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Kategorie: Venezuela

Joaquín Pérez BecerraDer am Osterwochenende in Caracas verhaftete schwedische Journalist kolumbianischer Herkunft Joaquín Pérez Becerra ist am Montag abend (Ortszeit) von den venezolanischen Behörden an Kolumbien ausgeliefert worden. Offiziell hiess es, Pérez sei nicht ausgeliefert, sondern nach Bogotá abgeschoben worden, um die Vorgänge zu beschleunigen. Zuvor hatte der venezolanische Geheimdienst SEBIN sowohl Pérez' Rechtsanwälten als auch schwedischen Diplomaten und Konsularvertretern den Zugang zu dem Gefangenen verweigert.

Wie die linke Bolivarische Presseagentur (ABP) berichtet, wurde auch die Auslieferung des Journalisten durch üble Manöver der venezolanischen Regierung begleitet. Zunächst seien die Medien zum Flughafen von Maiquetia eingeladen worden, dann sei jedoch erklärt worden, die Auslieferung sei ausgesetzt worden. Das war jedoch eine Falschinformation. Während Venezuelas Präsident Hugo Chávez in einer Fernsehansprache über alle Kanäle eine Erhöhung des Mindestlohns um 25 Prozent ankündigte, wurde Pérez an das Regime in Bogotá ausgeliefert.

Sein Rechtsanwalt Hugo Martínez kritisierte, dass der Umgang mit seinem Mandanten vollkommen unnormal gewesen sei und weder den Vorschriften für eine Auslieferung noch denen für eine Abschiebung entsprochen habe. Erst auf venezolanischem Staatsgebiet sei die Fahndung durch INTERPOL aktiviert worden, Pérez sei in völliger Isolation gehalten worden, ihm sei konsularischer und anwaltlicher Beistand verweigert worden, über Stunden habe er nichts zu Essen bekommen, usw. "Dem schwedischen Staatsangehörigen Joaquín Pérez ist sein Recht auf ein faires Verfahren verweigert worden", so der Jurist.

Die venezolanische Linke hatte vergeblich versucht, die Auslieferung des Journalisten an Bogotá zu verhindern. Die Tatsache, dass die Forderungen von Kommunistischer Partei, Gewerkschaftsbund UNETE, Funktionären der Regierungspartei PSUV und zahlreicher weiterer Organisationen von den Behörden ignoriert wurden, wirft ein dunkles Licht auf den Zustand des revolutionären Prozesses in Venezuela.

Joaquín Pérez Becerra war vor mehr als 20 Jahren aus Kolumbien geflohen, nachdem er als Mitglied der legalen Linkspartei Unión Patriótica (UP) Todesdrohungen erhalten hatte. Im schwedischen Exil gründete er die alternative Nachrichtenagentur ANNCOL und lernte seine neue Lebensgefährtin kennen. Als er mit dieser ein Kind bekam, nahm er die schwedische Staatsbürgerschaft an.

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