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Luxemburg

Während Luxemburg Ende Juli unter ein paar hochsommerlichen Tagen brütet, ist die Erinnerung an das, was sich im vergangenen Frühjahr, genauer von Mitte März bis Mitte Mai an seiner östlichen Grenze abgespielt hat, immer noch empfindlich präsent.

Mit Recht. Hatte Berlin doch in einer Nacht- und Nebelaktion die meisten kleinen Grenzübergänge zu Luxemburg verbarrikadiert und die verbliebenen Hauptstrecken mit bewaffneten Einheiten des Bundesgrenzschutzes bestückt, die sich teils einen Spaß daraus machten, Reisende mit ihren tagesformabhängigen Definitionen von »triftigen Gründen« zu schikanieren und sich nach getaner Arbeit, immer noch bewaffnet, mehrfach in Luxemburg beim billigen Tanken und Einkaufen erwischen zu lassen.

Der Volkszorn im Ländchen kochte schier über, doch auch auf der anderen Seite, in den deutschen Gebieten der »Großregion«, hagelte es Kritik am Vorgehen des deutschen Innenministers Horst Seehofer ob dieser drastischen Maßnahmen. Gemeinsame Protestaktionen und Appelle an die Bundesregierung gaben sich in der Folge die Klinke in die Hand, bis der Innenminister irgendwann seiner Spielerei überdrüssig wurde und die Außenminister Maas und Asselborn am 16. Mai feierlich auf der Brücke von Schengen ein Ende dieser chaotischen Zeit besiegelten.

Nun steht Luxemburg in der zweiten Welle der Corona-Infektionen mit täglichen Infektionszahlen, die in Deutschland zum Anlaß genommen wurden, das Land erneut ins Fadenkreuz zu nehmen. Diesmal auf eine Liste von »Risikogebieten«, wo Luxemburg nicht nur das einzige EU-Land ist, sondern darüber hinaus auch noch ein direkter Nachbar. Und wieder mehrt sich die Angst vor deutschen Aktivitäten an der Grenze, wie einst im März. Bereits seit dem 14. Juli muß, wer ins Nachbarland zu Freunden und Familie oder aber zum Einkaufen oder ein paar Tagen Urlaub fährt, ein negatives CoVid-19-Testresultat vorlegen, welches bei Einreise nicht älter als 48 Stunden alt ist (Zeitpunkt der Entnahme). Soweit, so umständlich, aber immer noch machbar.

Wären da nicht die Partytouristen, von Asselborn liebevoll »Ballermänner« genannt, die, Corona hin oder her, auf den Balearen feierten und die Angst mehrten, daß Urlauber von dort und anderswo ein unsichtbares Souvenir zurück in die Heimat bringen könnten. Corona-Tests bei Rückkehrern an Flughäfen wurden beschlossen und da eines der »Risikogebiete« auf der Liste des RKI eine direkte Landgrenze zu Deutschland hat, werden auch neue Grenzkontrollen zwar gegenüber Luxemburg immer noch dementiert, jedoch heiß diskutiert. Dies käme neuen Schikanen an der Grenze gleich, denn ob ein Beamter Pässe kontrolliert oder Testergebnisse, ist dem Reise- und Pendlerverkehrsaufkommen einerlei.

Asselborn hat, nachdem Deutschland bereits im März dementierte und gleichzeitig Fakten schuf, dem deutschen Botschafter aufgetragen, er möge in Berlin deutlich machen, daß es eben nicht um einen der deutschen Schlachthof-Landkreise gehe, sondern um einen souveränen Staat. Warum man in Berlin ausgerechnet dieses Mal auf das hören sollte, was aus Luxemburg kommt und welches mögliche Hebel sind, um dem Standpunkt Naschdruck zu verleihen, ist unklar.

Klar ist allerdings eines: Der Umgang, den Deutschland mit Luxemburg seit Beginn der Krise pflegt, hat Spuren hinterlassen. Hotels und Freizeitparks wollen keine Luxemburger beherbergen, während deutsche Touristen in Bettemburg auf Handzetteln als »Nazis«beschimpft wurden. In den sozialen Medien werden Wörter wie »Preisen« oder »Boches« wieder bedient. Beim allem Verständnis für den Unmut: Diese Auswüchse sind allerdings ebenfalls zu verurteilen, zumal in Deutschland nicht wenige Bürger die Corona-Maßnahmen Luxemburgs würdigen. Lassen wir uns nicht gegeneinander aufhetzen!

Christoph Kühnemund

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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