Dienstag, 18. Dezember 2018
Solidaritätsanzeige

Vertreter der KPL und der PTBEinen Monat nach der von einer Protestkundgebung der Kommunisten begleiteten Stahltripartite kamen mit der Stahlindustrie befaßte Aktivisten der Partei der Arbeit Belgiens (PTB) und der Kommunistischen Partei Luxemburgs (KPL) am Freitag in Esch/Alzette zusammen, um die Konzernstrategie von ArcelorMittal zu analysieren, ihre Solidarität mit den Beschäftigten zu bekräftigen und zum gemeinsamen Widerstand gegen die weitere Abwälzung der Krisenfolgen auf die Stahlarbeiter aufzurufen. Anschließend fand im Escher Rathaus eine Pressekonferenz statt, die nach den Worten von KPL-Präsident Ali Ruckert auch im Namen vieler Stahlarbeiter abgehalten wurde, »die sich aus Angst vor Repressionen nicht an die Öffentlichkeit trauen«.

Trotz der kapitalistischen Krise, so Hubert Hedebouw (PTB), der lange im Lütticher ArcelorMittal-Werk gearbeitet hat und von seinen Kollegen in gewerkschaftliche Funktionen gewählt wurde, verspreche Konzernchef Lakshmi Mittal seinen Aktionären noch immer eine Kapitalrendite von 25 Prozent. 306 Millionen Dollar oder 1.066 Dollar pro Arbeiter würden so Trimester für Trimester in den Taschen der Aktionäre verschwinden, während gleichzeitig die Arbeitsbedingungen in den Hüttenwerken als Folge von Personalmangel und Flexibilisierung zunehmend verschlechtert und die Löhne abgesenkt würden.

Einigkeit macht stark

Nur ein Jahr nachdem die Gewerkschaften einem Plan namens »Speed up« zugestimmt hatten, der vorsah, die Belegschaft in Lüttich auf 818 Beschäftigte zu senken, habe ArcelorMittal als Bedingung für das Wiederanfahren des Hochofens verlangt, 302 weitere Posten abzubauen, berichtete Hedebouw. Statt sich von der Konzernführung gegeneinander ausspielen zu lassen, sollten sich die Salariatsvertreter der einzelnen Stahlstandorte die einheitliche Gewerkschaftsfront bei Opel zum Vorbild nehmen, die es dank ihrer Einigkeit geschafft habe, alle europäischen Opel- Werke zu verteidigen.

»Anstatt daß wir uns durch das ‚Benchmarking’ des Konzerns zueinander in Konkurrenz stellen lassen, sollten wir ein ‚soziales Benchmarking’ verlangen, bei dem die besten Arbeits- und Sozialbedingungen die Maßstäbe setzen«, schlug Hedebouw vor. Nur so könne erreicht werden, daß alle Standorte erhalten bleiben und aufgewertet werden und alle in den vergangenen Jahren angekündigten Investitionen auch tatsächlich getätigt werden, darunter die im Restrukturierungsabkommen »Lux2011« angekündigten Investitionsprojekte sowie die Investitionen ins integrierte Hüttenwerk in Lüttich.

Wobei ein großer Teil der bis Ende 2011 für die Luxemburger Werke versprochenen Investitionen in Höhe von 65 bis 75 Millionen Euro dazu verwendet werden sollen, die Arbeitsorganisation weiter zu flexibilisieren, warnte Gilbert Simonelli, lange Ausschußmann bei ARBED-Belval und heute in der Parteileitung der KPL für die Stahlindustrie zuständig, die Salariatsvertreter vor allzu großen Erwartungen. »Abgesehen von den mit hohen Abgangsentschädigungen schmackhaft gemachten ‚freiwilligen’ Abgängen sollen allein über die ‚préretraite’ 815 Arbeiter und Angestellte bis Ende nächsten Jahres aus den Lohnlisten von ArcelorMittal verschwinden.«

Keine weiteren Auslagerungen!

Zusätzlich zu »Lux2011« habe ArcelorMittal noch 400 Posten in der in Luxemburg ansässigen zentralen Verwaltung gestrichen, stellte Simonelli klar. Mittal beabsichtige, die Produktion in den Walzwerken mittelfristig um rund 30 Prozent zu steigern und sich auf lange Sicht sämtlicher »Klumpfüße« zu entledigen, wie Mr. Mittal sich ausdrücke. »Ginge es allein nach Mittal, so würden große Teile der Reparatur- und Unterhaltsbetriebe sofort ausgegliedert. « Auch der Schrottanlieferung, dem Verputzen und Schneiden der Walzprodukte, der Fertigung und dem Versand gedenke sich Mittal über kurz oder lang zu entledigen.

So wolle das Management Posten und Arbeitsorganisation im Kernbereich der Stahlindustrie punktgenau der Auftragslage anpassen. Bei anziehender Konjunktur werde auf Leiharbeiter zurückgegriffen, während Produktionseinbrüche mit staatlich subventionierter Kurzarbeit und dem Ausleihen von Arbeitskräften an andere Firmen überbrückt würden. Zudem solle je nach Konjunkturlage ein Vier- oder ein Dreischichtsystem gefahren werden. Auch die teilweise mit Steuergeldern finanziere »Cellule de reclassement « (CDR) solle weiter dazu dienen, überschüssiges Personal aufzufangen. Ende Februar seien 196 Schaffende in der CDR eingeschrieben gewesen, nachdem es zeitweise bis zu 600 gewesen seien.

Hingegen fordern PTB und KPL, daß bei einem Konjunkturrückgang das verbleibende Produktionsvolumen auf alle Stahlstandorte aufgeteilt wird, zusätzliche Investitionen in die Weiterverarbeitung der Stahlprodukte getätigt werden, der Handel mit Kohlendioxidemissionsrechten – mit dem ArcelorMittal im vergangenen Jahr 108 Millionen Dollar einfuhr – eingestellt wird, und daß es gesetzlich verboten wird, daß Konzerne, die ihren Aktionären Dividenden auszahlen, gleichzeitig Mitarbeiter entlassen.

Quelle: Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek / RedGlobe

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