21 | 10 | 2019

Mit diesem Artikel wollen wir einen Überblick über die Situation des Genossen und Freundes Jesús Santrich geben, der sich als Führungsperson der FARC wegen einer juristischen Inszenierung in Haft befindet. Diese Situation ist ausschlaggebend für Unmut und Zweifel am derzeitigen Friedensprozess in Kolumbien.

Die Geschichte:

Jesús Santrich ist ein prominenter Protagonist der Friedensverhandlungen, mit denen das endgültige Abkommen über den Bau eines stabilen und dauerhaften Friedens in Kolumbien geschaffen wurde. Er ist Mitglied des Ausschusses für Impulsgebung, Förderung und Überprüfung der Umsetzung (CSIVI), Vertreter der Kammer für die Provinz Atlántico und führendes Mitglied der nationalen Führung der politischen Partei der FARC. Zu seinen Aufgaben gehörten das Management, die Förderung und das Monitoring von produktiven Projekten zur Wiedereingliederung der ehemaligen Kämpfer*innen der FARC in den sogenannten Wiedereingliederungszonen (ETCR).

Ein Offener Brief ehemaliger FARC-Kommandeure an den inhaftierten Jesús Santrich zum Stand der Umsetzung des Friedensabkommens und ihrer Sorgen. Die Übersetzung ist von Amerika21. Besonders Iván Márquez gilt als aufgrund seines unbekannten Aufenthaltsortes wegen Sicherheitsbedenken und seines Nichtantritts seines Sitzes im kolumbianischen Kongress als umstrittene, dennoch einflussreiche Person innerhalb der ehemaligen Guerilla. Mit Oscar Montero „El Paisa“ oder Edinson Romaña gab es um diese und unten genannte Kommandeure immer wieder Gerüchte, sie würden dem Frieden aufgrund im Text genannter Hintergründe den Rücken kehren. Zuletzt gab es wieder Gerüchte, dass unter anderem Edinson Romaña und Iván Alí in der nordostkolumbianischen Provinz Arauca FARC-Gruppen aufbauen. Unter der Federführung von Iván Mordisco und Gentil Duarte gibt es aktuell Bestrebungen, die FARC neu zu gruppieren. Dies betrifft vor allem die ehemaligen Fronten 1 und 7 in Meta, Caquetá und Guaviare. Andere ehemalige Strukturen der FARC gibt es in Antioquia, Cauca, Cordoba, Nariño, Norte de Santander oder Putumayo.

Lieber Jesús Santrich,

wir überbringen dir unseren herzlichen, brüderlichen Gruß und die Zuneigung tausender Guerilleros, die in den Wiedereingliederungszonen oder im Land verteilt sind und auf Neuigkeiten über die Erfüllung der Friedensvereinbarungen warten, und auch von den gutwilligen Menschen dieses Landes, die deine Freiheit wünschen und voller Sehnsucht nach Frieden sind.

Am 24. November war es zwei Jahre her seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC, der ehemaligen aufständischen Bewegung. Auch wenn es innerhalb der Guerilla Kritiker*innen gab, wie ein Friedensabkommen auszusehen und umzusetzen sei, so einigte sich dich die große Mehrheit auf einen Frieden mit der Regierung. Hierbei führte die linke Kraft unter Waffen vor allem den Wunsch der Bevölkerung nach Frieden aus.

„Außenminister Heiko Maas muss beim Besuch seines kolumbianischen Amtskollegen Carlos Holmes Trujillo am heutigen Donnerstag in Berlin entschieden auf eine ernsthafte Umsetzung des Friedensabkommens drängen. Es ist absurd, dass in Berlin vom Frieden gesprochen wird, während die kolumbianische Regierung das historische Friedensabkommen mit der ehemaligen Farc-Guerilla demontiert“, sagt Heike Hänsel, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE.

FARC neuMit Iván Duque hat der Kandidat des »Uribismus«, also des rechtskonservativen politischen Feldes im Umfeld des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe, die Präsidentschaftswahl in Kolumbien in der Stichwahl gegen den linksalternativen Gustavo Petro gewonnen. Die FARC erklärt in einem Kommuniqué, dass sie die Ergebnisse des Urnengangs respektieren wird.

„Das Ergebnis von 41 Prozent für den linken Präsidentschaftskandidaten Gustavo Petro ist trotz Niederlage eines der besten seit Langem für die progressiven Kräfte in Kolumbien. Den Wahlsieg des rechten Kandidaten Iván Duque sehen zu Recht viele Menschen mit großer Sorge, weil er ein Ende des Friedensprozesses und eine Zuspitzung des politischen und sozialen Konflikts in Kolumbien bedeuten kann“, sagt Heike Hänsel, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE.

Der Präsidentschaftsaspirant der Bewegung Menschenwürdiges Kolumbien, Gustavo Petro, stellte am gestrigen Donnerstag die Koalition für den Frieden, eine große Allianz politischer und sozialer Sektoren vor, die seine Kandidatur unterstützen, wie Prensa Latina berichtete.

Der Block vereinigt Vertreter der Parteien Alianza Verde (Grüne Allianz), Polo Democrático Alternativo (Alternative Demokratische Achse), Liberal, Unidad Nacional (Nationale Einheit) und Unión Patrótica (Patriotische Union).

Kolumbien wird das erste lateinamerikanische Land sein, das der Organisation des Nordatlantikpakts (NATO) als „globaler Partner“ beitritt.

Der Wunsch nach Veränderung war der Motor beim ersten Durchgang der letzten Präsidentschaftswahlen in Kolumbien, aber die Frage hängt in der Luft – welche Art von Veränderung?

Der rechte Iván Duque und der progressive Gustavo Petro, die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen, die bei der Stichwahl am 17. Juni aufeinandertreffen, stehen für radikal unterschiedliche Projekte und stimmen nur in ihrer Kritik des Status quo überein.

Pünktlich zu den ohnehin komplizierten Wahlen hat die NATO vor der staunenden Öffentlichkeit bekanntgegeben, daß Kolumbien als »Globaler Partner« in das aggressivste Kriegsbündnis unserer Zeit eingegliedert werden soll. Ausgerechnet das Land, das trotz eines Friedensvertrages mit der bisherigen Guerrilla-Organisation FARC immer noch nicht zur Ruhe gekommen ist, in dem frühere Angehörige der FARC und deren Familien vom kolumbianischen Militär und von diversen Milizen weiterhin bedroht und bekämpft werden, und wo es nicht gelingt, Friedensgespräche mit der Guerrilla ELN zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.

Die kolumbianische Guerillaorganisation ELN kündigte über ihr Twitterkonto@ELN_Paz an, dass sie vom 25. bis zum 29. Mai ihre Operationen einstellen werde, meldet Telesur.

Die auftständische Gruppe betonte, dass sie zu einigen „günstigen Bedingungen, die der kolumbianischen Gesellschaft die Möglichkeit geben, sich in den am 27. Mai stattfindenden Präsidentschaftswahlen zu äußern, beitragen werde.

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