Wie das STATEC nun anhand von neuen Daten belegen konnte, hat die Corona-Pademie deutliche Spuren in der Psyche der Menschen in Luxemburg hinterlassen. Demzufolge erklärte rund ein Drittel der befragten Personen, ihre psychische Gesundheit habe während der Pandemie und der dazugehörigen Maßnahmen gelitten.

Rund ein Viertel bangt um seine berufliche Zukunft, einige wurden bereits von der Arbeitslosigkeit aufgrund der Pandemie erwischt. Auch wenn während der Krise gezeigt wurde, wo Home Office überall möglich ist, wo es zuvor für unmöglich gehalten wurde, zeigen die Zahlen des STATEC, daß eine fehlende konkrete Gesetzgebung auch Gefahren birgt : Etwa 70 Prozent der im Home Office arbeitenden Lohnabhängigen erklärten gegenüber dem Amt bei der Befragung, bis zu 4 Stunden mehr wöchentlich gearbeitet zu haben als außerhalb dieser Maßnahme. Diese Überstunden verdeutlichen dann auch die Gefahr des immer erreichbar sein : Die meisten dieser Stunden wurden abends oder an Wochenenden geleistet.

Auch die Einkommenssituation litt unter der Krise : Rund 16 Prozent der Befragten erklärten, Lohneinbußen zu haben. Um aber auf die eingangs erwähnten psychischen Probleme zurückzukommen : Die Erhebung zeigt, daß insbesondere die jüngere Generation darunter litt, ihre sozialen Kontakte herunterfahren zu müssen und gewohnte gesellschaftliche Aktivitäten ruhen zu lassen. Den älteren Teilnehmern der Befragung fiel dies offenbar deutlich leichter.

Nun ist es auch die jüngere Generation, welche im Zuge der neuen Covid-Welle in Luxemburg als Missetäter ausgemacht worden ist. Partys feiern mit weit mehr als 20 Leuten, ohne Abstände oder Masken. Dies kann kurz vor der Ferienzeit zur Bombe ins Kontor der Corona-Bekämpfung werden und alle Anstrengungen seit Mitte März bis hin zu den schrittweisen Lockerungen zunichte machen. Dazu kommen Cafés, die sich nicht an die Vorgaben halten. Man kann darüber streiten, ob eine Sperrstunde um 24 Uhr oder um 1 Uhr »den Kohl fett macht« , wie es so schön heißt, jedoch gibt es auch hier für fehlende Einhaltung der hygienischen Regeln keine Entschuldigung. Vielleicht liegt es hier bei einigen Zeitgenossen auch an einem mangelnden Interesse, sich mit den nationalen Medien zu beschäftigen oder mangelnden Fähigkeiten, eine oder mehrere Landessprachen zu verstehen. Deshalb sollte insbesondere in den entsprechenden Vierteln eventuell gezielter aufgeklärt werden.

Was die neue Leichtsinnigkeit allerdings nicht bringen wird, ist eine Entlastung des Gemüts auf die psychischen Belastungen bezogen, denn das dicke Ende solchen unsolidarischen Verhaltens wird schlimmstenfalls als neuer Lockdown, geschlossenen Grenzen und Reiseverboten Gestalt annehmen und alle sitzen dann im Hochsommer daheim, wie einst im März, nur weil eine Minderheit sich nicht gesellschaftlich verpflichtet fühlt, Verantwortung zu übernehmen oder weil ihr ein Zacken aus der Instagram-Krone fällt, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Daß diese Masken einen wichtigen Beitrag leisten, wurde diese Woche ein weiteres Mal wissenschaftlich belegt. Und daß Corona längst nicht mehr »ein Ding der Alten« ist, dürfte auch klar sein.

Insbesondere die kleinen und mittleren Betriebe und alle Menschen, die in Kurzarbeit oder bereits arbeitslos sind, darunter viele junge Menschen, dürften mit Bangen auf die weitere Entwicklung schauen. Da ist die Sorge, den doch noch in Aussicht stehenden Sommerurlaub wieder stornieren zu müssen, schon fast eine Lappalie.
Vielleicht, so heißt es, waren die Lockerungen zu früh. Vielleicht aber verlangt uns diese Pandemie etwas ab, das viele Menschen schon lange verlernt oder nie erst gelernt haben : Solidarität üben und Verantwortung übernehmen.

Christoph Kühnemund

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek