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Kategorie: Medien

Wir dokumentieren nachstehend einen Kommentar der »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« aus Luxemburg zur Nominierung von Joachim Gauck zum nächsten Bundespräsidenten:

Die politische Klasse der Bundesrepublik Deutschland ist verzweifelt. Innerhalb von weniger als zwei Jahren wurden zwei Bundespräsidenten verschlissen. Horst Köhler, der erfahrene Banker, stolperte über seinen naiven Sinn für Wahrheit. Während eines Interviews plauderte er aus, daß deutsche Soldaten auch für die Sicherung von Transportwegen von Rohstoffen für die deutsche Industrie zu sorgen hätten. Das ist keine Neuigkeit, wird aber eigentlich dem Volk nicht so deutlich gesagt. Der darauf folgenden öffentlichen Debatte fühlte sich Köhler nicht gewachsen und warf das Handtuch.



Zu seinem Nachfolger erkor die listige Kanzlerin ihren heimlichen Widersacher aus Niedersachsen, Christian Wulff – einer der früheren »jungen Wilden« in der CDU, allerdings der zahmsten von ihnen. Wie sich herausstellte, auch der naivste, denn er ist tatsächlich bis heute überzeugt, daß es kein Problem ist, wenn sich ein Politiker ein wenig bestechen läßt. Das stimmt auch, nur darf man sich nicht erwischen lassen und dann auch noch öffentlich lügen. Frau Merkel konnte dem Treiben gelassen zuschauen, bis Wulff schließlich aufgab und sich ins Niedersächsische zurückzog.

Allerdings war nun die Reserve an Kandidaten für das höchste Amt im Staat erschöpft. Da griff plötzlich Herr Rösler, Frau Merkels Koalitionspartner von der Fast-Drei-Prozent-Partei, den Herzenswunsch von Sozis und Grünen auf, den »DDR-Bürgerrechtler« Joachim Gauck ins Spiel zu bringen, jenen Mann, der die vorangegangene Wahl im Bundesrat gegen Wulff verloren hatte. Aus Angst vor einem vorzeitigen Auseinanderbrechen der Koalition stimmte Frau Merkel zu, und flugs ward ein neuer Präsident geboren. Da sich die Spitzen von CDU, CSU, FDP, SPD und Grünen gleichsam vor Freude in die Arme fielen, muß der Mann eigentlich gar nicht mehr gewählt werden. Für die Medien ist er schon der neue Bundespräsident. Alle sind voll des Lobes über den tapferen Freiheitskämpfer, der dem bösen DDR-System die Stirn geboten hat. Hat er das?

Die über Joachim Gauck bekannt gewordenen Fakten sprechen eine andere Sprache. Der Theologe hatte es sich in der DDR gemütlich eingerichtet, verfügte über einen sicheren Arbeitsplatz in seiner Kirche, traf sich gelegentlich mit Leuten vom Ministerium für Staatssicherheit, die ihm gewisse Privilegien verschafften. So durften seine Söhne ohne Probleme in die BRD übersiedeln, der treusorgende Papa konnte sie dort besuchen, und die bösen Jungs vom MfS taten dem Pfarrer noch so manchen Gefallen. Der revanchierte sich, indem er erklärte, man müsse den Sozialismus in der DDR noch attraktiver für die Menschen machen. Als 1989 die Entwicklung gewendet wurde, trat Gauck im letzten Moment zur »Bürgerbewegung« über und wetterte heftigst gegen die einstigen »Spielkameraden« von der »Stasi«. Rasch wurde er zu einem »Stasi-Jäger« und durfte das dann zehn Jahre lang offiziell als Chef der Bundesbehörde für die Unterlagen des MfS der DDR tun. Bekannt ist, daß er sich im Sommer 1990 stundenlang alleine mit seiner eigenen MfS-Akte beschäftigte. Was er damit tat, bleibt sein Geheimnis.

Der Vorgänger hat gelogen, als er im Amt war. Der Neue hat schon gelogen, lange bevor er für das Amt auserkoren wurde. Aber seine Meriten bestehen darin, nach 1990 besonders gründlich im Dienste der Siegerjustiz die DDR delegitimiert zu haben. Und das tut er bis heute, als »reisender Politiklehrer«, was er weiterhin bleiben will, wie er bei seiner Kür versicherte.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek / RedGlobe

 

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