15 | 12 | 2019

Seit Jahren schon weisen wir an dieser Stelle darauf hin, dass sich in vielen Betrieben die Arbeitsbedingungen aufgrund des zunehmenden Drucks und des inzwischen allgegenwärtigen Stress deutlich verschlechtert haben. Eine Entwicklung, die nicht nur negative Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen und Arbeitsklima hat, sondern auch die Gesundheit der Schaffenden immer schwerer belastet.

Deren Beschwerden, vielfach verursacht durch die permanent zunehmende Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen, reichen von Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Verdauungsproblemen bis hin zu völliger Erschöpfung, Angstgefühlen und Depressionen. So wurde das Burnout-Syndrom in den letzten Jahren zu einer Krankheit, unter der immer mehr Menschen leiden.

Negative Auswirkungen haben die neuen psychosozialen Krankheiten jedoch nicht nur auf die Gesundheit der arbeitenden Menschen, sie belasten auch die Finanzen der Sozialversicherungen in einem immer größeren Maße. So verbuchten diese allein innerhalb der EU für die Behandlung von Erwerbstätigen – Honorarkosten, Medikamente, Krankengeld, usw. – die aufgrund des wachsenden Drucks und des zunehmenden Stress erkrankten, sage und schreibe 25 Milliarden Euro.

Auch hierzulande bereiten Druck, Hetze und Stress den arbeitenden Menschen immer größere Probleme. Ausgelöst durch maximale Flexibilisierung der Arbeitswelt und einer ständig zunehmenden Deregulierung der Arbeitszeitregelung – häufig abgeänderte Schichtpläne, längere Arbeitszeiten, kürzere Ruhepausen, gestrichene Urlaubstage, kaum noch freie Wochenende.

Eine Arbeitszeitorganisation, die schon vor der rezenten Reform des PAN-Gesetzes in so manchen Wirtschaftsbereichen die Grenze des Zumutbaren in vielerlei Hinsichten längst überschritten hatte. Nicht desto trotz wurde auf Drängen des Patronats die Referenzperiode zum Nachteil aller Schaffenden dennoch von einem auf vier Monate erweitert

Zur zunehmenden Flexibilisierung gehört auch, dass Erwerbstätige immer häufiger nur mehr mit Zeitverträgen und Niedriglöhnen eingestellt werden, besagte Verträge jedoch vielfach nicht verlängert oder schon während der Probezeit gekündigt werden, Eine Entwicklung, die mit Riesenschritten voranschreitet, So haben inzwischen 40 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahre nur einen befristeten Arbeitsvertrag.

Eine Personal- und Lohnpolitik, die es dem Patronat nicht nur ermöglicht, die Gewinne aufgrund einer Reduzierung der Lohnmasse zu maximieren, sondern zusätzlich auch die Konkurrenz im Betrieb zu schüren, dauerhafte Freundschaften unter den Beschäftigten so weit wie möglich zu verhindern, das Erstarken der Gewerkschaften und die Solidarität innerhalb der Belegschaft zu erschweren.
Dabei wäre uneingeschränkte Solidarität innerhalb der gesamten Belegschaft gerade jetzt von größter Bedeutung, um gemeinsam an der Seite der Gewerkschaften gegen weitere vom Patronat geforderte Verschlechterungen – beispielsweise eine völlige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten – zu kämpfen.

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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