Samstag, 25. März 2017
Solidaritätsanzeige

Japan

ippnwSechs Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima leben die Menschen in Japan weiterhin mit deren verheerenden Folgen. Darauf weist die Ärzteorganisation IPPNW anlässlich des sechsten Jahrestages hin. Die havarierten Atomreaktoren des AKW Fukushima Dai-ichi sind weiterhin nicht unter Kontrolle. Im Inneren der Reaktorkerne wurden kürzlich so hohe Strahlenwerte gemessen, dass ein Mensch dort nach wenigen Minuten sterben würde. Die Bergung der geschmolzenen Brennstäbe wird vermutlich für viele Jahrzehnte nicht möglich sein, so dass die maroden Kraftwerksgebäude bei zukünftigen Naturkatastrophen eine hohe Gefahr für die gesamte Region darstellen.

Weltbund der demokratischen JugendWeltbund der demokratischen JugendAm gestrigen Donnerstag wurde weltweit an den 70. Jahrestag des Atombombenabwurf der USA auf die japanische Stadt Hiroshima erinnert. Drei Tage später bombardierten die USA die Stadt Nagasaki. Der Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ), der in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, hat in einer Erklärung aus diesem Anlass die Jugend der Welt aufgerufen, sich weiter für den Frieden gegen die imperialistischen Mächte zu engagieren. Wir dokumentieren die Erklärung des WBDJ nachstehend in eigener Übersetzung.

70 Jahre sind seit heute seit den nuklearen Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki vergangen. Der Weltbund der demokratischen Jugend hat immer eine klare Position zur Verwendung von Atomwaffen bezogen.

Für eine Welt ohne AtomwaffenEs ist immer noch eine der am besten gepflegten Lügen der bürgerlichen Geschichtsschreibung, daß die Abwürfe von Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki ein entscheidender Faktor für die kurz darauf erfolgte Kapitulation des japanischen Kaiserreiches und damit für das Ende des Zweiten Weltkrieges in Asien gewesen seien. Zwar hatten der Präsident der USA und seine Militärs ohne Zweifel den Willen, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, was jedoch nicht ausschlaggebend war für die Entscheidung über den verbrecherischen Einsatz der neuen Massenvernichtungswaffen.

IPPNWIPPNWBei 50 japanischen Kinder in der Präfektur Fukushima wurden mittlerweile Schilddrüsenkrebs-Operationen durchgeführt. Das geht aus einem Bericht des Fukushima Health Management vom 19. Mai 2014 hervor. 39 weitere Kinder haben krebsverdächtige Biopsieergebnisse und müssen noch operiert werden. Es ist zu erwarten, dass die Zahl der Krebsfälle weiter steigen wird, da bislang erst für 78% der betroffenen Kinder Ergebnisse publiziert wurden und bei rund 400 Kindern mit verdächtigen Ergebnissen in den ersten Reihenuntersuchungen noch keine Folgeergebnisse vorliegen. Japanische Krebsstatistiken belegen in der entsprechenden Altersgruppe normalerweise eine Inzidenz von weniger als einem Schilddrüsenkrebsfall pro Jahr.

IPPNWIPPNWDie internationale Ärzteorganisation IPPNW hat sich äußerst besorgt über Berichten gezeigt, denen zufolge eine offizielle Vereinbarung zwischen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) und den Präfekturen Fukushima und Fukui besteht. Wie die Zeitung »Tokio Shimbun« Ende letzten Jahres berichtete, enthält diese Vereinbarung einen Paragraphen, demzufolge »wenn eine der Beteiligten bezüglich einer Information einen Geheimhaltungsstatus wünscht, die andere Seite diesen Wunsch berücksichtigen« werde. Die Verträge seien schon im Oktober (Präfektur Fukui) und im Dezember 2013 (Präfektur Fukushima) abgeschlossen worden.

IPPNWIPPNWDie deutsche Sektion der IPPNW befürchtet eine Zunahme von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in der Präfektur Fukushima in Japan. Bestätigt sehen die IPPNW-Ärzte diese Befürchtung aufgrund einer Untersuchung der Gesundheitsbehörde der Präfektur an 38.114 Kindern im Alter von 0-18 Jahren, die Ende April 2012 veröffentlicht wurde. Dr. Matsuzaki Hiroyuki, Leiter der Abteilung für Innere Medizin im Allgemeinen Städtischen Klinikum der Stadt Fukugawa, verglich die Befunde der Gesundheitsstudie von Fukushima mit früheren Studien. Eine Zusammenfassung seiner Arbeit liegt jetzt auch auf  Deutsch vor.

Japan wieder radioaktivJapan wieder radioaktivSeit Donnerstag produziert Japan wieder Atomstrom. Nachdem zwei Monate lang alle 50 Atommeiler des Landes abgeschaltet waren, ist jetzt im Atomkraftwerk Oi der erste Reaktor wieder ans Netz gegangen. ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie, die erst letzte Woche ihren Schmähpreis, den Internationalen ethecon Black Planet Award 2011, an die Verantwortlichen des TEPCO-Konzerns in Tokio übergeben hat, kritisiert diese Entscheidung heftig.

Atomausstieg weltweit!Atomausstieg weltweit!Der mehrfache Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima Dai-ichi vor einem Jahr führte zu einer massiven Freisetzung von Radioaktivität. Laut dem norwegischen Luftforschungsinstitut NILU wurde in den ersten vier Tagen der Katastrophe im Vergleich zu Tschernobyl die 2,5-fache Menge des radioaktiven Edelgases Xenon-133 freigesetzt, sowie 20 % der Menge an Jod-131 und 40-60 % der Menge an Caesium-137. Während Jod-131 mit seiner kurzen Halbwertszeit von acht Tagen eine akute Gefahr für die Gesundheit darstellt, strahlt Caesium-137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren noch viele Jahrzehnte weiter. Der Nordpazifik wurde durch die Atomkatastrophe mit 15-27 PBq radioaktiver Substanzen kontaminiert. Sie stellt somit schon jetzt die größte zivile Verseuchung der Weltmeere in der Geschichte der Menschheit dar.

Fukushima mahnt!Fukushima mahnt!»Ein Jahr nach dem Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind in Japan von vormals 54 Atomkraftwerken nur noch zwei am Netz. Und auch diese werden innerhalb der nächsten Wochen heruntergefahren.« Das berichtet Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. Die von der Dreifachkatatsrophe Erdbeben, Tsunami und Fukushima gebeutelte japanische Wirtschaft sei deshalb nicht zusammengebrochen.

»Damit ist Japan gelungen, wovon Deutschland noch weit entfernt ist: Der Sofortausstieg aus der Atomkraft. Das ist umso erstaunlicher, da Japan noch vor einem Jahr 30 Prozent seines Strombedarfs aus Atomkraftwerken gedeckt hat. Mit kreativen Energiesparmaßnahmen haben Unternehmen und Bevölkerung dazu beigetragen, dass das Stromnetz nicht zusammengebrochen ist.«

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