20 | 06 | 2019

Sehr geehrter Günter Grass,

natürlich haben Sie Recht, das belegen die Fakten

  • dass nicht der Iran, sondern Israel über Atomwaffen verfügt und somit in der Lage ist, den Iran zu vernichten;
  • dass nicht Iran, sondern Israel dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten ist und keinerlei internationale Kontrolle über sein Atomprogramm zulässt;
  • dass Deutschland mit der Lieferung eines weiteren Atom-U-Boots an Israel sich zum Beihelfer eines möglichen Präventivkrieges gegen Iran machen würde;
  • dass von der realen Atommacht Israel eine Gefahr für den "brüchigen Weltfrieden" ausgeht;
  • dass die Politik des Westens gegenüber Iran und Israel von Heuchelei geprägt ist; und
  • dass, wer Israels Politik kritisiert, all zu leicht unter das Verdikt des "Antisemitismus" fällt.


Dass Sie Recht haben, bestätigen Ihnen viele Menschen (u.a. durch eine Rundfrage in der Financial Times).

Es sind hoch angesehene Personen darunter, Intellektuelle wie Chomsky, Finkelstein, Duisenberg, Verleger, Losurdo, Kirppendorff, Maguire, Strutynski, Paech, Zuckermann, auch viele andere Israelis.

Leider ist es so, dass - wie Sie und wir feststellen müssen - diese Stellungnahmen in der mainstream- Presse nicht oder kaum zu Wort kommen.

Wir verfolgen die Nachrichten im Deutschlandradio, das lediglich von der anhaltenden Kritik an Ihren Äußerungen spricht (nicht aber von den Zustimmungen) und Netanjahu ständig zu Wort kommen lässt mit seinen Lügen. Das stiftet Verwirrung, wenn nicht sogar eine subtile Stimmung gegen den Iran und für Israel.

Längst müssten die Medien wissen und müssten es auch so weitergeben (wären sie korrekt), dass keine Rede war von der Auslöschung Israels durch den Iran.

Hier ein ausführlicher Kommentar:

Unter der Überschrift „Ahmadinedschad und die Sache mit der Landkarte“ schreibt Knut Mellenthin: »Ein ständig wiederholter Vorwurf gegen Iran lautet, Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe mit der »Auslöschung« des jüdischen Staates gedroht. Wörtlich soll er – in einer Rede am 26. Oktober 2005 – gesagt haben, Israel müsse »von der Landkarte gefegt werden«. Seit Jahren ist bewiesen und bekannt, dass diese Behauptung auf einer falschen Übersetzung gründet. Eine Reihe von Medien hat den Fehler öffentlich eingestanden und angekündigt, den falschen Text nicht mehr zu verwenden. Politiker und Journalisten, die sich zu diesem Thema äußern, können und sollten das wissen.

Der entscheidende Abschnitt der Rede von Ahmadinedschad begann mit der Frage: 'Werden wir eine Welt ohne Amerika und Zionismus erleben können?'  Er zählte dann eine Reihe von starken, scheinbar unbesiegbaren Gegnern auf, deren Ende von Ajatollah Khomeini, dem Führer der 'islamischen Revolution' von 1979, vorausgesagt worden sei. Die Aufzählung begann mit dem Schah-Regime. An zweiter Stelle folgte »der östliche Imperialismus«, d. h. die Sowjetunion und ihr Einflussbereich. An dritter Stelle stand Saddam Hussein, der Herrscher Iraks. An vierter Stelle folgte das auf Israel bezogene Zitat, dessen wirklicher Wortlaut lautete: 'Der Imam (Khomeini) hat gesagt: ›Das Regime, das Quds (arabischer Name Jerusalems – d. A.) besetzt hält, wird von den Seiten der Geschichte verschwinden.'« Wohlbemerkt, er sprach nicht vom Staat Israel. ...

Es erregte andererseits beim politischen Mainstream keinen Protest, als der angesehene israelische Historiker Benny Morris, Professor an der israelischen Ben-Gurion-Universität, in der österreichischen Tageszeitung Standard am 12. Mai 2008 erklärte, »die letzte Chance« gegen Iran sei der Einsatz israelischer Atomwaffen. »Es reduziert sich auf die Frage, ob Israel zerstört wird oder der Iran zerstört wird. Und ich hoffe, die Israelis verstehen, dass es besser ist, den Iran zu zerstören, als selbst zerstört zu werden.« …

Erinnert die Diskussion heute zu Israel und Iran nicht an die Zeiten des kalten Kriegs?

Seit dem kalten Krieg ist mit Hilfe von think tanks, durch Ausgabe von steigenden Unsummen für Geheimdienste und Gründungen von NGOs zum Missbrauch von Menschenrechtsfragen, Konzentration von Medien usw. große „Fortschritte“ in der Politik von „regime changes“ gemacht worden.

Heute sind es die Bemühungen und Erfolge der ALBA-Länder, die vom mainstream entweder ignoriert oder mit Falsch-Darstellungen bedacht werden und ins Fadenkreuz  rückschrittlicher Sichtweisen geraten.

Wir möchten Sie an Ihr Gespräch mit Konrad Wolf erinnern, welches bei  der Berliner (Ost)  Begegnung zur Friedensförderung 1981 kurz vor dem Tod Konrad Wolfs erfolgte und von ihm so zusammengefasst wurde: „Günter Grass hat die für mich fundamentalste Frage hier offen gestellt: Wer bedroht wen?“

Ihre Reflektionen, lieber Herr Grass, folgen auch heute genau dieser Frage!

Damals antwortete Konrad Wolf mit einer Gegenfrage und zitierte ein Gedicht von Jewtuschenko: „Glaubst du die Russen wollen Krieg?“

Wir alle glauben nicht, dass die israelische Bevölkerung Krieg will, genauso wenig wie die deutsche, wie die iranische….

Deshalb haben Sie ganz wunderbar Partei ergriffen gegen die Politik der deutschen und israelischen Regierungen und sich auf die Seite gestellt von Menschen, denen der Weltfrieden ein großes Anliegen ist. So wie Sie auch schon Partei ergriffen haben gegen den schändlichen Gebrauch von DU-Munition.

Sie werden gebraucht zur Verteidigung der einzig bestehenden internationalen Grundlage unserer Zivilisation, dem Völkerrecht, insbesondere der UNO-Charta als Lehre aus zwei Weltkriegen. Zu Recht haben Sie auf die UNO-Resolutionen, betreffend Israels Politik hingewiesen.

Die Presse, wäre sie nicht verlängerter Arm von Konzern- und Privatinteressen, sollte dies honorieren!!

Wir, die z.T. stille Mehrheit, dankt Ihnen ausdrücklich.

Landesverband Berlin des Deutschen Freidenker – Verbandes e.V., 25.04.2012

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