21 | 10 | 2019

Vom 14. bis 16. Dezember fand die dritte nationale Plenartagung des Volkes statt, ein sogenanntes Gremium der aus der aufständischen Bewegung FARC-EP heraus entstandenen Partei FARC von gewählten Mitgliedern, welches die Leitlinien für das neue Jahr 2019 herausgab. Im Folgenden wollen wir, als Solidaritätsnetzwerk Kolumbieninfo, eine kurze politische Analyse unsererseits durchführen, bezogen auf bereits veröffentlichte Artikel zur Plenartagung und als Zusammenfassungen für das zurückliegende Jahr. Deutlich soll unsere kritische und oppositionelle Sichtweise werden.

Wieder einmal zeigt sich das Sicherheitsproblem von ehemaligen Guerillakämpfern der FARC, die sich nun in dem Prozess der Wiedereingliederung befinden. Diesmal fand ein Mord an dem Genossen Lidier Alexander Astros Heredia in der Wiedereingliederungszone (ETCR) Jaime Pardo Leal im Dorf Colinas in der Gemeinde San José del Guaviare, Provinz von Guaviare, statt. Es ist der erste Mord an einem FARC-Mitglied in dieser Provinz. Als ehemaliger politischer Gefangener befand er sich in der Wiedereingliederungszone in Colinas in seinem Prozess zum Übergang in das zivile Leben.

Mit einer vom 27. Dezember datierten Neujahrsbotschaft wendet sich das höchste Gremium der Partei der Alternativen Revolutionären Kraft des Volkes (FARC), der Nationale Politische Rat, an die Mitglieder und die Öffentlichkeit. Botschaften mit einem Rück- und Ausblick stehen in der Tradition von revolutionären und linken Bewegungen in Kolumbien und Lateinamerika.

Marcha Patriótica [Patriotischer Marsch] wünscht allen Zugehörigen der Basis und Mitgliedern, seinen Freundinnen und Freunden im Land und in der Welt ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches neues Jahr voller Siege für soziale Gerechtigkeit. Mit tiefer Emotion begrüßen wir all jene Menschen und Organisationen, die in unserem Amerika und anderen Breitengraden ihre Hand der Solidarität auf dem schwierigen Weg der Friedenskonsolidierung ausgebreitet haben.

In der letzten Zeit haben wir mehrmals darüber berichtet, dass sich ehemalige Kommandierende der FARC wegen Nichteinhaltung von Seiten der Regierung dem Friedensprozess und aufgrund von Sicherheitsbedenken auch ihrem ursprünglichen Aufenthaltsort entfernt haben. Anfang Juli dieses Jahres verurteilte Iván Márquez eine Militäroperation in der ETCR (Wiedereingliederungszone) in Miravalle in der Provinz Caquetá. Er verschwand daraufhin an einen unbekannten aber sicheren Ort. Wochen zuvor passierte das Gleiche mit Oscar Montero, bekannt als El Paisa, der argumentierte, dass er von einer Gruppe vermummter Männer getötet werden würde und dass ihn die Justiz festnehmen würde. Andere unter dem Neujahrgruß stehende Personen kritisierten ebenfalls mehrmals die fehlende Umsetzung des Friedensabkommens. Nun dokumentieren wir ihren Brief, der sicherlich weiter die Spekulationen, auch in Bezug auf ein potentielles Unterstützen der dissidentischen Gruppen der FARC, nähren wird.

Neujahrsgruß

An die Freunde in den territorialen Gebieten
An die Leute des Volkes und ihre sozialen und politischen Organisationen

Mit Zuneigung gilt für Sie alle unsere Umarmung, die mit den besten Wünschen und der großen Stärke magnetisiert ist, die wir benötigen, um den sozialen und politischen Kampf erfolgreich zu führen, der uns als Herausforderung der Menschenwürde im Jahr 2019 auferlegt ist.

Dieser Artikel, veröffentlicht bei Prensa Rural, aus der Provinz Cauca zielt exemplarisch auf die Erfolge, aber auch negativen Begleiterscheinungen der Wiedereingliederung der FARC im ganzen Land ab. Durch Begriffserklärungen [*] haben wir versucht, den Artikel verständlicher zu gestalten.

Zwischen guten Absichten, Mangel an Land und Bestechungsgeldern – die Wiedereingliederung der FARC im Cauca

67 militärische Einnahmen durch die Guerilla und drei Autobombenanschläge sind in groben Zügen die brutalen Ereignisse, die die Gemeinde Caldono im nördlich gelegenen Teil der Provinz Cauca*[1] in sechzig Jahren bewaffneten kolumbianischen Konfliktes getroffen haben.

In den Tagen vom 14. bis 16. Dezember traf sich das III. Plenum des Nationalrats des Volkes der FARC in Melgar, Provinz Tolima, an dem 81 gewählte Frauen und Männer der Partei aus dem ganzen Land teilnahmen. Das Ziel der Plenartagung war das Analysieren der aktuellen politischen Lage, der Aufbau der Partei, den Stand der Umsetzungen des Friedensabkommens und der Wiedereingliederung sowie die politischen Ziele und den Wahlkampf für 2019 zu diskutieren.

Immer wieder gibt es in Kolumbien und der internationalen Presse Meldungen über abtrünnige, also dissidentische Gruppen der FARC. Das Solidaritätsnetzwerk Kolumbieninfo versucht einen kurzen Überblick über dieses Phänomen zu geben.

Dass es in einem Friedensprozess Personen und Gruppen gibt, die mit dem Vereinbarten oder mit einem Friedensprozess selbst nicht einverstanden sind, ist völlig normal. Dieses Phänomen gab es weltweit in verschiedenen analysierten Prozessen wie in Nordirland, Baskenland oder im Kongo. Dafür war die Quote von Abtrünnigen am Anfang des Friedensprozesses zwischen FARC-EP und kolumbianischer Regierung sehr gering und zeigte die Konzentrierung der ehemaligen Kämpfer*innen und die Abgabe der Waffen, dass einheitlich alle an einem Strang gezogen haben. Der Wunsch nach Frieden war groß in der Guerilla.

„Der Versuch, die Vergangenheit wiederzubeleben, ist möglicherweise nicht die beste Entscheidung“ – oder wie ein Brief die interne Zersplitterung der FARC darlegt und den Versuch die Wogen zu glätten

Kurz vor der dritten Plenartagung „Vereint kämpfend für den Frieden bis zu unserem zweiten Kongress“ der FARC als Partei, das höchste Gremium und in dem die Delegierten der Partei aus allen Verbänden und Ortsgruppen zusammenkommen, sendet der Vorsitzende einen sehr persönlichen Brief an Oscar alias „El Paisa“, von dem sein Aufenthaltsort in der Region El Pato unbekannt ist und der enorme Zweifel am Friedensprozess hegt.

Wir als Solidaritätsnetzwerk Kolumbieninfo sehen, genau wie viele andere Genoss*innen in Kolumbien, die Arbeit und das Auftreten der neugegründeten Partei durchaus kritisch. Vor allem die Führung, ihre fehlende Durchsetzungskraft im Kontext der Umsetzungen der Vereinbarungen und dem fehlenden Kontakt zur Basis, sowie strategische Fehler im Umgang mit nationalen und internationalen sozialen und politischen Bewegungen sowie in der eigenen politischen Ausrichtung sind hier zu nennen. Trotzdem ist die Partei FARC ein Produkt des Willens nach Frieden und im Zuge des in wenigen Tagen stattfindenden Plenums soll es Zeit sein, einen organisatorischen Überblick zu geben.

Mit dem Friedensprozess und der Zehnten Guerilla-Konferenz, dem höchsten Gremium der ehemaligen Guerilla FARC-EP, welche im September 2016 stattfand, entschied sich die Organisation zur Waffenniederlegung und zum Friedensabkommen. Unter dem Kapitel V in den Diskussionsthesen der Organisation, im speziellen unter dem Thesenpunkt 25, wurde als Ziel die offene politische Legalität bestimmt. Mit diesem Thesenpunkt wurde der Weg zu einer politischen Bewegung, zu einer politischen Partei gelegt.

Die schleppende Umsetzung des im Friedenabkommen Vereinbarten und das fehlende Vertrauen von Guerilleras und Guerilleros in die offiziellen Stellen, auch in die FARC, sorgt dafür, dass es ehemalige Kommandanten wie Fabián Ramírez gibt, die parallele Strukturen aufbauen. Fabián Ramírez war der ehemalige Kommandant des militärischen Südblocks der FARC.

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