Der neueste Bericht der NGO Oxfam verkündet, daß zwischen 1990 und 2015 das reichste 1 Prozent der Weltbevölkerung mehr als doppelt so viel klimaschädliches CO2 ausgestoßen hat, wie die ärmeren 50 Prozent.

Der Bericht »Confronting Carbon Inequality« listet in regelmäßigen Abständen immer wieder auf, welche Gruppen der Bevölkerung, nach Einkommen gestaffelt, für welchen Anteil am CO2-Ausstoß verantwortlich sind. Er kommt zu dem Schluß, daß für die Verdopplung des Ausstoßes zwischen 1990 und 2015 insbesondere die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung verantwortlich gewesen sind.

Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß diese Gruppe von Menschen ihren Ausstoß auf ein Zehntel des jetzigen Wertes reduzieren müsse, damit die Erhitzung des Planeten auf mehr als 1,5 Grad verhindert werden kann. Es dürfte klar sein, daß dies wahrscheinlich nicht geschehen wird, wenn nicht sehr bald gegengesteuert wird.

Und diese ungeheuerlichen Zahlen zeigen vor allem die Ungerechtigkeit des herrschenden Gesellschaftssystems, in welchem nicht nur Supperreiche, sondern auch sehr viele weit weniger reiche aber dennoch sehr wohlhabende Menschen, auch hierzulande, auf Kosten jener leben, die von ihnen oftmals auch noch direkt ausgebeutet werden, durch schlechte Arbeitsbedingungen und miese Löhne. Eines der größten Beispiele ist der Versandriese Amazon, dessen Chef unfassbar reich ist und ein Geflecht aus Standorten errichtet hat, um dennoch einen Großteil der Steuern zu vermeiden. Gleichzeitig werden die Angestellten bei überwiegend schlechten Arbeitskonditionen auch noch prekär entlohnt.

Die Folge: Der Boß kann ein teures, CO2-trächtiges Leben führen, während die Arbeiter eher in kleinen, schlecht isolierten Wohnungen von ungesundem Essen leben und umweltschädliche Autos fahren.

Der richtige Schritt ist hier nicht, den Arbeitern ihr umweltschädliches Leben vorzuhalten und sie aufzufordern, gesunde Lebensmittel oder eine Monatskarte für den ÖPNV zu kaufen. Ein umweltgerechtes und klimaschonendes Leben kann nur führen, wer die Mittel dazu besitzt. Und in einer Welt, wo der geschaffene Reichtum in den Taschen einer Minderheit verschwindet, kann es keine Transition geben, ohne daß der ärmere Teil der Bevölkerung dabei verliert.

In diesem Zusammenhang sind pauschale Forderungen, etwa Kraftstoffpreise drastisch zu erhöhen oder CO2-Abgaben nach dem reinen Verursacherprinzip zu erheben, keine faire Maßnahme. Dies gilt auch für Luxemburg, wo zwar vieles im Bereich des ÖPNV in die Wege geleitet wurde, was jahrzehntelang brach lag, doch eine entsprechende Qualität noch nicht erreicht ist, um etwa den Individualverkehr bereits zu sanktionieren.

Das Thema Vermögens- und Erbschaftssteuer indes ist ein wichtiger Ansatz: Den geschaffenen Wohlstand gerechter Verteilen, um jedem zu ermöglichen, einen entsprechenden Lebensstil zu führen. Dazu gehört auch ein Umdenken im Verhältnis von Arbeit und Privatleben: Sicherlich ist die Heimarbeit mit vielen Gefahren behaftet, mißbraucht werden zu können. Sie schafft aber auch eine Entlastung des Verkehrs und der damit verbundenen Umweltbelastung. Ohnehin gehört im Rahmen eines Umbaus hin zu einer klima- und ressourcenschonenden Gesellschaft die Abkehr vom regelrechten Arbeitsfetisch, hin zu effizienteren Methoden des »Schaffens«, um es altmodisch auszudrücken, mit ins Gesamtpaket.

So führt der Weg zur Klimarettung nur über die soziale Gerechtigkeit. Eine Herausforderung, die unter den gegebenen Umständen wohl sehr hoch sein dürfte.

Christoph Kühnemund

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek