Morgen ist Weihnachten. Dem jungen Hilfsarbeiter, dem vor Tagen mitgeteilt wurde, dass er im Januar erneut kurzarbeiten und deswegen zum wiederholten Mal spürbare Lohneinbußen in Kauf nehmen muss, wie auch der jungen Verkäuferin, die kürzlich von ihrem Chef erfuhr, dass ihr am 15. Januar auslaufender Zeitvertrag entgegen allen Versprechungen nicht verlängert wird, wurde die Weihnachtsstimmung bereits im Voraus versaut.

Kaum besser dürfte auch die Stimmung vieler Beschäftigten von Cactus sein, die nach dem am 14. Dezember vom OGB-L organisierten und vom LCGB unterstützten erfolgreichen Aktionstag bereits seit mehr als einem Jahr im Ungewissen darüber sind, wie es um ihren künftigen Kollektivvertrag bestellt sein wird, ob Gewerkschaften, Patronat und Schlichter zu einer Einigung finden werden, oder ob der Kampf für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen fortgesetzt werden muss.

Noch schlimmer ist die Lage von 201 Angestellten der in Esch/Belval angesiedelten »Royal Bank of Canada« sowie der 14 Beschäftigten von »Linster Bureautique« aus Bartringen, die allesamt in den kommenden Wochen und Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Zwar handelten die Gewerkschaften für alle Betroffenen in den vor Tagen unterzeichneten Sozialplänen Begleitmaßnahmen und Abgangsentschädigungen aus, die höher sind als vom Gesetz vorgesehen, Fakt ist jedoch, dass sie in Kürze entlassen und somit ohne festes Einkommen sein werden.
Rezente Beispiele, die belegen, dass die Folgen der Krise nach wie vor allgegenwärtig sind und das Schlimmste, trotz aller anderslautenden Ankündigungen aus Politik und Wirtschaft noch nicht überstanden ist.

Diese Damen und Herren täten besser daran, sich näher mit der realen Situation in den Betrieben zu befassen, öfter mal hinter deren Fassaden zu blicken und ein offeneres Ohr für die Sorgen der arbeitenden Menschen und deren Gewerkschaften zu haben, statt sich vorwiegend nur Gedanken um die sogenannte Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu machen – in Wirklichkeit sind es deren Profite, die es zu erhalten und auszubauen gilt. Dass die Realität »um Terrain« eine andere ist, darüber wären Politiker und Wirtschaftsberater im Bilde, wenn sie ihre Kontakte nicht nur auf Gespräche mit Betriebsinhabern und Direktionsmitgliedern beschränken würden.

Ein eindeutiger Beweis für die nach wie vor schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt ist die anhaltend hohe Zahl an Arbeitslosen, die in den letzten 12 Monaten nicht zurückging, sondern um 6,5 Prozent (+ 943 Arbeitslose) anstieg. Darüber hinaus belegen die monatlich von der Arbeitsmarktverwaltung publizierten Zahlen, dass immer mehr Langzeitarbeitslose gezählt werden – Arbeitsuchende, die schon länger als 12 Monate ohne Arbeit sind, eine Vielzahl davon schon mehr als zwei Jahre –, und dass inzwischen rund 7.000 aller Arbeitslosen älter als 40 sind oder von der ADEM als »Arbeitsuchende mit nur geringer Qualifikation« geführt werden.
Immerhin handelt es sich hier um Menschen, die kaum noch Chancen auf einen Wiedereinstieg ins aktive Arbeitsleben haben. Fröhliche und geruhsame Weihnachtsfeiertage dürften ihnen wohl kaum bevorstehen.

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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