Sonntag, 24. März 2019
Solidaritätsanzeige

Die Erforschung des Schicksals jüdischer Familien durch Dr. Ekkehard Hübschmann wird von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Hof-Wunsiedel als wichtiger weiterer Beitrag zur Erinnerungskultur in Hof und Umgebung sehr begrüßt.

„Hof ist dabei, eine Menge aufzuholen in Sachen Vergangenheitsbewältigung“, erklärt die VVN-Kreisvorsitzende Eva Petermann. In den letzten Jahren habe es einige Straßen- und Platzbenennungen zu Ehren des Hofer Widerstands und herausragender jüdischer Bürger aus diversen Gesellschaftsbereichen gegeben. „Zum Teil ergab sich dies allerdings eher „als Nebenprodukt“ einer Ehrung aus anderen Motiven“, erklärt Stadtrat Thomas Etzel, stellvertretender VVN-Vorsitzender.

So hatte die Stadt bei der Namensgebung für Albert Einstein im Universitätsviertel wohl nur seinen Mythos als Physiker im Sinn. Ähnlich war die privat initiierte Platzbenennung nach dem Berliner Entertainer Hans Rosenthal vor allem eine Danksagung an den Publikumsliebling für seinen Auftritt in der Freiheitshalle. Unbeschadet dessen hatten sie alle wie auch der bekannte Unternehmer Leon Gonczarowki eines gemeinsam: Sie waren der verbrecherischer Rassenpolitik des NS-Regimes nur um Haaresbreite entkommen.

Lange Zeit war die Dr.Arnheim-Straße am Jüdischen Friedhof die einzige zu Ehren einer jüdischen Persönlichkeit benannte geblieben. Aber wer weiß schon, wer er war? Fischel Arnheim, einer von elf jüdischen Landtagsabgeordneten in dem vor 170 Jahren erstmalig gewählten bayerischen Landtag, hatte sich u.a. für den Bau einer Bahnstrecke zwischen Hof und Eger (heute Cheb) erfolgreich stark gemacht. Als erster Ehrenbürger der Stadt Hof trug er außerdem dazu bei, das diskriminierende „Matrikengesetz“ abzuschaffen und die freie Gewerbeausübung für jüdische Bürger durchzusetzen. Unerklärlicherweise fehlt der jüdische Vorname auf dem Schild. Von daher würde eine erklärende Ergänzung wie z.B. am Rosa-Opitz-Platz der Ehrung für Fischel Arnheim mehr Nachdruck verleihen, so Eva Petermann.

Eine Kritik und einen Vorschlag hat die VVN-BdA im Zusammenhang mit dem Diskurs um Dr. Hübschmanns Publikation. Bedauerlicherweise sei von einer für die Nachkriegszeit zentralen jüdischen Persönlichkeit kein einziges Mal die Rede gewesen: von Wolf Weil.

Der 1913 in Krakau Geborene kam 1945 nach Hof. Weil war mit Hilfe Oskar Schindlers dem Holocaust entronnen und half nun, zusammen mit dem jüdischen Hilfskomitee, den in Hof Gestrandeten – jüdischen sog. Displaced People. Dank seines Engagements und Einsatzes rund um die Uhr erhielten über 100 jüdische Opfer der barbarischen Todesmärsche, die tot in den Wäldern um Hof lagen, auf dem jüdischen Friedhof eine würdige Bestattung.

All diese Zusammenhänge sind längst nicht hinreichend erforscht. „Wurde das 1955 verfasste Manuskript von Weils kurzer „Geschichte der Juden in Hof seit 1938“ überhaupt zur Kenntnis genommen?“, fragt die VVN-BdA. Und warum sei das beeindruckende große Denkmal zur Erinnerung an die Todesmarschopfer im hinteren Bereich des jüdischen Friedhofs bis heute der Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich geblieben?

So gibt es nach wie vor ein großes Betätigungsfeld für die Forschung sowie für Schulprojekte – jenseits von Wettbewerben, Preisen und Noten. Entscheidend findet die VVN-BdA , nicht in trostloser Trauer über das Entsetzliche zu verharren. Sondern den Blick zu weiten für andere rassisisch und politisch Verfolgte des Naziregimes, vor allem aber auch für Handlungen der Hilfsbereitschaft und Solidarität wie auch des aktiven Widerstands. An diesem waren nicht zuletzt jüdische Männer und Frauen beteiligt. All dies kann den Blick zu schärfen für Verfolgung und Unterdrückung in unserer Zeit im Sinne von „Wehret den Anfängen“.

In diesem Sinne zu wirken war auch Wolf Weils Motiv, Deutschland und Hof nicht den Rücken zu kehren. Von den Tausenden jüdischer Flüchtlinge im Durchgangslager Moschendorf sind damals letztlich nur „70 Juden …geblieben. Ich wollte eigentlich auch weg“, sagte er 1987 in einem Interview in: „Die Juden in Franken“ von Brenner / Eisenstein, erschienen 2012. Die Frankenpost hat es 2014 nachgedruckt. So ist Weil nicht in die USA zu den Freunden ausgewandert, sondern geblieben, ist angeeckt und hat mit angepackt. Er war Mitglied im Zentralrat der Juden, wie übrigens auch Hans Rosenthal, und übte bis zu seinem Tod 1988 das Amt des Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde aus. Sein Nachfolger wurde bekanntlich Leon Gonczarowski und nach dessen Tod sein Sohn Dr. Jakob Gonczarowski.

Die VVN-BdA fordert bereits seit längerem, Wolf Weil öffentlich zu würdigen. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, meint Eva Petermann. Und hat auch gleich einen passenden Vorschlag: Die Hallstraße an der früheren Synagoge sollte in Wolf-Weil-Straße umbenannt werden. Dass in Zukunft über sein Wirken in Hof auch auf der Homepage der Stadt Hof zu lesen sein wird, hält die VVN-BdA ohnehin für eine Selbstverständlichkeit.

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Kreisvereinigung Hof / Wunsiedel

Quelle:

VVN-BdA Landesvereinigung Bayern

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