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Kategorie: Medien

Bild kämpft für NacktdemosEine Woche nach der massiven Verletzung der Grundrechte von Zehntausenden in Frankfurt während der »Blockupy«-Proteste kämpft nun auch »Bild« für das Demonstrationsrecht. Das Onlineportal des Blattes mit den großen Buchstaben, das noch vor wenigen Jahrzehnten durch Mordaufrufe gegen demonstrierende Studenten zu trauriger Berühmtheit gelangt war, protestiert heute gegen einen Polizeieinsatz gegen eine gewaltfreie Demonstration. Für solche Solidarität aus dem Springer-Hochhaus gibt es aber eine Bedingung: die Kleiderordnung der Protestierenden muss stimmen, und es muss sich um junge Frauen handeln.

 

»Brutalo-Attacke gegen Femen-Frauen« titelt bild.de heute und wettert gegen den gewaltsamen Einsatz der Berliner Polizei gegen einige Aktivistinnen der »Femen«-Kampagne. Diese hatten sich in der für die Gruppe üblichen Weise entblößt - und das vor dem Bundeskanzleramt, also mitten in der Bannmeile. »Bild« ist empört: »In nur sechs Minuten ist die Protestaktion von drei harmlosen Mädels vorm Kanzleramt in Berlin niedergeschlagen.« (Kompletter Beitrag: Hier klicken) Über die stundenlange Einkesselung, Pfeffergasattacken und Prügeleinsätze in Frankfurt war »Bild« weniger entsetzt.

Die Aktion von »Femen« richtete sich gegen den Besuch des tunesischen Ministerpräsidenten Ali Laarayedh bei Bundeskanzlerin. Angela Merkel sollte von den Aktivistinnen aufgefordert werden, »unser Schutzengel« zu werden und sich als »mächtigste Frau der Welt« für die in Tunesien inhaftierte deutsche Aktivistin Josephine Markmann, die Französinnen Marguerite und Pauline und die Tunesierin Amina einsetzen. Amina Tyler steht derzeit in Tunis vor Gericht, weil sie den Namen der Kampagne an eine Friedhofmauer geschrieben haben soll. Zuvor war sie international bekannt geworden, weil sie Oben-Ohne-Fotos von sich ins Internet gestellt hatte. »Mein Körper gehört mir, er ist nicht Quelle von irgendjemandes Ehre«, hatte sie sich auf die Haut geschrieben und protestierte damit gegen die vor allem von den Islamisten in Tunesien praktizierte  Frauenunterdrückung. Offenbar deswegen lautet die Anklage gegen die junge Frau in Tunesien inzwischen auch auf »Sittlichkeitsverbrechen«. Die anderen drei Frauen hatten sich in Tunis mit einer Oben-Ohne-Aktion mit der Inhaftierten solidarisiert - nun sitzen sie selbst im Gefängnis.

Von Ali Laarayedh halten die deutschen Gastgeber solche Unbillen fern. Statt dessen soll ihn Hubertus Knabe durch seine Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen führen, wie er es Mitte Mai schon mit der tunesischen Staatssekretärin Leila Bahria und dem Botschafter des Landes in Berlin getan hat. Was kümmern uns schon Menschenrechtsverletzungen im hier und jetzt - sei es in Tunis oder in Frankfurt oder in Istanbul -, wenn man doch eine angenehme Gruselstunde in einem umstrittenen Museum haben kann.

Homepage von Femen und Informationen zu der Aktion: Hier klicken

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