Montag, 23. Oktober 2017
Solidaritätsanzeige

atomkraft nein dankeSeit gestern Abend wird vor Gronau von Anti-Atom-AktivistInnen ein mit Uranhexafluorid beladener Güterzug blockiert. Am Donnerstag gegen 17.45 Uhr ketteten die AktivistInnen auf der Zugstrecke zwischen Münster und Gronau zwei Betonblöcke im Gleisbett fest. Zwei Menschen ketteten sich vor und zwei hinter dem Zug an, so dass der Transport auch über keinen anderen Weg in die Urananreicherungsanlage der Firma Urenco im westfälischen Gronau einfahren kann.

Über Stunden gelang es der Polizei nicht, die Aktion zu beenden. Wir die Umweltschützer in der Nacht meldeten, versuchten die Beamten zwischenzeitlich, die AktivistInnen mit Gewalt zum Aufgeben zu zwingen. Trotz strömenden Regens und Kälte nahmen die Polizisten den Blockieren Schlafsäcke und die Regenplane weg. Rechtsvertreter oder Vertrauenspersonen der Blockierer wurden von der Polizei nicht an die Festgeketteten herangelassen. Trotzdem konnte die Blockade einer Mitteilung der AktivistInnen zufolge auch am Freitagmorgen um 8.30 Uhr noch aufrechterhalten werden.

Die AntiatomaktivistInnen protestieren mit der Aktion gegen die Atomindustrie. »Die Urananreicherungsanlage besitzt eine unbefristete Betriebsgenehmigung und ist vom sogenannten Atomausstieg ausgeschlossen. Wir wollen hier die menschen- und umweltverachtende Uranverarbeitung unterbrechen«, begründete eine der angeketteten Personen ihre Beteiligung. Die Atomanlage versorgt ein Zehntel des Weltmarktes mit angereichertem Uran. Damit stelle sie einen wichtigen Zuliefervertrieb für Atomkraftwerke weltweit dar.

Bei Uranhexafluorid handelt es sich um einen radioaktiven Stoff, der zusätzlich zur Strahlung weitere Gefahren birgt. Bei der Freisetzung von UF6 reagiert dieses mit dem Wasser aus der Luft zu Stoffen (u.a. Flusssäure), die schon in geringen Konzentrationen zu Nierenschäden, starken Verätzungen und Tod im Umkreis von bis zu 2km führen können.

Das Geschäft rund um die Atomindustrie ist ein globales Unterfangen. Das Uranhexafluorid (UF6) hat einen nicht unbeachtlichen Transportweg hinter sich. Nach Abbau des radioaktiven Urans in Kanada, den USA und Kasachstan wurde es in diesem Fall nach Port Hope (Kanada) gebracht, um in der dortigen Konversionsanlage in UF6 umgewandelt zu werden. Danach wird es nach Gronau transportiert, dort angereichert, um dann in einer anderen Anlage zu Brennelementen weiterverarbeitet zu werden. Erst danach werden die Brennelemente in die AKW geliefert.

In ihrer Pressemitteilung schreiben die AktivistInnen: »Die Atomindustrie ist grob verantwortungslos. Abgesehen von dem hier beschriebenen Weg gibt es zahlreiche weitere Abbauländer für Uran. Viele davon befinden sich bewusst in Ländern in denen kein Geld für Arbeits- und Umweltschutz ausgegeben wird, geschweige denn internationales Interesse an der Wahrung solcher Rechte bestünde. Dass viele der Produktionsschritte nicht in Deutschland stattfinden, ist also kein Zufall. Die hiesige Atomindustrie profitiert von der Ausbeutung in den sogenannten Randländern des Weltwirtschaftsmarktes.«

Bei der Anreicherung falle zudem eine Menge abgereichertes Uran an. Auch dieses ist noch schwach radioaktiv und als Schwermetall giftig. Zur Zeit bleibe ein Teil in Gronau und lagere dort unter freiem Himmel, ein anderer Teil werde per Bahn nach Frankreich transportiert, um dort in Uranoxid umgewandelt zu werden. Danach solle es zurück nach Gronau, um dort langfristig gelagert zu werden. Die Urananreicherungsanlage wird so selbst auch zu einem Atommülllager. »Das ist gefährlich und nicht zu verantworten. Deswegen gehen wir entschlossen gegen diese Anlage vor«, so eine der Aktivistinnen.

»Die Produktion von Atomstrom muss jetzt eingestellt werden. Der Prozess ist nicht ohne massive Zerstörung von Lebensräumen, erhebliche Unfallgefahren und unfassbare Mengen hochgefährlichen und unendlich lang strahlenden Abfalls möglich; wie auch bei jedem anderen profitorientierten, industriellen Prozess wird Zerstörung als Kollateralschaden nicht nur hingenommen, sondern als unabdingbar dargestellt und durchgesetzt. Wir werden uns solange gegen Atomenergie zur Wehr setzten, bis die letzte Atomanlage stillgelegt ist«, so eine weitere.

Aktuelle Informationen: urantransport.de

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