„Nie wieder Faschismus“, „Wehret den Anfängen“ und „Gemeinsam für Frieden und Abrüstung“ – dies waren die Grundgedanken der Redner am 4. Juli in Saarbrücken. Auf Einladung des Parti Communiste Français, Bezirk Moselle, der Partei Die Linke und der Deutschen Kommunistischen Partei des Saarlandes trafen sich französische, deutsche und luxemburgische Antifaschisten zu einer internationalen Manifestation an der Gedenkstätte des früheren Gestapo-Lagers „Neue Bremm“ in Saarbrücken.

Die Manifestation, die auf Vorschlag der französischen Kommunisten eigentlich für den 8. Mai, den Tag der Befreiung vom Faschismus, geplant war und krisenbedingt ausfallen musste, traf auf großes Interesse. Mitglieder der kommunistischen Parteien, Abordnungen der Mitgliedsparteien der »Europäischen Linkspartei« der drei beteiligten Länder und Vertreter von Gewerkschaften und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) waren der Einladung gefolgt.

Heinz Birnbaum, Vorsitzender der „Europäischen Linkspartei“ verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Initiative der französischen Kommunisten, sich im Kampf gegen den neu aufkommenden Faschismus und Rechtsextremismus noch enger als bisher zusammenzuschließen. Die „Europäische Linkspartei“ trete vor allem im EU-Parlament für „ein anderes Europa“ auf und fordere ein Engagement der Europäischen Union für Frieden und Abrüstung. Das sei besonders in den gegenwärtigen Zeiten der Pandemie von Bedeutung. Eine wichtige Grundlage für den Kampf um Frieden sei auch das Erinnern an die Kämpfer des antifaschistischen Widerstandes. »Es gibt keine Zukunft, wenn man sich nicht der Vergangenheit bewusst ist“, betonte der Redner.

Für die Kommunistische Partei Luxemburgs erinnerte Christophe Bartz daran, dass Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, aufrechte Intellektuelle und viele antifaschistisch gesinnte Menschen die ersten Opfer der Faschisten waren, die in Gefängnisse und Konzentrationslager gepfercht, gepeinigt, gefoltert und ermordet wurden. „Wir haben nicht vergessen, dass im Mai 1940, nach dem Überfall Nazideutschlands auf Luxemburg, die Kommunistische Partei unseres Landes die einzige politische Partei war, die sich dem Befehl der Besatzer zur Selbstauflösung verweigerte und ihren Kampf für die gerechte Sache in der Illegalität, sowie in der Résistance in Frankreich und in Belgien mit aller Kraft weiterführte. Dieser Kampf war ein Beweis für den Internationalismus, und auch in den Reihen der luxemburgischen Résistance kämpften und fielen Genossen aus anderen Ländern. Es war ein deutscher Arbeiter, Hans Adam, der am 31. August 1942 im Hüttenwerk Esch-Schifflingen das Signal zum Generalstreik gab, im Widerstand gegen die am Tag zuvor von Nazi-Gauleiter Simon verfügte Wehrpflicht. Es war ein Luxemburger Kommunist, der Arzt Charles Marx – der spätere kommunistische Gesundheitsminister –, der in der französischen Résistance den Sanitätsdienst organisierte.“

Dieser Internationalismus, der auch im Kampf von mehr als 100 luxemburgischen, italienischen und deutschen Antifaschisten zum Ausdruck kam, die von Luxemburg aus nach Spanien gingen, um mit der Waffe in der Hand in den Internationalen Brigaden im Spanischen Krieg gegen die spanischen, deutschen und italienischen Faschisten zu kämpfen, stelle für die KPL die Grundlage für ein neues Europa dar, im Gegensatz zur Europäischen Union, die von den Herrschenden und ihren Medien gern „Europa“ genannt werde.

„Das Vermächtnis der antifaschistischen Widerstandskämpfer zu erfüllen, bedeutet für uns in erster Linie, für Frieden und Abrüstung einzutreten. Wir Luxemburger Kommunisten lehnen es ab, viele Hunderte Millionen Euro auszugeben für ein Militärflugzeug, für einen Militärsatelliten und anderes teures Militärgerät. Wir wenden uns dagegen, Luxemburger Soldaten, von deutschen Offizieren kommandiert, in einem NATO-Kontingent in Litauen, in unmittelbarer Nähe der russischen Grenze zu stationieren. Und wir fordern von der Luxemburger Regierung, dass sie umgehend den UNO-Atomwaffenverbotsvertrag unterschreibt und ratifiziert.“

Für die Kommunisten des Saarlandes verwies Volker Jung auf die Beweise der Solidarität, als vor 85 Jahren Aktivisten der Einheitsfront im Saarland ihre Heimat verlassen mussten und in den angrenzenden Ländern Aufnahme fanden. „Die Solidarität von Arbeiterfamilien und Bauern ist den Überlebenden in guter Erinnerung geblieben und hat sie mit Dankbarkeit erfüllt.“ Und der Vertreter der DKP erinnerte daran, dass viele der saarländischen Emigranten, die sich der französischen Résistance angeschlossen hatten und dafür von der französischen Republik geehrt worden waren, nach ihrer Rückkehr ins Saarland und nach Westdeutschland diskriminiert und in die Gefängnisse der BRD gesteckt wurden, „verurteilt von den gleichen Richtern, die schon zur Nazi-Zeit über die Widerstandskämpfer richteten“.

„Die Antifaschistinnen und Antifaschisten der befreiten Länder hatten die Hoffnung, dass nie mehr Nationalismus, Rassismus und Militarismus das gesellschaftliche Leben bestimmen würden. Doch mussten sie Zeit ihres Lebens genau dagegen kämpfen. ‚Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.’“ Auch dieser Satz aus dem „Schwur von Buchenwald“ sei leider immer noch eine Aufgabe, erklärte der deutsche Kommunist.

Jacques Maréchal, Bezirkssekretär des PCF Moselle, erinnerte an die mehr als 3.000 politischen Gefangenen aus 14 Ländern, die im Gestapo-Lager „Neue Bremm“ eingekerkert, gefoltert und ermordet worden waren, darunter Deutsche, Franzosen und Luxemburger. „Die Pflicht des Erinnerns ist eine grundlegende Voraussetzung für den Aufbau einer Zukunft. Die Ereignisse der Vergangenheit dürfen niemals dem Schatten des Vergessens unterliegen.“ Die Manifestation mit Teilnehmern aus den drei Ländern, darunter Vertretern von Gewerkschaften, sei „eine Premiere“, sagte Jacques Maréchal.

„Wir erweisen hier nicht nur jenen die Ehre, die zu Opfern des Nazismus wurden, sondern auch jenen, die aktiven Widerstand geleistet haben.“ Er erinnerte an die Erfahrungen des gemeinsamen Kampfes der Arbeiter des Saarlandes und Lothringens. Die Teilnahme französischer Bergarbeiter an der großen Manifestation gegen den Anschluss des Saarlandes an das Hitlerreich am 6. August 1934 war ein Beispiel dieser Solidarität, ebenso die Tatsache, dass französische Schriften gegen den Krieg in Saarbrücken redigiert und gedruckt wurden. Nach dem Anschluss des Saarlands am 13. Januar 1935 fanden zahlreiche Antifaschisten auf der Flucht vor der Gestapo Aufnahme auf der anderen Seite der Grenze, in Lothringen. Dies seien die ruhmvollen Seiten der gemeinsamen Geschichte der Arbeiterbewegung. „Wir sind heute hier, um zu zeigen, dass wir diese Seiten und die Werte der Arbeiterbewegung weitertragen und ehren wollen.“

Ein Vertreter der Gewerkschaft CGT forderte, angesichts des neu aufkommenden Faschismus und der rassistisch motivierten Angriffe gemeinsam und grenzübergreifend die Bewegung gegen den Faschismus zu organisieren, in der alle antifaschistischen Kräfte, einschließlich der Gewerkschaften, ihre Aktivitäten koordinieren sollten. Auch die gegenwärtige kapitalistische Krise erfordere mehr Aufmerksamkeit, wobei der Jugend eine besondere Verantwortung zukomme.

Ein Redner der VVN-BdA verurteilte die Versuche, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten in der Bundesrepublik Deutschland die Gemeinnützigkeit abzusprechen und damit nicht nur die Existenz dieser antifaschistischen Organisation, sondern vor allem auch ihre Tätigkeit im Sinne der Aufklärung über die Gefahren des Faschismus in Frage zu stellen. Er forderte die anwesenden Parteien und Organisationen auf, weiterhin aktive Solidarität mit der VVN-BdA zu üben.

Im Namen aller Teilnehmer legten junge Kommunisten aus Luxemburg und dem Saarland einen Kranz am Gedenkstein für die Opfer der Faschisten im Gestapo-Lager „Neue Bremm“ nieder. Alle Delegationen vereinten sich zu einer Schweigeminute – gemeinsam im Gedenken, gemeinsam im Kampf gegen den Faschismus, für Frieden und Abrüstung.

Quelle:

blog.unsere-zeit.de

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