Samstag, 29. Juli 2017
Solidaritätsanzeige

1501berichte aus havanna„Meinungsfreiheit gibt es auf Cuba nicht, was man denken soll entscheidet die Einheitspartei“ heißt es in einer Doku auf ARTE im Jahr 2010. Wenn die einzige Tageszeitung, die Granma, die überall im Land erscheint, dann auch noch das Organ eben dieser kommunistischen Partei ist, scheint die Verletzung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung perfekt.

1501berichte aus havannaWir sind an einem warmen Samstagnachmittag auf dem Weg zum Botanischen Garten im Süden Havannas. Der Bus ist wie gewohnt bis zum Bersten gefüllt und wir geben dem Busfahrer für die 30 minütige Fahrt zu Zweit einen Peso. Eine Busfahrt, egal wie lang sie dauert, kostet 0,4 cubanische Peso. Das ist ein bisschen mehr als ein Eurocent. Ich verfalle mal wieder in Gedanken und denke darüber nach, warum die Busse und Züge so stark subventioniert werden.

Mir wird klar, dass ein für alle zugänglicher Personennahverkehr eine Ausgangsvoraussetzung ist, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Ich denke an die ständig steigenden Preise der Deutschen Bahn und frage mich, was eine Fahrt von Gießen nach Frankfurt wohl mittlerweile kosten wird. Sind es noch 13 Euro oder schon 15 Euro? Ich denke auch an meine Kindheit in Thüringen und daran, dass ein Besuch im Erfurter Kino für mich eine Besonderheit war, weil ich gern die 50 km mit dem Zug fuhr und sich meine Eltern die 50 Euro, die der Kinobesuch insgesamt kostete, nur selten leisten konnten. Ich freue mich noch heute auf die „lange Nacht der Museen“, weil man sich dann auch endlich einmal als Student ein bisschen die Museumslandschaft seiner Stadt – trotz unverschämten Eintrittspreisen und Bafög-Mindestsatz – genießen kann. Mein Hals wird trocken bei diesen Gedanken.

1501berichte aus havanna„Rund 63% der Universitätsabsolventen hier auf Cuba sind Frauen“ erzählt Elena mit einem stolzen Lächeln und lehnt sich in ihrem Schaukelstuhl zurück. Elena ist eine ältere, sehr herzliche Frau, die ihr ganzes Leben der Revolution und somit dem Kampf für ihre Ideale und Ziele gewidmet hat. Ein Punkt, der ihr besonders am Herzen liegt, war und ist bis heute die Gleichberechtigung beider Geschlechter. Sie selbst gehörte zu jenen Frauen, die nach der Revolution die Alphabetisierungskampagne unterstützt haben, in dem sie als Lehrerinnen arbeiteten. Diese starke Frau weiß wovon sie spricht, wenn sie berichtet, dass der Machismo wesentlich zurück gegangen ist und eine Emanzipation der Frau auf ökonomischer sowie politischer Ebene stattgefunden hat. Denn sie musste noch die Verhältnisse vor der Revolution kennen lernen, in der die Frau ökonomisch diskriminiert wurde und gesellschaftlich nichts weiter, als eine hübsche Dekoration ihres Mannes darstellte, die sich um den Haushalt kümmerte.

1501berichte aus havannaBisher habe ich Cuba stets aus der Perspektive einer europäischen Studentin erlebt. Doch jetzt, wo mich meine Eltern für drei Wochen besuchen, lerne ich eine andere, neue Seite kennen. Nämlich die eines Touristen. Wir steigen aus dem Truck, der uns nach einer kleinen Wanderung abholte und zu unserem Reisebus brachte. An dem Treffpunkt stehen noch weitere, auf ihre Gruppen wartenden Busse, sowie Verkäufer in Buden, die ihre Souvenirs und Leckereien anbieten, um den Reisenden die Weiterfahrt zu versüßen. Meine neugierigen Eltern haben nach dem Analysieren der Auslageflächen, den Blick auf die in Plastikfolie eingewickelten Erdnussriegel geworfen. Als ich den Preis höre, stutze ich. 2 CUC für einen Riegel?! Das kann nicht sein, ich hatte dafür doch immer nur 0,25 CUC ausgegeben. Doch schnell begreife ich, dass ich bisher nie die Touristenpreise bezahlt hatte, denn als Studentin mit einer temporären Aufenthaltsgenehmigung, bewege ich mich in dem Umfeld von Preisen, die sich auch Cubaner – ausgehend von ihrem monatlichen Lohn – leisten können.

Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro und der brasilianische Intellektuelle Frei Betto führten am gestrigen Nachmittag ein freundschaftliches Gespräch, in dessen Verlauf sie verschiedene nationale und internationale Themen behandelten. Das meldete das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas, Granma, am Mittwoch.

1501berichte aus havannaEin Freund, der selbst einmal in Cuba an unserer Fakultät studiert hat, erzählte mir während den Vorbereitungen zu unserem Projekt, von seinen Erfahrungen. Er schwärmte von den Professoren der marxistischen Fakultät der größten polytechnischen Universität Cubas, der CUJAE in Havanna, und verlor sich immer wieder in spannenden Erzählungen von seiner Zeit hier. Eine Geschichte ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Einer seiner Professoren hätte bei ihrer ersten Begegnungen, statt – wie vorgesehen – marxistische Philosophie zu behandeln, lieber in seiner Hand gelesen. Wir sollten uns also schon mal darauf einstellen, dass wir dort nicht unbedingt immer nur die strikten, marxistisch-leninistischen Lehren erhalten würden, die man an einer Fakultät für Marxismus vielleicht vermuten könnte.

Kommentare von Fidel CastroKommentare von Fidel CastroLiebe Genossen,

im Jahr 2006 bin ich von meinen Ämtern zurückgetreten. Die Gründe waren gesundheitliche, die nicht mit der Zeit und dem notwendigen Einsatz zur Erfüllung einer Pflicht in Einklang zu bringen waren, die ich mir gestellt hatte, als ich am 4. September 1945, vor 70 Jahren, in diese Universität eingetreten bin.

Ich war kein Arbeiterkind und mir fehlten nicht die materiellen und gesellschaftlichen Ressourcen für ein relativ gemütliches Leben. Ich könnte sagen, dass ich wie durch ein Wunder dem Reichtum entkommen bin. Viele Jahre später erklärte der zweifellos sehr begabte und mit 100 Milliarden Dollar reichste Nordamerikaner einer Agenturmeldung vom vergangenen Donnerstag, 22. Januar, zufolge dass das die Reichen privilegierende Produktions- und Verteilungssystem die Armen von Generation zu Generation zu Reichen machen werde.

1501berichte aus havannaWie die Zeit rast! Eben sind wir noch mit bröckelnden spanisch Kenntnissen am Flughafen von Havanna gelandet und haben mit großen Augen diese andere Welt bestaunt und jetzt ist für einige von uns das Ende ihres Aufenthaltes schon erschreckend nah gekommen. Da wir die vergangenen Monate hier auf Cuba so genossen haben und auch jeder weitere Tag neue Entdeckungen und Erlebnisse mit sich bringt, würden wir uns unglaublich freuen, wenn wir einige Nachfolger hier auf Cuba begrüßen könnten, die ihre eigenen Spuren auf der kleinen Insel hinterlassen wollen. Dabei geht es uns nicht darum, ausschließlich vorgefertigte Ideen und Konzepte weiter zu reichen, sondern die Möglichkeit zu eröffnen eigene Wege zu gehen. Wir wollen euch gerne dabei helfen auf eure Art und Weise Teil des Projektes zu werden.

Berichte aus HavannaWie sich die Einkaufsmöglichkeiten der Cubaner von denen der Deutschen unterscheiden
    
Deutschland: Ins Gespräch mit meiner Freundin vertieft, schlängle ich mich durch die Massen, die an einem Mittwochnachmittag das Einkaufszentrum bevölkern. Die Menschen huschen von Geschäft zu Geschäft, auf der Suche nach einer neuen Eroberung, die in ihren vollen Kleiderschränken noch fehlt, nach dem ultimativen Schnäppchen oder dem neusten Produkt auf dem Markt. Kaum jemandem fallen all die Werbeplakate, Blinklichter und Lautsprecherdurchsagen bzw. zum Kauf anregende Musik auf, die diese Gegenstände anpreisen. Auch ich nehme nichts von all dem wirklich wahr. Mein Gehirn hat längst gelernt alles auszublenden, was im Augenblick nicht elementar erscheint. Nur dem Unterbewusstsein werden dann diese riesigen Brocken an Informationsmaterial vorgeworfen.

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