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Berlin

Streikende Beschäftigte der Charité-Servicetochter CFM haben letzte Nacht einem Patienten in einer medizinischen Notlage durch Erste-Hilfe-Maßnahmen womöglich das Leben gerettet. Zuvor hatten von der CFM als Streikbrecher angeheuerte "Sicherheitsleute" den Hilfesuchenden vom Klinikgelände verwiesen.



Am Dienstag, den 2. September 2020 ging der siebente Tag der Streikwache von Beschäftigten der Charité Facility Management (CFM) vor dem Virchow-Klinikum zu Ende, die Nachtschicht der Streikenden hatte ihren Dienst aufgenommen. Die Zugänge zur Charité wurden immer noch von den betriebsfremden „Safety-Sicherheitsleuten“ bewacht, die als Streikbrecher engagiert wurden, als sich ein dramatischer Zwischenfall am Eingang Amrumer Straße ereignete.

Gegen Mitternacht kam eine besorgte Mutter mit ihrem jugendlichen Sohn, um medizinische Hilfe zu erhalten, die er dringend benötigte, wie sich hernach herausstellte. Sie waren bereits auf dem Gelände, in den Torbögen des deutschen Herzzentrums auf dem Weg in die Rettungsstelle, als sich der Zustand des jungen Mannes dramatisch verschlechterte. Er konnte sich kaum noch auf den Beinen halten, bekam Atemnot. Statt den jungen Mann unverzüglich in die Rettungsstelle zu bringen „halfen“ die drei billig eingekauften Streikbrecher der Mutter und ihm fast kollabierten Sohn wieder raus aus dem Charité-Gelände auf die Straße. Sie unterließen auch, die sich unmittelbar neben ihnen befindende Streikwache um Hilfe zu ersuchen. Die „Wachleute“ riefen lediglich die Feuerwehr und wandten sich wieder der Bewachung des Zuganges zu, während die Streikwache sofort erste Hilfe leistete, bis der Notarzt der Feuerwehr eintraf.

„Das unverantwortliche Treiben der CFM und der Charité mit Werkverträgen und Fremdfirmen, die den Streik brechen sollen, haben zu einer großen Notlage eines Menschen geführt, dessen Leben vielleicht nur durch das beherzte Eingreifen der Streik-Nachtwache gerettet wurde“, erklärte Marco Pavlik, ver.di-Streikleiter am Donnerstag in Berlin. „Wir hoffen, dass sich die Charité bei den beiden streikenden Helfern angemessen bedankt. Von der CFM erwarten wir die unverzügliche Kündigung der Verträge und den sofortigen Abzug der ‚Safety‘- und ‚GO Express & Logistics‘- Beschäftigten als Signal für die Fortsetzung fairer Tarifverhandlungen.“

Am Freitag, dem 4. September wird eine Streikdemonstration vom Platz des 18.März trommelschlagend durch das Brandenburger Tor zum Roten Rathaus ziehen und erneut den Eigentümer der Charité/CFM, den Senat von Berlin, an seine politische Verantwortung erinnern. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, die tariflosen landeseigenen Tochterunternehmen in den TVöD zu führen.

Die CFM war 2006 von der Charité als Tochterfirma ausgegründet worden - mit dem Ziel, Lohn- und Sozialdumping zu betreiben. Jahrelang war die Billigtochter CFM ein Public-Private-Partnership-Projekt und tariflos. Seit dem 1. Januar 2019 ist sie wieder eine 100-prozentige Tochter der Charité. Die CFM beschäftigt rund 2.500 eigene Beschäftigte, die von den Tarifverhandlungen und dem Konflikt betroffen sind. Außerdem arbeiten bei der CFM auch sogenannte gestellte Mitarbeiter/innen, die arbeitsvertraglich zur Charité gehören und dem dort geltenden Tarifvertrag unterliegen. Die CFM erbringt an den Charité-Standorten diverse technische und logistische Dienstleistungen wie z.B. Abfallentsorgung, Krankentransporte, Reinigung, Sterilisation und die gesamte Essensversorgung für die Patienten.

Quelle:

ver.di Landesbezirk Berlin-Brandenburg

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