20 | 06 | 2019

Kommunistische ArbeiterzeitungWir dokumentieren nachstehend einen Beitrag der Kommunistischen Arbeiterzeitung (KAZ), der sich kritisch mit einem Ende vergangenen Jahres in der Zeitschrift »Das Krokodil« erschienenen Beitrag auseinandersetzt, der die These aufstellt, dass es heute praktisch keinen deutschen Imperialismus gebe. »Das Krokodil« wird herausgegeben unter anderem von den beiden Führungspersonen des Bundesverbandes Arbeiterfotografie, Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, sowie dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Freidenker-Verbandes (DFV), Klaus Hartmann.

Mit ih­rem in DAS KRO­KO­DIL, Aus­ga­be 15 (De­zem­ber 2015), so­wie in der NRhZ (on­line-Fly­er vom 13.1.16 http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22464) veröffent­lich­ten Ar­ti­kel „Be­trach­tung in der Im­pe­ria­lis­mus-Fra­ge – Der Haupt­feind steht im ei­ge­nen Land“ ha­ben die sonst durch ver­dienst­vol­le Bild­re­por­ta­gen be­kann­ten Ar­bei­ter­fo­to­gra­fen An­ne­lie­se Fik­ent­scher und An­dre­as Neu­mann der Klar­heit im an­ti­im­pe­ria­lis­ti­schen Kampf ei­nen Bären­dienst er­wie­sen.

Das Wesentliche bei Liebknecht unterschlagen

Schon die Über­schrift enthält eine Un­ter­schla­gung, die sich pein­lich durch den gan­zen Ar­ti­kel zieht. Karl Lieb­knecht be­steht in sei­nem berühm­ten Flug­blatt von 1915 dar­auf (s. auch KAZ 351), die­sen Haupt­feind zu kon­kre­ti­sie­ren: Der Haupt­feind je­des Vol­kes steht in sei­nem ei­ge­nen Land! Der Haupt­feind des deut­schen Vol­kes steht in Deutsch­land: der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus, die deut­sche Kriegs­par­tei, die deut­sche Ge­heim­di­plo­ma­tie.

Monopol – international und national
Während die Mo­no­po­le über ihre ei­ge­ne Na­ti­on hin­aus­wach­sen und sie sich da­bei un­ter­tan ma­chen, sie aus­plündern und rui­nie­ren und ih­ren Un­ter­gang in Kauf neh­men (wie es die deut­schen Mo­no­po­le im Hit­ler­fa­schis­mus und 2. Welt­krieg un­ter Be­weis ge­stellt ha­ben), während die Mo­no­po­le frem­de Na­tio­nen sich abhängig ma­chen, sie so­gar an der ka­pi­ta­lis­ti­schen Ent­wick­lung aus Kon­kur­renz­gründen be­hin­dern, können sie die Form des Na­tio­nal­staats nicht über­win­den. Sie benöti­gen den Staat, um die Ar­bei­ter­klas­se und alle nicht­mo­no­po­lis­ti­schen Klas­sen nie­der­zu­hal­ten bzw. für ihre Zwe­cke aus­zu­rich­ten.
Und sie benöti­gen den Na­tio­nal­staat, um sich ge­gen den Zu­griff an­de­rer Mo­no­po­le schützen zu können bzw. sei­ne Kräfte für die Ex­pan­si­on ge­gen an­de­re Mo­no­po­le nutz­bar zu ma­chen. Denn wer be­kommt denn die Sub­ven­tio­nen, die Her­mes-Kre­ditbürg­schaf­ten? Wozu die Ge­set­ze und Nor­men (von DIN bis zum bay­ri­schen Rein­heits­ge­bot beim Bier) und wozu die Bun­des­wehr? (Sie­he Kas­ten: Deut­sches Mo­no­pol­ka­pi­tal) Doch nicht etwa für Ge­ne­ral Mo­tors und Exxon, son­dern für Sie­mens und Thys­sen. Und zeigt denn nicht die Über­nah­me der DDR-Wirt­schaft, wie fast streng nach der na­tio­na­len Duft­mar­ke des Mo­no­pols und gar nicht glo­bal hier die Kern­be­rei­che ver­teilt wur­den und wer von dem rie­sen­haf­ten Ver­tei­lungs- und Kon­junk­tur­pro­gramm der Treu­hand ein­ge­steckt hat: Deut­sche Ban­ken, deut­sche Ver­si­che­run­gen, deut­sche In­dus­trie- und Han­dels­mo­no­po­le. Die 350 Mrd. DM Ver­lust der Treu­hand, die den Werktäti­gen auf­gebürdet wur­den, sind Ge­win­ne und Macht ge­wor­den, da­mit die deut­sche Mo­no­pol­bour­geoi­sie noch un­verschämter und dreis­ter nach in­nen und außen auf­tre­ten kann. Und sie sind der Sta­chel, sich bei an­de­ren Völkern in Eu­ro­pa („Euro“) und in der Welt schad­los zu hal­ten. Ge­ra­de die in­ter­na­tio­na­le Ver­flech­tung, die Abhängig­keit der Mo­no­po­le von ih­ren En­ga­ge­ments im Aus­land schafft eben nicht nur schein­bar fried­li­che öko­no­mi­sche Ver­bin­dun­gen, führt zu Ka­pi­tal­an­la­gen, die von Ländern drin­gend an­ge­for­dert wer­den, fördert Han­del und Wan­del, son­dern be­rei­tet das Kon­flikt­po­ten­ti­al, das die In­ter­es­sen­ge­gensätze von Klas­sen und Ländern zu­spitzt bis zu ge­walt­sa­men Kon­flik­ten.
Und was heu­te un­ter dem Be­griff Glo­ba­li­sie­rung als schein­bar fried­li­che öko­no­mi­sche Durch­drin­gung und mit kos­mo­po­li­ti­schem An­strich von­stat­ten geht, wird be­glei­tet von un­ver­hoh­le­nem Na­tio­na­lis­mus wie er in der Pa­ro­le vom „Stand­ort Deutsch­land“ zum Aus­druck kommt. Und in die­sem Wi­der­spruch drückt sich nichts an­de­res aus als das Verhält­nis der Mo­no­pol­bour­geoi­sie zu Na­ti­on und Na­tio­nal­staat.
Der Aus­gangs­punkt ist die mo­no­po­lis­ti­sche Ex­pan­si­on, die den Kos­mo­po­li­tis­mus braucht, d.h. un­ge­hin­der­ten Zu­gang zu al­len Pro­fit­quel­len. Und sie braucht den Na­tio­na­lis­mus, das Un­ter­drückungs- und Droh­po­ten­ti­al des Na­tio­nal­staats, um dem kos­mo­po­li­ti­schen An­spruch des Mo­no­pols, sei­nem Drang nach Welt­be­herr­schung Gel­tung zu ver­schaf­fen.
Ge­ra­de die in­ter­na­tio­na­le Ver­flech­tung, die Abhängig­keit der Mo­no­po­le von ih­ren En­ga­ge­ments im Aus­land schafft eben nicht nur schein­bar fried­li­che öko­no­mi­sche Ver­bin­dun­gen, führt zu Ka­pi­tal­an­la­gen, die von Ländern drin­gend an­ge­for­dert wer­den, fördert Han­del und Wan­del, son­dern be­rei­tet das Kon­flikt­po­ten­ti­al, das die In­ter­es­sen­ge­gensätze von Klas­sen und Ländern zu­spitzt bis zu ge­walt­sa­men Kon­flik­ten. (vgl. KAZ 287: „Glo­ba­li­sie­rung – Wes­sen Welt ist die Welt?)

Die fol­gen­de Stu­die von Kurt Goss­wei­ler zeigt, wie gründ­lich er und ge­ne­rell die DDR-For­schung an die Fra­ge des Verhält­nis­ses der ver­schied­nen Im­pe­ria­lis­ten auf der Grund­la­ge der un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen in den Frak­tio­nen des je­wei­li­gen Fi­nanz­ka­pi­tals her­an­ge­gan­gen ist. Goss­wei­ler konn­te da­bei die his­to­risch bis­her ein­ma­li­ge Ge­le­gen­heit nut­zen, dass die Ak­ten und Do­ku­men­te ei­nes im­pe­ria­lis­ti­schen Lan­des und sei­ner größten Mo­no­po­le in die Hände des sieg­rei­chen So­zia­lis­mus fie­len und so die ge­hei­men Ma­chen­schaf­ten auf­ge­deckt wer­den konn­ten. Und er zeigt wie die deut­schen Mo­no­po­le ih­rer­seits die Wi­dersprüche im US-ame­ri­ka­ni­schen Fi­nanz­ka­pi­tal nut­zen, um stärker zu wer­den und schließlich den schein­bar übermäch­ti­gen selbst wie­der Pa­ro­li bie­ten zu können.

„Die Rolle des Bankhauses Stein und der internationalen Schroeder-Bank

Das Bank­haus J.H. Stein er­hielt sei­ne be­son­de­re Be­deu­tung da­durch, dass es eine wich­ti­ge, wenn nicht – nach der Deut­schen Bank – die wich­tigs­te Kon­takt­stel­le der Ruhr­schwer­in­dus­trie und der Che­mie­in­dus­trie (ge­nau­er: ei­nes be­stimm­ten Flügels der Che­mie­in­dus­trie) war, so­wie da­durch, dass es als deut­scher Part­ner der in­ter­na­tio­na­len Schro­eder-Bank eine wich­ti­ge Kon­takt­stel­le des deut­schen und des in­ter­na­tio­na­len (ge­nau­er: anglo-ame­ri­ka­ni­schen) Fi­nanz­ka­pi­tals war.
Hein­rich v. Stein, Teil­ha­ber des Bank­hau­ses Stein, stell­te die Ver­bin­dung zu den Ver­ei­nig­ten Stahl­wer­ken her, in de­ren Auf­sichts­rat er saß. Die Ver­bin­dung des Bank­hau­ses Stein zu den IG Far­ben und zur Deut­schen Bank über die Schnitz­lers wur­de be­reits erwähnt. Durch den Ein­tritt Kurt v. Schröders in die J.H. Stein-Bank er­hielt die­se un­mit­tel­ba­ren Kon­takt zur anglo-ame­ri­ka­ni­schen Schro­eder-Bank. Kurt v. Schröder war ein Ur­en­kel des Ham­bur­ger Kauf­manns Hein­rich Schröder, des Begründers der Ham­bur­ger Pri­vat­bank Schröder & Co., die später auch in Eng­land Nie­der­las­sun­gen eröff­ne­te. Die Lon­do­ner Fi­lia­le der Ham­bur­ger Schröder-Bank wur­de eine selbständi­ge eng­li­sche Pri­vat­bank un­ter der Fir­ma J.-Hen­ry-Schro­eder-Bank, die sich eng mit der eng­li­schen Fi­nan­zo­lig­ar­chie ver­band und zu ei­ner der ers­ten eng­li­schen Pri­vat­ban­ken auf­stieg. Ei­ner ih­rer lei­ten­den Männer, Frank Tiarks, war gleich­zei­tig bis zur Ver­staat­li­chung der Bank of Eng­land (1946) ei­ner ih­rer Di­rek­to­ren. Die Lon­do­ner Schro­eder-Bank überflügel­te an Be­deu­tung bald ihr Ham­bur­ger Stamm­haus, doch blie­ben sie durch Per­so­nal­uni­on bzw. ver­wandt­schaft­li­che und geschäft­li­che Be­zie­hun­gen ih­rer bei­der­sei­ti­gen Lei­tun­gen mit­ein­an­der ver­bun­den. Mit dem Ein­tritt Kurt v. Schröders in das Kölner Bank­haus Stein ver­la­ger­te sich das Schwer­ge­wicht in den deut­schen Be­zie­hun­gen der Lon­do­ner Schro­eder-Bank von Ham­burg nach Köln, ihre In­ter­es­sen ver­knüpften sich eng mit de­nen der al­ten Teil­ha­ber des Kölner Bank­hau­ses, Stein und Schnitz­ler, also mit Ver­tre­tern der Ruhr­schwer­in­dus­trie und der deut­schen Che­mie­in­dus­trie. Nach dem ers­ten Welt­krieg wur­de sie zu ei­nem der wich­tigs­ten An­lei­he­ver­mitt­ler für die deut­sche Großin­dus­trie, in schar­fer Kon­kur­renz vor al­lem mit der Mor­gan na­he­ste­hen­den Bank Dil­lon, Read & Co. Wohl auch um die­sen Kon­kur­renz­kampf bes­ser be­ste­hen zu können, eröff­ne­te die Lon­do­ner Schro­eder-Bank im Jah­re 1923 eine Fi­lia­le in New York, die J.H. Schro­eder-Ban­king Corp. Be­zeich­nen­der­wei­se verbünde­te sie sich dort mit dem schärfs­ten Ri­va­len Mor­gans, dem Ro­cke­fel­l­er­trust, ge­nau­er ge­sagt mit des­sen ‚po­li­ti­scher Ab­tei­lung’, der ‚Rechts­an­walts­fir­ma’ Sul­li­van & Crom­well, an de­ren Spit­ze die Brüder Dulles stan­den. Al­lan Dulles trat als Rechts­be­ra­ter und Di­rek­tor in die New Yor­ker Schro­eder-Bank ein, de­ren Präsi­dent Hel­muth Schro­eder aus Lon­don war. Mit Hil­fe der Lon­do­ner Schro­eder-Bank nutz­ten also be­stimm­te Krei­se des eng­li­schen Im­pe­ria­lis­mus die Ri­va­lität zwi­schen Ro­cke­fel­ler und Mor­gan zu ih­ren Guns­ten aus. Die deut­schen Im­pe­ria­lis­ten, be­son­ders die Deut­sche-Bank-Grup­pe, stan­den ih­nen in die­ser Hin­sicht je­doch nicht nach, im Ge­gen­teil: sie nutz­ten nicht nur den Ge­gen­satz zwi­schen Ro­cke­fel­ler und Mor­gan, son­dern auch die Ri­va­lität zwi­schen dem eng­li­schen und ame­ri­ka­ni­schen Im­pe­ria­lis­mus aus. Ei­nes ih­rer wich­tigs­ten In­stru­men­te war da­bei das Bank­haus Stein und die Lon­do­ner Schro­eder-Bank. Das hat­te sich be­reits am Bei­spiel der An­lei­he für das Kali-Syn­di­kat ge­zeigt. In der glei­chen Li­nie la­gen die An­lei­hen, die an­de­rer deut­sche Kon­zer­ne bei der Lon­do­ner Schro­eder-Bank auf­nah­men.
Als die Rhein-Elbe-Uni­on (Kir­dorf, Vögler) An­fang 1926 bei Dil­lon, Read eine An­lei­he von un­gefähr 16 Mil­lio­nen Dol­lar auf­nahm, ließ sie sich – of­fen­bar als Ge­gen­ge­wicht – gleich­zei­tig wei­te­re 9 Mil­lio­nen Dol­lar als An­lei­he über an­de­re Bankhäuser, dar­un­ter die Lon­do­ner Schro­eder-Bank (etwa 3 Mil­lio­nen Dol­lar) ver­mit­teln. Ähn­lich ver­fah­ren die Ver­ei­nig­ten Stahl­wer­ke im Juli 1927, als sie eine 20-Mil­lio­nen-Dol­lar-An­lei­he Dil­lon, Read auf­nah­men, aber gleich­zei­tig bei an­de­ren Ban­ken 10 Mil­lio­nen Dol­lar, da­von bei der Lon­do­ner Schro­eder-Bank 2,75 Mil­lio­nen.
Das glei­che Vor­ge­hen be­ob­ach­ten wir bei der An­lei­he­auf­nah­me durch Sie­mens und die Deut­sche Bank, die bei­de so­wohl bei Dil­lon, Read wie bei der Lon­do­ner Schro­eder-Bank Ver­bin­dung such­ten. Es ist auf­fal­lend, dass die Schro­eder-Bank als An­lei­he­ver­mitt­ler in den meis­ten Fällen ge­mein­sam mit der Neder­land­sche Han­del Mij er­scheint; das weist auf die Not­wen­dig­keit hin, für eine völlig ex­ak­te Ana­ly­se des ausländi­schen Ka­pi­tal­ein­flus­ses auch die vielfälti­gen ge­gen­sei­ti­gen Be­zie­hun­gen des in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­ka­pi­tals in ei­nem der Kno­ten­punk­te in­ter­na­tio­na­ler Ka­pi­tal­ver­flech­tun­gen, Hol­land, zu ent­wir­ren, was je­doch im Rah­men die­ser Ar­beit nicht un­ter­nom­men wer­den kann.
Die J.H. Stein-Bank war also eng mit den Ver­ei­nig­ten Stahl­wer­ken ver­bun­den. Außer­dem besaß die Lon­do­ner Schro­eder-Bank und ihre New Yor­ker Fi­lia­le die ge­sam­te Aus­lands­ver­tre­tung der Ver­ei­nig­ten Stahl­wer­ke, wie auch des Ka­li­syn­di­kats.
Die Deut­sche Bank war aber nicht nur über das Bank­haus Stein, son­dern auch über die Ham­bur­ger Schröder-Bank mit der Lon­do­ner Schro­eder-Bank ver­bun­den; durch die Fu­si­on mit der Dis­con­to-Ge­sell­schaft kam de­ren Auf­sichts­rats­mit­glied Ru­dolph Frei­herr v. Schröder, Teil­ha­ber des Ham­bur­ger Bank­hau­ses Schröder Gebrüder & Co., wie be­reits erwähnt, in den Auf­sichts­rat der Deut­schen Bank, wo­mit die­se nun un­mit­tel­ba­re Be­zie­hun­gen zu bei­den deut­schen Stütz­punk­ten der Lon­do­ner Schro­eder-Bank, Ham­burg und Köln, besaß. Das ist in­so­fern wich­tig, als be­son­ders von Kurt v. Schröder die stärks­ten Bemühun­gen aus­gin­gen, zwi­schen den di­ver­gie­ren­den In­ter­es­sen der ‚all­deut­schen’ Schwer­in­dus­tri­el­len und der IG-Far­ben zu ver­mit­teln und sie auf ei­ner Kom­pro­miss­li­nie aus­zu­glei­chen. Zunächst er­fuh­ren die­se In­ter­es­sen­ge­gensätze ge­nau wie jene zwi­schen den bei­den großen Ban­ken­grup­pen in den Jah­ren der Welt­wirt­schafts­kri­se eine schrof­fe Zu­spit­zung.“
(K. Goss­wei­ler, Großban­ken, In­dus­trie­mo­no­po­le, Staat, S. 352 ff.)

Karl Lieb­knecht lässt sich eben nicht so ein­fach ver­ein­nah­men für ein klas­sen­un­spe­zi­fi­sches deut­sches Bünd­nis zur Bekämp­fung des US-Im­pe­ria­lis­mus, den die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fen zum Haupt­feind erklären: „Was aber ist, wenn aus der Hand­voll von Großmäch­ten eine ein­zi­ge Großmacht ge­wor­den ist, die die Welt weit­ge­hend be­herrscht? Ist der ‚deut­sche‘ Im­pe­ria­lis­mus dann trotz­dem – im­mer noch – un­ser Haupt­feind?“ Lieb­knecht hat sich ja ge­ra­de da­durch aus­ge­zeich­net, dass er ge­gen die Op­por­tu­nis­ten in der SPD auf­ge­tre­ten ist, die sich stramm an die Sei­te der deut­schen Im­pe­ria­lis­ten stell­ten und auf die Fein­de draußen deu­te­ten, die das Va­ter­land be­dro­hen, auf Russ­land, Frank­reich, Eng­land.

Die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fen sind klug ge­nug nicht aus­zuführen, mit wem sie denn in Deutsch­land ein Bünd­nis ge­gen den US-Im­pe­ria­lis­mus an­stre­ben. Zählen dazu auch die deut­sche Bour­geoi­sie und Mo­no­pol­bour­geoi­sie?

Zielsichere Bruchlandung im Feld der Ultraimperialismus-Theorie

Die­sem Pro­blem ge­hen sie da­mit aus dem Weg, dass sie schlicht­weg be­haup­ten, dass es gar kein deut­sches Mo­no­pol­ka­pi­tal mehr gäbe. Die Deut­sche Bank z.B. sei nicht mehr deutsch, son­dern in der Hand von Hedge­fonds und an­de­rer In­ves­to­ren. Das Pi­kan­te dar­an ist dann aber stets, dass man zwar ganz ge­nau weiß, dass die Deut­sche Bank nicht „deutsch“ ist, aber was ist sie denn dann? „Ame­ri­ka­nisch“ oder hat sie sich gar ins „trans­na­tio­na­le“ Nie­mands­land ab­ge­setzt? Und die Ar­bei­ter­fo­to­gra­phen set­zen noch eins drauf: „Der ‚deut­sche’ Im­pe­ria­lis­mus ent­wi­ckelt sich zu­neh­mend zur Rand­er­schei­nung der Ge­schich­te. ‚Der Im­pe­ria­lis­mus ist die Epo­che der fort­schrei­ten­den Un­ter­drückung der Na­tio­nen der gan­zen Welt durch eine Hand­voll ‚Groß’mächte ...’, schreibt Le­nin 1915 in ‚So­zia­lis­mus und Krieg’. Was aber ist, wenn aus der Hand­voll von Großmäch­ten eine ein­zi­ge Großmacht ge­wor­den ist, die die Welt weit­ge­hend be­herrscht? Ist der ‚deut­sche’ Im­pe­ria­lis­mus dann trotz­dem – im­mer noch – un­ser Haupt­feind?“

Sich auf Le­nin be­ru­fen und ihn gleich­zei­tig ad ab­sur­dum zu führen, heißt in die­sem Fall: ziel­si­che­re Bruch­lan­dung auf dem Feld der Ul­traim­pe­ria­lis­mus-Theo­rie. Zu die­ser „Theo­rie“ schreibt Le­nin: „Auf die­se ‚Theo­rie des Ul­traim­pe­ria­lis­mus’ wer­den wir noch zurück­kom­men, um ein­ge­hend zu zei­gen, bis zu wel­chem Gra­de sie ent­schie­den und un­wi­der­ruf­lich mit dem Mar­xis­mus bricht. Hier müssen wir uns ent­spre­chend der gan­zen An­la­ge die­ser Stu­die zunächst die ge­nau­en öko­no­mi­schen Da­ten zu die­ser Fra­ge an­se­hen. Ist ein ‚Ul­traim­pe­ria­lis­mus’ vom ‚rein öko­no­mi­schen Stand­punkt’ möglich, oder ist das ein Ul­tra-Un­sinn? Ver­steht man un­ter dem rein öko­no­mi­schen Stand­punkt eine ‚rei­ne’ Abs­trak­ti­on, so läuft al­les, was sich dazu sa­gen läßt, auf die The­se hin­aus: Die Ent­wick­lung be­wegt sich in der Rich­tung zu Mo­no­po­len, also zu ei­nem ein­zi­gen Welt­mo­no­pol, ei­nem ein­zi­gen Welt­t­rust. Das ist un­zwei­fel­haft, aber eben­so nichts­sa­gend wie etwa der Hin­weis, dass ‚die Ent­wick­lung sich in der Rich­tung’ zur Her­stel­lung von Nah­rungs­mit­teln im La­bo­ra­to­ri­um ‚be­wegt’. In die­sem Sin­ne ist die ‚Theo­rie’ des Ul­traim­pe­ria­lis­mus eben­sol­cher Un­sinn, wie es eine ‚Theo­rie der Ul­tra­land­wirt­schaft'’ wäre. … Man stel­le die­ser Wirk­lich­keit mit der un­ge­heu­ren Man­nig­fal­tig­keit öko­no­mi­scher und po­li­ti­scher Be­din­gun­gen, mit der äußers­ten Un­gleichmäßig­keit im Tem­po des Wachs­tums der ver­schie­de­nen Länder usw., mit dem wahn­wit­zi­gen Kampf zwi­schen den im­pe­ria­lis­ti­schen Staa­ten – Kau­tskys dum­mes Märchen von ei­nem ‚fried­li­chen'’ Ul­traim­pe­ria­lis­mus ge­genüber. Ist das etwa nicht der re­ak­ti­onäre Ver­such ei­nes er­schro­cke­nen Kleinbürgers, sich über die grau­sa­me Wirk­lich­keit hin­weg­zu­set­zen? Bie­ten uns die in­ter­na­tio­na­len Kar­tel­le, die Kau­tsky Kei­me des ‚Ul­traim­pe­ria­lis­mus’ zu sein schei­nen (wie man auch die Er­zeu­gung von Ta­blet­ten im La­bo­ra­to­ri­um als ei­nen Keim der Ul­tra­land­wirt­schaft an­spre­chen ‚kann’), etwa nicht ein Bei­spiel der Auf­tei­lung und Neu­auf­tei­lung der Welt, des Über­gangs von fried­li­cher Auf­tei­lung zu nicht fried­li­cher und um­ge­kehrt? Nimmt das ame­ri­ka­ni­sche und sons­ti­ge Fi­nanz­ka­pi­tal, das bis­her un­ter Be­tei­li­gung Deutsch­lands, sa­gen wir im in­ter­na­tio­na­len Schie­nen­kar­tell oder in dem in­ter­na­tio­na­len Trust der Han­dels­schiff­fahrt, die gan­ze Welt fried­lich auf­ge­teilt hat, jetzt etwa nicht eine Neu­auf­tei­lung der Welt auf Grund neu­er Kräfte­verhält­nis­se vor, die sich auf ganz und gar nicht fried­li­chem Wege verändert ha­ben? …

Das Fi­nanz­ka­pi­tal und die Trusts schwächen die Un­ter­schie­de im Tem­po des Wachs­tums der ver­schie­de­nen Tei­le der Welt­wirt­schaft nicht ab, son­dern verstärken sie. So­bald sich aber die Kräfte­verhält­nis­se geändert ha­ben, wie können dann un­ter dem Ka­pi­ta­lis­mus die Ge­gensätze an­ders aus­ge­tra­gen wer­den als durch Ge­walt? … Gewiß kann das Mo­no­pol un­ter dem Ka­pi­ta­lis­mus die Kon­kur­renz auf dem Welt­markt nie­mals rest­los und auf sehr lan­ge Zeit aus­schal­ten (das ist übri­gens ei­ner der Gründe, war­um die Theo­rie des Ul­traim­pe­ria­lis­mus un­sin­nig ist).“ (W.I. Le­nin, Der Im­pe­ria­lis­mus …, LW 22, S. 276 ff.)

Die Be­haup­tung, dass es aus­ge­rech­net jetzt den ame­ri­ka­ni­schen Mo­no­po­len ge­lun­gen sei, welt­weit die Kon­kur­renz über­wun­den zu ha­ben und auf den Märk­ten eine un­an­ge­foch­te­ne Vor­macht­stel­lung er­reicht zu ha­ben, grenzt ans Ab­sur­de. Die zu­neh­mend ge­walttätige In­ter­ven­ti­on des US-Im­pe­ria­lis­mus auch in Eu­ro­pa folgt doch ge­ra­de aus dem Ver­lust der un­an­ge­foch­te­nen He­ge­mo­nie. Aus dem Ver­lust der wirt­schaft­li­chen Über­le­gen­heit nach 1945 folg­te der Zu­sam­men­bruch des Währungs­sys­tems von Bret­ton-Woods, das die Dol­lar-He­ge­mo­nie ga­ran­tier­te. Da­mit war in den 70er Jah­ren auch der Nie­der­gang der po­li­ti­schen He­ge­mo­nie des US-Im­pe­ria­lis­mus ein­ge­lei­tet.

Mar­xis­ten wis­sen, dass das Pri­vat­ei­gen­tum not­wen­dig Kon­kur­renz be­inhal­tet und dass im Im­pe­ria­lis­mus bei der Her­aus­bil­dung von Mo­no­po­len die Kon­kur­renz be­ste­hen bleibt. Le­nin be­tont, dass die Mo­no­po­le „da­durch eine Rei­he be­son­ders kras­ser und schrof­fer Wi­dersprüche, Rei­bun­gen und Kon­flik­te“ er­zeu­gen. (a.a.O., S. 270)

Die Mo­no­po­le sind aber der Kern je­des Im­pe­ria­lis­mus. Ihre re­la­ti­ve Stärke ist aus­schlag­ge­bend für das je­wei­li­ge Kräfte­verhält­nis zwi­schen den im­pe­ria­lis­ti­schen Ländern. Und was bei Ände­rung von Kräfte­verhält­nis­sen im Ka­pi­ta­lis­mus ge­schieht, hat Le­nin uns ge­ra­de ein­gebläut.

Wie deutsch ist die Deutsche Bank?

Kann man nicht ein­fach fest­hal­ten, dass die Deut­sche Bank (s. hier­zu auch un­se­ren Ar­ti­kel in jun­ge Welt vom 3.12.2015/​KAZ 353) eine Ak­ti­en­ge­sell­schaft ist, die ih­ren Sitz in Frank­furt am Main hat und nach deut­schem Ak­ti­en­recht kon­sti­tu­iert ist und dem­entspre­chend geführt wird! Die Ge­win­ne und auch die der­zei­ti­gen Ver­lus­te wer­den in Euro aus­ge­wie­sen und nicht in US-Dol­lar. Al­lein die Exis­tenz ei­ner an­de­ren Währung als die des US-Dol­lar soll­te doch zu den­ken ge­ben, dass es im­pe­ria­lis­ti­sche Länder gibt, die sich mit ei­ner Währung wie dem Euro eine Waf­fe leis­ten, die sich auch ge­gen die USA rich­ten kann.

So wie ausländi­sche In­ves­to­ren bei der Deut­schen Bank ihr Geld an­le­gen, ist die Deut­sche Bank in den USA ak­tiv, hat sich dort eine der größten In­vest­ment­ban­ken, Ban­kers Trust, un­ter den Na­gel ge­ris­sen und in al­len Geschäften mit­ge­mischt, die 2008 zur Plei­te der Leh­mann-Bro­thers Bank geführt ha­ben. Sie wird des­we­gen in USA und Großbri­tan­ni­en und so­gar in Deutsch­land von ih­ren Kon­kur­ren­ten vor die Ge­rich­te ge­bracht. Ist da­mit die Sa­che der Deut­schen Bank zu ei­ner Sa­che der deut­schen Ar­bei­ter­klas­se ge­wor­den, zu ei­ner Auf­ga­be in ei­nem „Be­frei­ungs­kampf“ des deut­schen Volks? Wol­len uns die Ar­bei­ter­fo­to­gra­phen auf die­se Bahn führen?

Muss man dar­aus nicht statt­des­sen den Schluss zie­hen, dass alle Großban­ken die­ser Welt für Mo­no­pol­pro­fit fech­ten, dass aber jede Ein­zel­ne die­ser Großban­ken in ih­rem spe­zi­fi­schen na­tio­na­len Ge­wand da­her­kommt, dass sie in ein his­to­ri­sches ge­wach­se­nes Ge­flecht ein­ge­bun­den ist, das sie über tau­send Fäden mit der in die­sem Land groß ge­wor­de­nen Bour­geoi­sie und dem Mo­no­pol­ka­pi­tal ver­bin­det, mit den Fi­nan­zo­lig­ar­chen, dem na­tio­na­len Staat samt Ge­set­zen, Ver­ord­nun­gen, Recht­spre­chung, mit dem Zu­gang zu des­sen Kas­se sprich Staats­haus­halt und nicht zu­letzt mit des­sen Ge­waltap­pa­rat? Pro­fit, be­son­ders der Mo­no­pol­pro­fit in der Epo­che des Im­pe­ria­lis­mus ist in­ter­na­tio­nal, sein Ein­kas­sie­ren, Ver­ste­cken, sei­ne Durch­set­zung aber ohne die Ge­walt der im­pe­ria­lis­ti­schen Na­tio­nal­staa­ten nicht möglich.

Da­mit ist die Deut­sche Bank selbst­verständ­lich eine deut­sche Bank und gleich­zei­tig eine nicht-deut­sche. Und wenn man nicht bei­des sieht, son­dern nur das eine oder das an­de­re, dann kommt man in den Wald, in dem sich nicht nur die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fen ver­lau­fen ha­ben.

Leugnung und Beschönigung des deutschen Imperialismus

Es ist bedrückend, wie die Ge­nos­sen von der Ar­bei­ter­fo­to­gra­phie dem deut­schen Im­pe­ria­lis­mus und sei­nen He­rol­den auch noch die Arme-Sünder-Pose ab­neh­men, den Ges­tus des ewig Be­nach­tei­lig­ten, der von al­len nur aus­ge­nutzt wird, ohne sein „ed­les Stre­ben“ zu würdi­gen. Und wie sie ihn als „Rand­er­schei­nung“ ver­harm­lo­sen! Ge­ra­de jetzt, wo Deutsch­land im Bünd­nis (aber natürlich auch stets in Ri­va­lität) mit Frank­reich im­mer un­verhüll­ter die He­ge­mo­nie in EU-Eu­ro­pa ausübt.

Das geht bei den Ar­bei­ter­fo­to­gra­fen ein­her mit der Einschätzung des US-Im­pe­ria­lis­mus als die „uni­po­la­re“, übermäch­ti­ge Großmacht, das Im­pe­ri­um, das al­ler Völker Feind ist. Das glau­ben aber seit länge­rem noch nicht ein­mal mehr die ag­gres­sivs­ten Ver­tre­ter des US-Im­pe­ria­lis­mus selbst. Ihre Über­le­gun­gen sind geprägt von der Ge­fahr, mit dem Ver­lust der öko­no­mi­schen auch die mi­litäri­sche Vor­herr­schaft zu ver­lie­ren. Die USA sind hoch­ver­schul­det vor al­lem an Chi­na, Ja­pan und die BRD. Sie ha­ben ein rie­si­ges Haus­halts­de­fi­zit, das bei­na­he schon zur Zah­lungs­unfähig­keit geführt hat. Sie ha­ben ein Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zit, das zum Aus­druck bringt, wie sehr das Land auf die Zu­fuhr von Wa­ren, Dienst­leis­tun­gen und Ka­pi­tal an­ge­wie­sen ist. Noch sind sie stark in der Be­herr­schung der Kom­mu­ni­ka­ti­ons-, Lo­gis­tik-/​Trans­port­we­ge- und der Fi­nanzmärkte – und natürlich mi­litärisch. Im langjähri­gen Trend aber ist der US-Im­pe­ria­lis­mus im Ab­stieg ge­genüber sei­nen im­pe­ria­lis­ti­schen Kon­kur­ren­ten, be­son­ders Deutsch­land und Ja­pan. Und es ist ge­ra­de die­se Kon­kur­renz, die den US-Im­pe­ria­lis­mus ag­gres­siv macht und ihn um sei­nen un­um­schränk­ten Zu­griff auf Ab­satzmärkte, Roh­stoff­quel­len und Ein­fluss­sphären und Ma­xi­mal­pro­fi­te für das US-Mo­no­pol­ka­pi­tal fürch­ten lässt.

Das ist der Hin­ter­grund, vor dem der Kampf um die Neu­auf­tei­lung der Welt statt­fin­det. In die­sem Kampf ver­sucht der US-Im­pe­ria­lis­mus sei­ne Vor­macht zu ver­tei­di­gen, während der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus stärke­re Be­tei­li­gung an der Aus­plünde­rung der Welt ver­langt, an den Ab­satzmärk­ten, Roh­stoff­quel­len und Ein­fluss­sphären. Das macht er über­wie­gend ver­deckt über die EU, im Bünd­nis mit Frank­reich, wenn es ge­gen den US-Im­pe­ria­lis­mus geht und selbst­verständ­lich wei­ter­hin mit den USA, wenn es zu Las­ten Drit­ter ge­hen soll. Der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus hat nach 1945 als Ju­ni­or­part­ner der USA über­lebt, ist im Wind­schat­ten des USA-Im­pe­ria­lis­mus wie­der er­starkt, nicht um im Schat­ten zu blei­ben, son­dern um selbständig (möglichst in Al­li­anz mit dem französi­schen Im­pe­ria­lis­mus) in die Neu­auf­tei­lung der Welt ein­grei­fen zu können. Und es ist die­ser Zwang zur Neu­auf­tei­lung im Im­pe­ria­lis­mus, den Mar­xis­ten-Le­ni­nis­ten bis­her noch stets als den tie­fen Grund für die Krie­ge an­ge­se­hen ha­ben.

Ver­ges­sen wir nicht: Vor dem 1. Welt­krieg war Eng­land die schein­bar übermäch­ti­ge Großmacht und die USA und der deut­sche Im­pe­ria­lis­mus dräng­ten an die Fleischtöpfe; vor dem 2. Welt­krieg wa­ren die USA be­reits die weit­aus stärks­te Macht im im­pe­ria­lis­ti­schen La­ger, die Lage des deut­schen Im­pe­ria­lis­mus schien noch 1933 aus­sichts­los: ver­schul­det, mit ei­ner lächer­li­chen Ar­mee und kri­sen­geschüttelt. Von den an­de­ren Im­pe­ria­lis­ten als Speer­spit­ze ge­gen die So­wjet­uni­on aus­er­ko­ren, wand­ten sich die Deutsch­herrn schließlich 1939/​1941 ge­gen die ei­ge­nen „Spon­so­ren“.

Die Ag­gres­si­vität liegt eben nicht nur bei dem Im­pe­ria­lis­mus, der ge­ra­de noch der stärks­te ist, der die größte Mi­litärmacht hat und die übels­ten Schand­ta­ten be­geht, son­dern eben­so bei dem Im­pe­ria­lis­mus, der am meis­ten an der Neu­auf­tei­lung und Neu„ord­nung“ der Welt in­ter­es­siert ist und auf sie mit al­len Mit­teln drängen muss.

Kampf zweier Linien im Monopolkapital

In die­sem Rin­gen ha­ben sich in Deutsch­land zwei Ab­tei­lun­gen im Mo­no­pol­ka­pi­tal her­aus­ge­bil­det, früher die „all­deut­sche“ Frak­ti­on ge­gen die „ame­ri­ka­ni­sche“ Frak­ti­on, heu­te spre­chen wir von den „Eu­ropäern“ ver­sus die „Trans­at­lan­ti­ker“. Die Grund­la­gen für die­se Er­kennt­nis ha­ben so aus­ge­zeich­ne­te Wis­sen­schaft­ler wie Kurt Goss­wei­ler, Diet­rich Eich­holtz und Jürgen Kuc­zyn­ski er­ar­bei­tet.

Und jetzt kommt so man­cher deut­sche Lin­ke ins Schleu­dern. Soll er sich mit den „Eu­ropäern“ verbünden, also dem Teil der deut­schen Fi­nan­zo­lig­ar­chie, der ei­nen ei­genständi­gen, al­ler­dings stets im­pe­ria­lis­ti­schen, Weg ge­gen den US-Im­pe­ria­lis­mus be­schrei­tet? Verbünden mit den „Eu­ropäern“ ge­gen die „Trans­at­lan­ti­ker“? Mit den „Eu­ropäern“, dem Teil der deut­schen Fi­nan­zo­lig­ar­chie, der glaubt, mit der EU den französi­schen Im­pe­ria­lis­mus an sei­ne Sei­te zwin­gen zu können ge­gen die USA ge­gen die „Trans­at­lan­ti­ker“ der deut­schen Mo­no­pol­bour­geoi­sie, die ih­ren Wei­zen wei­ter­hin am bes­ten im Wind­schat­ten des US-Im­pe­ria­lis­mus blühen se­hen? Ge­gen die „Trans­at­lan­ti­ker“, die als Aas­gei­er über den Schlacht­fel­dern krei­sen, die vom US-Mi­litär samt deut­scher Un­terstützung mit Lei­chen und zertrümmer­ten Ländern und Staa­ten ge­pflas­tert wer­den? Sind die­se „Eu­ropäer“ viel­leicht gar der „vernünf­ti­ge“ Teil der deut­schen Fi­nan­zo­lig­ar­chie, wie er schon ein­mal so ka­ta­stro­phal bei den west­deut­schen „Ent­span­nungs­po­li­ti­kern“ in der da­ma­li­gen „Neu­en Ost­po­li­tik“ ver­or­tet wur­de mit dem Er­geb­nis der fast wi­der­stands­lo­sen Zer­schla­gung des So­zia­lis­mus in Eu­ro­pa? Wir soll­ten doch we­nigs­tens aus die­ser Er­fah­rung her­aus ge­warnt sein, uns nicht vor den Kar­ren ir­gend ei­nes Teils der deut­schen Fi­nan­zo­lig­ar­chie span­nen zu las­sen, son­dern für eine ei­genständi­ge Po­si­ti­on der Ar­bei­ter­klas­se ein­tre­ten und die kann nur heißen: Ge­gen den Im­pe­ria­lis­mus ins­ge­samt, und als deut­sche Ar­bei­ter­klas­se ins­be­son­de­re ge­gen den deut­schen Im­pe­ria­lis­mus, der uns im ei­ge­nen Land ent­ge­gen­tritt als deut­sche Mo­no­pol­bour­geoi­sie, deut­sche Fi­nan­zo­lig­ar­chie. Der mit le­dig­lich un­ter­schied­li­chen Stra­te­gi­en im Kampf um den im­pe­ria­lis­ti­schen Platz an der Son­ne das Volk an der Nase her­umführt und für sei­ne men­schen­ver­ach­ten­de Po­li­tik ein­zu­span­nen ver­sucht.

Wer also meint, den Pro­zess der Un­gleich­ent­wick­lung der im­pe­ria­lis­ti­schen Großmächte igno­rie­ren zu können und wei­ter­hin glaubt, nur ge­gen USA und Nato den Frie­den erkämp­fen zu können, muss sich fra­gen las­sen, ob er da­mit ei­nem Teil der Herr­schaf­ten hier­zu­lan­de in die Fal­le ge­hen bzw. ih­nen zur Sei­te ste­hen will.

Wer al­ler­dings eben­so un­dia­lek­tisch meint, nur den deut­schen Im­pe­ria­lis­mus an­grei­fen zu müssen, muss sich die Fra­ge ge­fal­len las­sen, ob er die Nato und den US-Im­pe­ria­lis­mus beschöni­gen will und da­mit das Geschäft der deutsch-trans­at­lan­ti­schen Aas­gei­er und ih­rer Un­ter­wer­fungs­gebärden gen Wa­shing­ton be­sorgt.

US-Imperialismus verantwortlich für deutschen Faschismus und 2. Weltkrieg?

Aber las­sen wir noch ein­mal un­se­re Theo­re­ti­ker vom deut­schen Va­sal­len­staat zu Wort kom­men, um deut­lich zu ma­chen, wo­hin die Ver­liebt­heit in die ei­ge­nen Feh­ler führen kann:

„Wer hat Deutsch­land in den Zwei­ten Welt­krieg geführt? War es in ers­ter Li­nie das ,deut­sche’ Ka­pi­tal? Es war ein ge­wis­ser Kurt Frei­herr von Schröder, ein Ban­kier, der in sei­ner Kölner Vil­la am 4. Ja­nu­ar 1933 der Machtüber­nah­me Hit­lers den Weg be­rei­te­te. Doch wer war die­ser Kurt Frei­herr von Schröder? Er war der Ver­bin­dungs­mann zu bri­ti­schem und US-ame­ri­ka­ni­schem Ka­pi­tal.“

Dass Kurt von Schröder ein Ver­bin­dungs­mann zu bri­ti­schem und US-ame­ri­ka­ni­schem Fi­nanz­ka­pi­tal war, ist un­be­strit­ten. (s. hier­zu im Kas­ten: „Die Rol­le … der in­ter­na­tio­na­len Schröder Bank“). Un­be­strit­ten ist auch, dass Tei­le des Fi­nanz­ka­pi­tals der USA, Frank­reichs und Eng­lands den deut­schen Fa­schis­mus als Speer­spit­ze ge­gen die So­wjet­uni­on aus­bau­en woll­ten und dem­entspre­chend un­terstützt ha­ben.

Nur ver­schwie­gen wird: v. Schröder war Ver­bin­dungs­mann von wem? War­um wird ver­schwie­gen, dass es eben das deut­sche Fi­nanz­ka­pi­tal war, das v. Schröder ge­nutzt hat, um sich bei Tei­len des US-Fi­nanz­ka­pi­tals rück­zu­ver­si­chern bei der Machtüber­tra­gung an die Na­zis. Und war­um wird ver­schwie­gen, dass die­se Un­terstützung das deut­sche Fi­nanz­ka­pi­tal so gestärkt hat, dass es sich schließlich ge­gen sei­ne Un­terstützer wen­den konn­te – nicht etwa zur na­tio­na­len Un­abhängig­keit und Be­frei­ung Deutsch­lands von Ver­sailles, vom Würge­griff der Großmächte. Das woll­ten die Na­zis dem deut­schen Volk weis­ma­chen. Das deut­sche Fi­nanz­ka­pi­tal führte doch den Kampf um die Welt­herr­schaft, um auf ei­ge­ne Rech­nung und ohne sie tei­len zu müssen Beu­te zu ma­chen. Gren­zen­lo­se Be­rei­che­rung der deut­schen Fi­nan­zo­lig­ar­chie war das Ziel und das war nicht zu er­rei­chen ohne Fa­schis­mus, ohne Un­ter­drückung der ei­ge­nen Ar­bei­ter­klas­se, um den Weg frei zu ma­chen, die Gren­zen in Eu­ro­pa nie­der zu reißen.

Das schien den deut­schen Im­pe­ria­lis­ten bis 1999 ohne Krieg zu ge­lin­gen. Seit dem Ju­go­sla­wi­en-Krieg, als die Ar­bei­ter­fo­to­gra­fen in ih­ren Re­por­ta­gen noch den deut­schen Im­pe­ria­lis­mus brand­mark­ten (Kra­gu­je­vac z.B.!), ge­lingt es im­mer we­ni­ger.

Wenn wir uns an un­se­re ei­ge­nen Kriegs­ver­bre­cher hal­ten, wenn wir als Haupt­feind den deut­schen Im­pe­ria­lis­mus er­ken­nen, sind wir ge­wapp­net ge­gen die fal­schen Feind­bil­der, die sie uns vor­hal­ten: die Ausländer, die Ju­den, den Is­lam oder eben den US-Im­pe­ria­lis­mus als Haupt­feind. Dann wis­sen wir, wo wir an­fan­gen müssen: bei den Sie­mens, Por­sches, Piëchs, Quandts usw. Wo wir an­fan­gen müssen, aber nicht aufhören dürfen, so lan­ge es in der Welt noch Im­pe­ria­lis­ten gibt!

Quelle: Kommunistische Arbeiterzeitung / RedGlobe

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