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Medien

Da haben sich Kai Diekmann und seine »Bild« ein ziemliches Ei gelegt: Nach dem FC St. Pauli haben inzwischen vier weitere Vereine ihre Teilnahme an der von dem Hetzblatt und anderen Unternehmen gesponserten Werbeaktion »Wir helfen« abgesagt. Dabei beziehen sich einige Clubs ganz ausdrücklich auf die Ausfälle Diemanns gegen den FC St. Pauli. Der »Bild«-Chef hatte den Kiezkickern unterstellt, bei ihnen seien Flüchtlinge nicht willkommen. Nach der Empörung vieler Fans über diesen Angriff rückte er seine Kritiker über Twitter sogar noch in die Nähe von Brandstiftern und maskierten Militanten. Als Reaktion darauf bröckelt nun jedoch die ganze Aktion.

Als erster Verein folgte Zweitligist 1. FC Union Berlin dem Beispiel der Hamburger. »Wir können Flüchtlingsströme nicht beeinflussen oder die internationale Politik verändern und als Fußballverein ist es auch nicht unsere Aufgabe, aber wir sind humanistischen Grundwerten verpflichtet und können hier in unserer Stadt, in unserem Umfeld denjenigen helfen, die unsere Hilfe brauchen. Wenn durch die Bereitstellung unserer Flächen nur eine Sporthalle in Berlin weniger umgewidmet werden muss, ist allen geholfen«, erklärt Union-Präsident Dirk Zingler mit Hinweis darauf, dass Union eine erworbene Immobilie in Stadionnähe als Unterkunft für Flüchtlinge bereitstellt. «An der für den kommenden Bundesligaspieltag geplanten Aktion einer Boulevardzeitung wird der 1.FC Union Berlin hingegen nicht teilnehmen«, heisst es weiter auf der Homepage.

Am Donnerstagabend folgten weitere Clubs. So erklärten die Chefs des VfL Bochum, Christian Hochstätter und Wilken Engelbracht, dass auch die Blau-Weißen nicht für »Bild« auflaufen werden: »Gegen Engagement ist nichts einzuwenden, im Gegenteil: Der VfL Bochum 1848 begrüßt sämtliche Hilfsmaßnahmen, die in Not geratene Menschen unterstützen. Wenn es also um die Sache gegangen wäre, wären wir kompromissbereit gewesen und hätten eine Aktion, die von der Bild mitgetragen wird, unterstützt. Allerdings hat uns die scharfe Reaktion seitens der Bild-Chefredaktion ob der Absage eines anderen Clubs an die Aktion dazu gebracht, sich mit diesem Verein solidarisch zu zeigen. Es darf unserer Ansicht nach nicht sein, dass jemand einem Verein die Solidarität mit Flüchtlingen abspricht, nur weil dieser nicht bereit ist, eine u.a. von der Bild initiierte Aktion zu unterstützen.«

Diplomatischer begründet der SC Freiburg seine Absage: »Für uns ist klar, dass es vor allem das glaubwürdige Engagement vieler lokaler Initiativen ist, das Flüchtlingen jetzt in enger Absprache mit örtlichen Behörden und überregionalen Hilfswerken ganz konkret hilft. Wir haben uns entschieden, morgen ohne den veränderten Ärmel-Aufnäher ›Wir helfen‹ gegen die Bielefelder Arminia auf den Platz zu gehen.«

Dagegen verzichtet der 1. FC Nürnberg ausdrücklich wegen der Angriffe auf den FC St. Pauli auf eine Teilnahme an der Aktion; »Der 1. FC Nürnberg begrüßt die ligaweite Aktion für Flüchtlinge. Sie ist sinnvoll und unterstützenswert. Weil der 1. FC Nürnberg aber den Umgang mit den Vereinen, die an der freiwilligen Aktion nicht teilnehmen, für unangebracht hält, wird der Club auf eine besondere Promotion des Medienpartners verzichten.«

Dagegen hat Eintracht Frankfurt offenbar nach längeren Diskussionen entschieden, die Aktion nicht zu boykottieren. Man hält es aber für notwendig, diesen Schritt zu begründen: »Für Eintracht Frankfurt steht die praktische Hilfe im Vordergrund, die wir bereits in unserer Region geleistet haben und auch noch in den nächsten Wochen leisten werden. Unsere Unterstützung gehört daher all jenen, die unermüdlich und rund um die Uhr einen Beitrag leisten und sich um die Flüchtlinge kümmern. Ihnen sollte uneingeschränkt die mediale Aufmerksamkeit gelten. Aus Solidarität zur Deutschen Fußball Liga und in Anerkennung der vertraglichen Pflichten gegenüber dem Liga-Premiumpartner Hermes setzen wir die für den kommenden Spieltag geplante ligaweite Aktion um.«

Einen anderen Weg geht der MSV Duisburg. Zwar boykottiert man nicht offiziell die »Bild«-Aktion, kündigt aber an: »MSV-Hauptsponsor Black Crevice verzichtet an diesem Spieltag auf die ihm vertraglich zustehende Trikotwerbung. Die Zebras werden in extra für dieses Heimspiel gestalteten Trikots mit dem Schriftzug ›Refugees Welcome‹ auflaufen; die Trikots werden nach der Begegnung versteigert und der Erlös zur Unterstützung Duisburger Flüchtlings-Initiativen zugeführt. In der Schauinsland-Reisen-Arena werden die Flüchtlinge zudem in ihren Heimatsprachen begrüßt.«

Kein Wort zu der Aktion dagegen auf den Internetseiten des FC Bayern München, des Hamburger Sportvereins oder von Borussia Dortmund. Die Fans des BVB zeigten ihre Meinung jeodch bereits im Stadion:

Quellen: VfL Bochum, SC Freiburg, 1. FC Nürnberg, 1. FC Union Berlin / RedGlobe

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