Samstag, 20. Januar 2018
Solidaritätsanzeige

Ich konnte mir die Ursache der von einigen Teilnehmern des Gipfels von Port of Spain ausgedrückten Euphorie nicht erklären.

Unter großen Anstrengungen habe ich die berühmte, von diesem “Gipfel von Amerika” verabschiedete Verpflichtungserklärung gelesen. Ich hatte die Pressekonferenz unter Vorsitz von Patrick Manning, Premierminister von Trinidad und Tobago, und unter Teilnahme des erlauchten Stephen Harper, Premierminister von Kanada, und der Präsidenten von Mexiko y Panama, Felipe Calderón und Martín Torrijos, gehört. Es war - laut ihnen - der im höchsten Grade außerordentliche Gipfel, der je stattgefunden hat.

Weder die auf dem Gipfel in Port of Spain Vertretenen noch die von ihm Exkommunizierten konnten bis jetzt in Erfahrung bringen, was dort diskutiert wurde. Uns allen wurden Hoffnungen gemacht, dass das Treffen nicht geheim sein würde, aber die Herren über das Schauspiel haben uns einer solch interessanten intellektuellen Übung beraubt. Wir werden das Wesentliche kennen lernen, aber nicht den Klang der Stimme, nicht die Augen oder das Gesicht, welche die Ideen, die Ethik und den Charakter der Personen so sehr widerspiegeln. Ein geheimer Gipfel ist schlimmer als ein Stummfilm. Im Fernsehen wurden wenige Minuten lang einige Ausschnitte gezeigt. Links von Obama war ein Herr, den ich nicht gut identifizieren konnte, wenn er die Hand so auf Obamas Schulter legte, als wenn es ein achtjähriger Schuljunge einem Mitschüler der ersten Reihe gegenüber tun würde. An seiner Seite stehend unterbrach ein weiterer des Gefolges den Präsidenten der Vereinigten Staaten, um ein Zwiegespräch mit ihm zu führen. In denen, die ihn belästigten, sah ich das Abbild einer Oligarchie, welche niemals den Hunger kennen gelernt hat, und die hoffen, in der mächtigen Nation von Obama das Schild zu besitzen, dass das System vor den gefürchteten sozialen Veränderungen schützt.

Wer weiß, wie viele Menschen in den Vereinigten Staaten Obama schreiben und wie viele verschiedenartige Probleme sie dabei darlegen. Es ist klar, dass er nicht alle diese Briefe lesen und jede einzelne Angelegenheit behandeln kann, denn die 24 Stunden pro Tag und 365 Tage pro Jahr würden ihm dafür nicht ausreichen. Sicher ist aber, dass die Berater mit Unterstützung der Computer, der elektronischen Geräte und Handys alle Briefe beantworten. Ihr Inhalt wird registriert und die Antworten sind schon im Voraus vorhanden, und zwar gestützt auf die vielfachen Erklärungen des neuen Präsidenten während seiner Kampagne zur Wahlaufstellung und zur Wahl.

Man könnte der Meinung sein, dass die Welt nach dem Amerika-Gipfel, nur 13 Tage nach dem der G-20 und nach der anstrengenden Rundreise von Präsident Obama, die Frankreich, Deutschland, Prag und die Türkei umfasste, Recht auf ein paar Ruhetage hätte.

Aber dem ist nicht so. Der Schatzminister der Vereinigten Staaten, Timothy Geithner, hat für Donnerstag, 24. April, eine Zusammenkunft mit den Finanzministern der G-7 einberufen, der superreichen, auf welche unmittelbar, am selben Tag, die Ministersitzung der G-20 folgt.

Ich habe heute ganz offen über die gegen die Völker von Lateinamerika begangenen Gräueltaten gesprochen. Die karibischen Nationen waren noch nicht einmal unabhängig, als die Kubanische Revolution siegte. Genau am 19. April, dem Abschlusstag des Amerika-Gipfels, werden 48 Jahre seit dem Sieg Kubas in Girón (Schweinebucht) vergangen sein. Ich war vorsichtig mit der OAS und habe kein einziges Wort gesagt, das als eine Beleidigung dieser antiquierten Einrichtung ausgelegt werden könnte, obwohl allen bekannt ist, was für einen großen Widerwillen sie bei uns hervorruft.

Vor 48 Jahren haben Söldnertruppen im Dienste einer ausländischen Macht ihr eigenes Vaterland überfallen, wobei sie von dem Geschwader der Vereinigten Staaten, einschließlich eines Flugzeugträgers und mehreren Dutzend Jagdflugzeugen, eskortiert wurden. Dieses Datum darf nicht vergessen werden. Die große Macht des Nordens kann das selbe Rezept gegen irgendein anderes lateinamerikanisches Land anwenden. Das ist im Verlaufe der Geschichte in unserer Hemisphäre schon oftmals geschehen. Gibt es etwa irgendeine Erklärung, in der sie sich verpflichtet, dass sich solch eine direkte oder auch über die Armeen verübte Aktion niemals mehr wiederholen wird, wie es in der Dominikanischen Republik, in Panama, Guatemala, Chile, Argentinien, Venezuela und anderen Ländern geschah?

Die US-Regierung hat über CNN angekündigt, dass Obama in dieser Woche zu Beginn seiner Reise Mexiko einen Besuch abstatten wird, bevor er in Richtung Port of Spain in Trinidad und Tobago weiterreist, wo er in vier Tagen ankommen wird, um am Amerika-Gipfel teilzunehmen. Sie kündigte die Auflockerung einiger der verhassten Beschränkungen an, die von Bush den in den Vereinigten Staaten ansässigen Kubanern bezüglich der Besuchsmöglichkeiten ihrer Familienangehörigen in Kuba auferlegt wurden. Als nachgefragt wurde, ob solche Vergünstigungen auch anderen US-Bürgern zugute kämen, war die Antwort, dass diese keine Genehmigung hätten.

Evo begann heute seinen vierten Tag eines rigorosen Hungerstreiks. Er sprach gestern Abend und gab heute Mittag Erklärungen ab. Seine Worte waren gelassen, überzeugend und schlagkräftig. Er bot ein »biometrisches Wählerverzeichnis« an, welches noch besser sein soll als das bis jetzt für die Wahlprozesse in seinem Land geltende, das von internationalen Einrichtungen als zuverlässig und von guter Qualität bezeichnet wurde.

Mehrmals habe ich  daran gedacht, dass ich am nächsten Tag  nicht zu schreiben hätte und ich  einen Teil meiner Zeit  dem Lesen und Analysieren widmen  könnte, wie ich es oft getan habe.  Aber die wichtigen Ereignisse, die in den letzten Wochen  auf dem Gebiet der  Weltwirtschaft  und –politik stattgefunden haben und solche Ereignisse wie jene, die in Bolivien stattfinden, haben es mir nicht erlaubt.

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