22 | 09 | 2019

Löhne, Prämien, Arbeitszeiten, Ruhe- und Urlaubstage, die in Kollektivverträgen ausgehandelt werden, sind für Betrieb und Beschäftigte verbindlich. So müsste es eigentlich sein. Allerdings zeigt der Alltag, dass Theorie und Praxis zwei Paar Schuhe sind. Denn immer häufiger kritisieren Personalvertreter, dass von Unternehmerseite zunehmend gegen Arbeitsrecht und Kollektivvertrag verstoßen wird.

Es gibt Beispiele zuhauf, die zeigen, dass sich Betriebsverantwortliche zunehmend nicht an Abmachungen erinnern wollen, auf die sich Patronat und Gewerkschaften in Kollektivvertragsverhandlungen geeinigt hatten. Mit der Folge, dass das nationale Schlichtungsamt zunehmend mit strittigen Dossiers befasst werden muss.

Am häufigsten ist dies bei Lohnfragen der Fall, da das Patronat praktisch jede Forderung der Gewerkschaften, die das Ziel verfolgt, die Schaffenden in einem größeren Maße an den Gewinnen teilhaben zu lassen, auszubremsen versucht. Mit der fadenscheinigen Begründung, jede Mehrausgabe, und sei diese auch noch so gering, würde die Lohnmasse zu sehr belasten und könnte somit die Wettbewerbsfähigkeit des Betriebs gefährden. Deshalb wird nicht nur bei Lohnfragen das Bremspedal betätigt, auch Zugeständnisse aus früheren Jahren wurden bereits beschnitten oder gar ganz abgeschafft. Mit dem Resultat, dass in so manchen Betrieben Einstiegslöhne schon gekürzt, Lohntabellen außer Kraft gesetzt, Prämien abgeschafft und Urlaubstage gestrichen wurden.

Sogar Unternehmen, die ganz oder teilweise dem Staat gehören, bewegen sich auf dieser Schiene. Erinnert sei in dieser Hinsicht an die nationale Frachtfluggesellschaft, die vor Jahren als erstes großes Unternehmen nicht davor zurückschreckte, einen bestehenden Kollektivvertrag einseitig aufzukündigen, um anschließend in Neuverhandlungen gewisse Verschlechterungen für Neueingestellte durchsetzen zu können.

Andere Unternehmen folgten. Die Vorgehensweise war fast immer die gleiche. Die später aufgezwungenen Verschlechterungen betrafen nämlich auch dort größtenteils Mitarbeiter, die neu eingestellt wurden. Eine Strategie, durch welche es immer wieder gelang, Proteste in Grenzen zu halten und gewerkschaftliche Aktionen abzuwenden.

Aufgrund dieser Vorgehensweise gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Unternehmen, die zweierlei Mitarbeiter beschäftigen – die einen mit altem Statut, und Neueingestellte mit niedrigeren Löhnen, schlechteren Laufbahnen und weniger Urlaubstage.

Eine Situation, durch die ein gutes Arbeitsklima auf Dauer kaum haltbar sein wird, was bei Konflikten die so notwendige Solidarität unter den Schaffenden in Frage stellen und die Arbeit von Gewerkschaften und Personaldelegationen wesentlich erschweren dürfte.

Die Walze, die vor Jahren – besonders seit dem Beginn der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise – vom Patronat ausgefahren wurde, um Löhne und Errungenschaften aus früheren Jahren platt zu walzen, muss deshalb unbedingt ausgebremst werden.

Bei dieser wichtigen Aufgabe muss den Gewerkschaften der Rücken gestärkt werden. Bei der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen wird auf Betriebsebene der persönliche Einsatz eines jeden erfordert sein. Nur so kann dem Patronat die Botschaft vermittelt werden, dass es so nicht mehr weiter gehen kann.

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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