen der Westsahara. Die Polisario bzw. die Demokratische Arabische Republik Sahara kontrollieren das Hinterland. Der größte Teil ihrer Angehörigen lebt jedoch in den Flüchtlingslagern.

Der Kolonialismus Marokkos wird heute vor allem von Frankreich und Spanien unterstützt, die sich damit das Wohlwollen der Kolonialmacht erkaufen, um ihren Unternehmen die Ausbeutung der Bodenschätze des Landes und auch - völkerrechtswidrig - der in den besetzten Gebieten zu ermöglichen. Internationale Solidarität erfährt die Westsahara hingegen bis heute von Algerien und Südafrika, aber auch von Staaten wie Osttimor, das selbst eine lange Zeit der Fremdherrschaft hinter sich hat. Stark engagiert hat sich auch Kuba, Tausende junge Sahrauis konnten in den Universitäten der sozialistischen Karibikrepublik studieren.

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