23 | 01 | 2020

Nach genauen Zahlen, in welchen Bereichen Arbeitsplätze seit Beginn der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise abgebaut wurden, um später, wenn überhaupt, durch minder bezahlte Posten ersetzt zu werden, sucht man vergeblich. So lange dies der Fall ist, bleibt der Verdacht bestehen, dass vielerorts die Krise nur als Vorwand genommen wurde, die Lohnmasse gezielt zu senken.

Tatsache ist, dass seit Jahren die Löhne nur langsam wachsen, reihenweise Einstiegslöhne gekürzt wurden, Lohntabellen, die Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung berücksichtigen, außer Kraft gesetzt, Prämien beschnitten oder gar gestrichen werden, Mehrarbeit, die den Schaffenden immer häufiger aufgezwungen wird, nicht mehr als solche entlohnt wird.

Aus den Betrieben hört man, dass neue Arbeitskräfte zunehmend nur noch mit Zeitverträgen eingestellt werden. Verträge, die vielfach nicht verlängert, so manche sogar schon während der Probezeit gekündigt werden. Mit der Folge, dass immer häufiger Beschäftigte nicht mehr zum festen Kern der Belegschaften gezählt werden können.

Praktiken, die es dem Patronat ermöglichen, immer größere Teile seines Personals mit Niedriglöhnen abzuspeisen. Die Möglichkeit, in eine höhere Lohngruppe aufsteigen zu können, haben Arbeitskräfte mit Zeitverträgen aufgrund ihrer meist nur geringen Betriebszugehörigkeit nämlich nicht. Auch auf Sonderzahlungen wie Gratifikation, Urlaubsgeld oder Produktivitätsprämie, die von den Gewerkschaften in Kollektivvertragsverhandlungen immer wieder hart erkämpft werden müssen, haben sie im Gegensatz zur mit unbefristeten Arbeitsverträgen ausgestatteten Stammbelegschaft kaum Anrecht.

Auch die Arbeitsbedingungen haben sich vielerorts verschlechtert. Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitorganisation haben inzwischen Formen angenommen, dass es sowohl den 8-Stundentag wie auch die 40-Stundenwoche in vielen Sektorten nur noch auf dem Papier gibt, so dass die Erwerbstätigen immer größere Probleme haben, Beruf, Freizeit und Familienleben unter einen Hut zu bekommen.
In vielen Betrieben sind die Posten inzwischen so knapp berechnet, dass längere Arbeitszeiten, Überstunden, Mehrarbeit und Arbeit an Wochenenden praktisch zur Normalität geworden sind – ohne dass den Betroffenen allerdings Zuschüsse bezahlt würden.

Auch nehmen Beschwerden darüber zu, dass das Patronat immer häufiger willkürlich über Ruhepausen, Ruhe- und Urlaubstage seiner Mitarbeiter verfügt. Es sind längst keine Einzelfälle mehr, dass Beschäftigte, die in den Augen ihres Vorgesetzten angeblich nicht ausreichend ausgelastet sind, einfach nach Hause geschickt werden und die ihnen aufgezwungenen Fehlstunden als Urlaub verrechnet bekommen. Praktiken, die so nicht hingenommen werden dürfen.

In Zeiten, in denen immer mehr Erwerbstätige mit bescheidenen Löhnen nicht mehr über die Runden kommen, muss das Patronat zu einer anderen Lohnpolitik gezwungen werden. Bei Neueinstellungen müssen unbefristete Arbeitsverträge wieder zur Regel werden, bei der Lohnentwicklung lineare Lohnaufbesserungen und höhere Einstiegslöhne Priorität haben, während außer Kraft gesetzte Lohntabellen wieder gelten müssen und aufgezwungene Mehrarbeit korrekt bezahlt werden muss. Ist das nicht der Fall, werden Kollektivvertragsverhandlungen immer wieder in der Sackgasse landen.

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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