Montag, 17. Dezember 2018
Solidaritätsanzeige

Erste Hilfe auf dem Taksim-PlatzDie Ärzteorganisation IPPNW fordert die deutsche Bundesregierung auf, mäßigend auf den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan einzuwirken. Er solle sicher stellen, dass ärztliches Personal ungehindert und ohne Strafandrohung verletzten Demonstranten Hilfe leisten kann. Das Recht auf medizinische Versorgung sei ein elementares Grundrecht. Ärzte seien verpflichtet, Patienten ohne Ansehen der Person zu helfen. »Ebenso stellen die brutalen polizeilichen Übergriffe einen gravierenden Eingriff in die Menschen- und Bürgerrechte dar. Die Polizisten haben bei der Auseinandersetzung mit den Demonstranten Tränengasgeschosse gezielt auf die Köpfe der Menschen gerichtet und nicht etwa in die Luft geschossen. Teilweise schossen die Polizisten sogar mit Pistolen, wodurch ein Demonstrant in Ankara getötet wurde«, heißt es in der Erklärung der Organisation.

 

Seit den ersten Tagen der Demonstrationen, allen voran in Istanbul und Ankara, leisteten viele Ärzte, Medizinstudenten und Pflegepersonal freiwillig mobile medizinische Hilfe und organisierten provisorische Lazarette für verletzte Demonstranten. Sogar in einer Moschee nahe dem Dolmabahce-Palast, wo Demonstranten und medizinisches Personal Schutz gesucht hatten, entstand ein Lazarett. In der Nacht des 12. Juni 2013 wurden um 3 Uhr fünf Tränengasgeschosse in ein Lazarett am Taksim-Platz geworfen, wo sich medizinisches Personal und zahlreiche Verletzte befanden.  Auch das traditionsreiche deutsche Krankenhaus nahe dem Taksim-Platz blieb nicht von exzessiver Polizeigewalt und Tränengaseinsatz verschont.

Es kam zu Festnamen vom Personal in den Lazaretten, u.a. Dr. Savas Cömlek und drei weiteren Krankenschwestern in Tarlabasi bei Taksim. Dr. Cömlek wurde zusammengeschlagen und dann freigelassen. Das Gesundheitsministerium hat eine verwaltungstechnische Untersuchung gegen die bei den Demonstrationen helfenden Ärzte und das medizinische Personal eingeleitet. Die freiwilligen Helfer sollen bestraft werden.

Die Bedeutung der medizinischen Hilfe wird deutlich, wenn man sich das Ausmaß der Gewalt vor Augen führt: Nach Angaben der türkischen Ärztekammer wurden bis zum 17. Juni 2013 bei den Demonstrationen  7.822 Menschen verletzt, 59 von ihnen schwer, sechs schweben in Lebensgefahr. Außerdem verloren elf Personen ein Auge. Vier Demonstranten wurden getötet und ein Polizist starb durch einen Sturz von einer Brücke. Nur fünf Prozent der Verletzten suchten medizinische Hilfe in den Krankenhäusern.

»Ärzte brauchen keine Erlaubnis, um medizinische Hilfe zu leisten. Nicht die freiwilligen Kollegen, sondern das türkische Gesundheitsministerium muss sich verantworten, da es vor Ort keine ausreichende Hilfe bereitgestellt hat«, erklärt der IPPNW-Arzt Alper Öktem, der bis gestern in der Türkei war.

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