Einen Tag, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass beim Satellitenbetreiber SES ein zweijähriger »Plan de maintien dans l’emploi« unterzeichnet wurde, kündigte das Unternehmen für das erste Halbjahr 2020 einen Nettoprofit von 86,4 Millionen Euro an. Der Umsatz stieg auf 947,5 Millionen Euro, und das Management geht davon aus, dass es am Ende des Jahres das Doppelte sein wird.

Der »Plan de maintien dans l’emploi« , der von den Gewerkschaften ausgehandelt werden konnte, ließ viele SES-Mitarbeiter aufatmen, nachdem das Unternehmen zuvor damit gedroht hatte, zwischen zehn und 15 Prozent der Beschäftigten über einen »Sozialplan« entlassen zu wollen. Doch restrukturieren und Arbeitsplätze abbauen wird SES trotzdem.

Allerdings hat der Restrukturierungsplan nichts mit der Coronakrise zu tun, dafür umso mehr mit der kapitalistischen Krise. Er wurde beschlossen, nachdem der Umsatz über drei Jahren zurückging, und die Bäume im Satellitengeschäft nicht mehr in den Himmel wuchsen. Wenn die Dividende halbiert wird, und der Aktienkurs einbricht, lassen Kapitalisten nicht mehr mit sich spaßen, auch wenn sie Luxemburger Staat heißen, dem ein Drittel der SES-Aktien gehört.

In diesem Zusammenhang sollte man daran erinnern, dass der konjunkturelle Abschwung mit der zyklischen Wirtschaftskrise als Perspektive lange vor der Gesundheitskrise einsetzte, und dass damals bei Konzernen Investitions- und Umstrukturierungspläne beschlossen wurden, die heute umgesetzt und nicht selten als Folge der Coronakrise dargestellt werden.

Diese Irreführung der Öffentlichkeit wird auch im Fall der Niederlassungen des USA-Konzerns Guardian Industries in Düdelingen und Niederkerschen betrieben. Tatsächlich ist es aber so, dass die USA-Kapitalisten lange vor der Gesundheitskrise entschieden hatten, nicht weiter in Luxemburg, sondern an anderen Standorten, vornehmlich im Osten Europas zu investieren, da die Arbeitskraft dort billiger und die Profiterwartung höher ist.

Die Beschäftigten von Luxguard I und Luxguard II und der OGBL handeln natürlich richtig, wenn sie sich mutig dagegen wehren und Investitions- und Arbeitsplatzgarantien fordern. Die Solidarität mit ihnen ist wichtig, damit sie sehen, dass sie in ihrem gerechten Kampf für Arbeit und Einkommen nicht allein dastehen.
Am Beispiel Guardian Industries drängt sich allerdings erneut eine Frage auf, auf welche die Lohnabhängigen eine Antwort finden müssen, auch wenn gegenwärtig das Kräfteverhältnis nicht zu ihren Gunsten spielt :

Was ist das für eine Welt, in der eine kleine Minorität von Aktionären und Managern über das Schicksal der großen Mehrheit der Schaffenden bestimmt und darüber entscheidet, ob und wo Investitionen realisiert werden, ein Werk geschlossen und Arbeitsplätze vernichtet werden, und wie kann das geändert werden ?

So viel ist sicher : Das wird nur möglich sein, wenn die Lohnabhängigen selbst über ihr Schicksal bestimmen, und die Betriebe denen gehören, die darin arbeiten. Sie sind nicht auf einen hohen Shareholder-value, beziehungsweise Maximalprofite angewiesen, sondern auf Gewinne, die es erlauben, die notwendigen Investitionen in die Modernisierung der Produktionsmittel, die Produktentwicklung und die Sicherung der Arbeitsplätze vorzunehmen.

Unter den gegebenen Umständen ist das eine politische Utopie, für deren Verwirklichung die KPL sich einsetzt und die Realität werden kann, wenn die Lohnabhängigen sich bewusst werden, dass dies in ihrem eigenen Interesse und dem ihrer Kinder ist.

Ali Ruckert

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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